Erzbischöfliches Priesterseminar in der Kardinal-Frings-Straße in Köln
Erzbischöfliches Priesterseminar in der Kardinal-Frings-Straße in Köln

25.06.2020

Nur noch drei Priesterseminare in Deutschland? Umstrittene Zukunftspläne wegen niedriger Zahlen

Früher gehörte es zur Bischofsstadt wie der Dom: Das Priesterseminar, in dem sich künftige Priester auf den Beruf vorbereiteten. Heute stehen viele Seminare fast leer. Eine Konzentration der Standorte scheint unvermeidlich.

Die Nachricht, dass es künftig in Deutschland nur noch drei bischöfliche Priesterseminare geben könnte, beschäftigt derzeit die Bistümer und die Theologischen Fakultäten.

Zwar wissen alle Beteiligten seit langem um die Zahlen: Seit 13 Jahren gibt es bundesweit deutlich unter 100 Neupriester, eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Viele Priesterseminare sind zu Geisterhäusern geworden.

Selbst in großen Erzbistümern besteht die "Kommunität" der angehenden Seminaristen aus weniger als 20 Mann (über alle Semester), die Häuser sind personell und räumlich aber auf das Fünf- bis Zehnfache ausgelegt.

Regionale Rivalitäten

Neben der offensichtlichen Verschwendung von finanziellen und personellen Ressourcen bedeutet diese Situation auch für die angehenden Priester nichts Gutes: Sie erfahren nur noch gelegentlich in gemeinsamen Kursen oder Ausbildungsabschnitten mit ihren Kollegen aus anderen Bistümer so etwas wie Gemeinschaftsgefühl. An den Theologischen Fakultäten sind sie inmitten einer gewaltigen Mehrheit von künftigen Religionslehrern und Gemeindereferentinnen beinahe schon zu Exoten geworden.

Der in der Bischofskonferenz für die Priesterseminare zuständige Münsteraner Bischof Genn, selbst lange Leiter eines Priesterseminars, hat schon vor sechs Jahren in einem Vortrag in Eichstätt dafür plädiert, die Bischöfe sollten endlich die Realitäten anerkennen und Konsequenzen ziehen.

Sein nun gemeinsam mit den Bischöfen Heinrich Timmerevers (Dresden-Meißen) und Michael Gerber (Fulda) vorgelegter Entwurf für eine Neuordnung löst dennoch mehr Kritik als Zustimmung aus. Er sieht bischöfliche Priesterseminare mitsamt Theologischer Fakultät künftig nur noch für Mainz, München und Münster vor.

Kritik kommt zunächst aus den Standorten, die nun wegfallen könnten. Regionale Rivalitäten spielen dabei eine Rolle. Da sieht sich im großen Erzbistum Köln manch einer von den Nachbarn in Münster überrumpelt und denkt darüber nach, weiterhin einen Sonderweg zu gehen. Ähnlich könnten sich die Dinge zwischen Regensburg und München entwickeln, zumal in Regensburg mit knapp 30 Seminaristen noch immer eine gewisse Masse vorhanden ist und es wenige Freunde einer Zentralisierung in München gibt.

Bischofskonferenz kann nichts vorschreiben

Vorschreiben können die Bischofskonferenz und die Genn-Arbeitsgruppe ohnehin nichts. Denkbar wäre daher, dass nach einer längeren Debatte statt der vorgeschlagenen drei vielleicht doch fünf oder sechs Standorte mit Priesterseminar und Fakultät übrigbleiben. Wie lange die dann überlebensfähig wären, steht auf einem anderen Blatt.

Die Kritik kommt aber nicht nur von Bischöfen, die "ihr" Priesterseminar halten wollen. Auch die Theologischen Fakultäten sind besorgt. Deren Existenz ist aufgrund von Konkordaten meist mit der Priesterausbildung eng verknüpft.

Eine Fakultät, die künftig "nur" noch Religionslehrer und Laien im Seelsorgedienst ausbildet, bräuchte ein neue Grundlage. So etwas kann durchaus funktionieren, wie die Fakultät in Bochum zeigt: Als das Bistum Essen seine Priesterkandidaten von dort abzog, handelte der Vatikan mit den staatlichen Stellen eine erweiterte vertragliche Grundlage aus, um den Fortbestand der renommierten Fakultät zu garantieren. Ähnliches wäre zum Beispiel auch in Tübingen oder Bonn möglich.

Fakultäten erster und zweiter Klasse?

Mit Sorge weist aber die Vorsitzende des Katholisch-Theologischen Fakultätentages, die Tübinger Professorin Johanna Rahner, darauf hin, dass dann Fakultäten erster und zweiter Klasse entstehen würden: Die mit allen Lehrstühlen (einschließlich Kirchenrecht, Homiletik und Pastoraltheologie) ausgestatteten "Voll-Fakultäten", an denen auch Priester bis zur Weihe studieren könnten, wären die Erste Liga.

Zweitklassig wären jene Standorte, an denen "nur" Religionslehrer und Gemeindereferentinnen ausgebildet werden.

In der vatikanischen Bildungskongregation gibt es aber auch andere Ideen, wie sich die Standorte ohne Priesterausbildung profilieren und bewähren könnten. Die gesellschaftliche und wissenschaftliche Relevanz akademischer Theologie könne auch ohne Priesterausbildung gestärkt werden, heißt es in Rom.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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