Bischof Heiner Wilmer
Bischof Heiner Wilmer

12.04.2020

Bischof Wilmer sieht "Fixierung auf die Eucharistie" "Wir haben Gott in eine Schachtel gepresst"

Eine "Fixierung auf die Eucharistie" beobachtet Bischof Heiner Wilmer in der Corona-Krise. Dabei habe es in der Geschichte des Christentums Zeiten gegeben, in denen Menschen nicht an Messen teilnehmen oder die Kommunion empfangen konnten.

Das sagte der Hildesheimer Bischof am Sonntag im Deutschlandfunk. "Deshalb ist aber nicht der Glaube zusammengebrochen." Angesichts von leeren Kirchen herrsche derzeit bisweilen eine Stimmung, "als bräche alles zusammen. Das ist falsch, das ist eine Engführung", kritisierte der Bischof.

Wilmer fügte hinzu, er sei kein Freund davon, wenn zu viele Gottesdienste parallel gestreamt würden. Dies zeige, "wie verarmt wir sind", sagte er: Es könne nicht sein, "dass wir nur auf die Eucharistie fixiert sind". Zudem gäben leere Kirchen möglicherweise einen Vorgeschmack auf die Zukunft.

Prinzipiell sei ihm ein "Glaube ohne Vernunft" suspekt, fügte der Bischof hinzu. So sei es kritisch zu sehen, wenn manche Gläubige das Coronavirus als göttliche Botschaft deuteten oder Weihwasser eine medizinische Wirkung zusprächen. Er finde es schwer zu ertragen, wenn die Realität zu leicht genommen werde "und wir dann ankommen mit Weihwasser und Praktiken, die jeder Vernunft entbehren".

Die aktuellen Ereignisse zeigten, dass das Leben unberechenbar sei, betonte Wilmer. "Die Wahrheit ist, dass wir das Eckige, Kantige in unserem Glauben rundgeschliffen haben. Die Wahrheit ist, dass wir Gott in eine Schachtel gepresst haben, eine runde Schleife drumgebunden haben und denken: Wir haben's, so ist er", kritisierte der Bischof. Dabei bleibe Gott ein Geheimnis. "Er ist nicht jemand, den wir mit Opfern besänftigen können, den wir irgendwie magisch dominieren könnten, den wir in eine bestimmte Ecke drängen könnten."

Kirche muss wegkommen von "monarchistischen Tendenzen"

Die Kirche muss nach Worten des Hildesheimer Bischofs Heiner Wilmer "monarchistische Tendenzen" überwinden. Die Menschen interessiere nicht die Frage, wer die Macht habe, sondern, wer an ihre Erfahrungen anknüpfe, sagte er weiter. Er plädiere für Machtkontrolle, die institutionell verankert werden müsse.

Um Missbrauchsfälle in der Kirche aufzuklären, brauche es Expertengruppen, die nicht aus dem betroffenen Bistum kämen, sagte Wilmer weiter. Sie müssten Akten selbstständig bearbeiten können.

"Das Schwierige an dem Thema der sexualisierten Gewalt ist, dass das ganze System Kirche hier betroffen wird", erklärte der Bischof. Je länger er sich mit diesem Thema befasse, "desto mehr packt mich die Wut und der Zorn".

Vertuschung von Missbrauch sei in der Vergangenheit möglich gewesen, weil sich die katholische Kirche im juristischen Bereich als autonom angesehen habe, erklärte Wilmer. "Sexualisierte Gewalt wurde betrachtet als ein Verstoß gegen das sechste Gebot, aber nicht als ein Verbrechen mit staatsrechtlicher Relevanz." Diesen Vorfällen müsse nachgegangen werden. Dabei dürfe es nicht um "den Glanz einer Institution" oder den Erhalt von Strukturen gehen, sondern um Gerechtigkeit.

Zur Debatte um den Zölibat sagte Wilmer, dass es für etwaige Lockerungen noch Geduld brauche. Aus seiner Sicht wolle Papst Franziskus durchaus, dass weiter darüber nachgedacht und auch diskutiert werde. "Der Zölibat ist kein Dogma", betonte der Bischof.

Es gebe viele Gründe, die für den Zölibat sprächen, er gehöre jedoch nicht zum Glaubensschatz der Kirche.

(KNA)

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