Burn-out gibt es auch bei Priestern
Burn-out gibt es auch bei Priestern
Freigestellt: Priester Norbert Wohlgemuth
Freigestellt: Priester Norbert Wohlgemuth

31.07.2019

Erzbistum Paderborn zum Fall des enttäuschten Pfarrers Wohlgemuth Kein Sonderfall?

Erzbistum Paderborn: Der Fröndenberger Pfarrer Norbert Wohlgemuth hört auf - und geizt nicht mit Vorwürfen gegen sein Bistum. Ist Wohlgemuth ein Einzelfall? 

DOMRADIO.DE: Wie sind die Reaktionen im Erzbistum auf den Fall Wohlgemuth?

Monsignore Andreas Kurte (Leiter der Zentralabteilung pastorales Personal im Erzbistum Paderborn): Ich denke, dass die Rückmeldungen sehr unterschiedlich sind. Unser Klerus und das pastorale Personal sind bunt und vielfältig - und die Reaktionen darauf sind ebenso bunt und vielfältig.

Ich bin froh, dass wir eine ganze Reihe engagierter Priester und auch Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten haben, die täglich einen guten Dienst in den Gemeinden leisten.

DOMRADIO.DE: Wie schätzen Sie denn die Situation beim pastoralen Personal ein: Ist der Fall Wohlgemuth ein Paderborner Sonderfall oder ist er doch symptomatisch für die katholische Kirche allgemein?

Monsignore Kurte: Ich glaube, wir können nicht von einem Paderborner Sonderfall sprechen. Als Personaldezernenten im Bereich Deutschland sind wir gut miteinander vernetzt. Wir treffen uns jährlich zu Konferenzen und ich nehme wahr, dass auch in den anderen Bistümern diese Themen eine Rolle spielen und die Frage: Wie können wir als Priester unter veränderten Bedingungen leben, auch im Blick auf die Herausforderungen, vor denen wir als Kirche und in der Pastoral stehen?

DOMRADIO.DE: Haben wir es da mit einem strukturellen Problem zu tun, wie Pfarrer Wohlgemuth sagt, oder doch eher mit dem individuellen Erleben eines Einzelnen?

Monsignore Kurte: Ich glaube, dass beides zusammenkommt. Das individuelle Erleben des Einzelnen habe ich als Personaldezernent sehr ernst zu nehmen. Da können wir gar nicht darum herumreden.

Die einzelnen Menschen reagieren aber auf strukturelle Veränderungen sehr unterschiedlich. Und meine Aufgabe als Personaldezernent besteht auch darin, zu schauen, ob der Mann - oder die Frau, wenn es um eine Gemeindereferentin geht - da an der richtigen Stelle ist. Sonst müssen wir die Stelle noch einmal wechseln, damit es nicht zu ständigen Überforderungen kommt.

DOMRADIO.DE: Wie groß ist denn das Problem der Überforderung und Überlastung und wie geht das Erzbistum damit um?

Monsignore Kurte: Wir hatten vor einigen Jahren eine Seelsorgestudie, an denen der Paderborner Pastoralpsychologe Professor Christoph Jacobs mitgewirkt hat. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Probleme Überlastung und Burn-out im Klerus nicht größer sind als insgesamt in unserer Gesellschaft.

Wenn jemand zu mir kommt und solche Probleme hat, versuche ich konkrete und schnelle Hilfe zu leisten. Ich bin in Gesprächen mit Psychiatern und auch mit Kliniken, wo wir relativ schnell Zugang bekommen, um Hilfe zu leisten. Anschließend geht es aber auch darum, in Personalgesprächen festzustellen, ob eine Person in ihrer Position überfordert ist. Um das zu vermeiden, muss man gegebenenfalls überprüfen, ob der richtige Mann oder die richtige Frau am richtigen Ort ist. Da ist dann auch Flexibilität gefragt.

DOMRADIO.DE: Wie planen Sie denn mittel- und langfristig die Zukunft im Erzbistum Paderborn, wenn der priesterliche Nachwuchs ausbleibt?

Monsignore Kurte: In Paderborn haben wir aktuell etwa 490 Priester im aktiven Dienst, dazu kommen 290 Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten. Diese Zahl wird sich bis zum Jahr 2034 für die Priester auf 170 reduzieren. Und bei den Gemeindereferentinnen haben wir eine ähnliche Entwicklung, sodass wir im Jahr 2034 da nach unseren Hochrechnungen etwa 170 Männer und Frauen im Dienst haben werden.

Wir stehen also vor riesengroßen Veränderungen und wir müssen jetzt sehen, wie die Leitung der Pfarreien stattfinden kann. Wenn Sie einen Blick auf die norddeutschen Bistümer werfen: Dort wird heute schon geschaut, wie es mit alternativen Leitungsmodellen aussieht. Wir müssen überprüfen, ob diese Modelle für das Erzbistum Paderborn funktionieren. Aktuell ist das Erzbistum Paderborn dabei, Verwaltungsleiterinnen und Verwaltungsleiter in allen 87 Pastoralen Räumen zu installieren, damit die Pfarrer auch mehr Zeit für die Seelsorge haben und komplett von der Verwaltung entlastet werden. Das sind erste Schritte, aber wir sind als Bistum auf dem Weg. Vor allem, wenn es darum geht, nach alternativen Leitungsmodellen Ausschau zu halten.

Das Interview wurde geführt von Moritz Dege.

(DR)

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