Kardinal Marx, ZdK-Präsident Sternberg und der Papstbrief (Montage: DOMRADIO.DE)
Kardinal Marx, ZdK-Präsident Sternberg und der Papstbrief (Montage: DOMRADIO.DE)

30.06.2019

Bischöfe und Laien betrachten Papstbrief als Ermutigung Rückenwind aus Rom?

Kardinal Marx und ZdK-Präsident Sternberg begrüßen den am Samstag veröffentlichten Brief das Papstes an die Kirche in Deutschland. Franziskus lade dazu ein, den begonnenen Weg weiterzugehen - nicht nur strukturell, sondern auch geistlich. 

Als Zeichen der Wertschätzung und der Ermutigung für die Katholiken in Deutschland haben die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) den Papstbrief zum "synodalen Weg" gewertet.

"Wir danken dem Heiligen Vater für seine orientierenden und ermutigenden Worte und sehen uns als Bischöfe und Laienvertreter eingeladen, den angestoßenen Prozess in diesem Sinn weiter zu gehen", erklärten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und ZdK-Präsident Thomas Sternberg am Samstag in Bonn.

"Eine neue Art des Hörens"

Papst Franziskus wolle die Kirche in Deutschland bei ihrer Suche nach einer zukunftsfähigen Gestalt der Kirche unterstützen, so Marx und Sternberg. Es sei das zentrale Anliegen des Kirchenoberhaupts, die Kirche "weiterhin als eine starke geistliche und pastorale Kraft zu verstehen, die das Evangelium in die Gesellschaft hinein vermittelt und glaubwürdig verkündet". Diese Glaubwürdigkeit sei in den zurückliegenden Jahren erschüttert worden.

Marx und Sternberg betonten, dass der "synodale Weg" sich nicht in Strukturdebatten erschöpfen dürfe, sondern eine geistliche Ausrichtung benötige. "Für den vor uns liegenden Prozess mahnt uns Papst Franziskus zu einer neuen Art des Hörens aufeinander, damit wir uns als Teil der Weltkirche mit aller Kreativität, Spiritualität und Leidenschaft in den Dienst des Glaubens stellen."

Woelki: Beeindruckt vom "Primat der Evangelisierung"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki betonte, dass der Papst nichts beschönige und auch die Gläubigen ermuntere, "die Augen vor der Realität nicht zu verschließen". Die Krise der Kirche sei in erster Linie eine Glaubenskrise. Besonders beeindruckt habe ihn in dem Brief der Hinweis auf den "Primat der Evangelisierung". Es müsse eine "missionarische Kirche" sein.

Neben aller Ermutigung sehen Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode und die Vorsitzende des Katholikenrats im Bistum, Katharina Abeln, auch eine Herausforderung: "Es fordert uns aber auch heraus, den großen Horizont der Evangelisierung und des Lebens mit der ganzen Kirche nicht aus den Augen zu verlieren. So muss unser Weg des Dialoges für alle Ebenen der Kirche offen sein und uns nicht auf die Ebene in unserem Land oder Bistum beschränken."

Fürst: "Auf der Basis des Evangeliums"

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst erklärte, der Papst bestärke darin, die "aktuellen Herausforderungen" der Kirche anzugehen. "Machen wir uns auf der Basis des Evangeliums gemeinsam auf den synodalen Weg, ohne dabei die Einheit mit der Weltkirche aus dem Blick zu verlieren", so Fürst.

Der Würzburger Bischof Franz Jung sieht auch eine "Mahnung, nicht den Selbsterhalt an die erste Stelle zu setzen, sondern die Treue zum Evangelium und zu seiner Dynamik". Der Weg der Erneuerung verlange Ausdauer und Geduld.

Fuchs: "Es kann kein 'Weiter so' geben"

Der Regensburger Generalvikar Michael Fuchs erklärte mit Blick auf den "synodalen Prozess", dass es nach dem Brief "sicher" kein "Weiter so" geben könne. "Eigentlich drängt der Brief auf eine komplette Neufassung eines solchen Prozesses, der auf Evangelisierung und geistliche Erneuerung ausgerichtet sein soll und auf 'die Menschen am Rande'; einen Prozess, der nicht 'macht' oder 'anpasst', sondern auf Gott setzt, der erneuern und bekehren kann und uns die Freude des Evangeliums schenkt; und einen Prozess, der in allen Belangen mit der Gemeinschaft der katholischen Kirche geht, die Zeit und Raum umfasst."

Anlässlich der Veröffentlichung des Briefes sieht die Gruppe "Wir sind Kirche" den "synodalen Weg" als "einzige und vielleicht letzte Möglichkeit, die existenzielle Kirchenkrise in Deutschland zu überwinden". Der Theologe Thomas Söding sagte dem Portal "Kirche+Leben", der Brief sei "nicht von Verboten bestimmt, sondern positiv orientiert".

(KNA)

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