Blick in ein Pfarrbüro
Alltag im Pfarrbüro

05.03.2019

Studie untersucht "Strategische Kommunikation" der Kirchen Erschweren älteres Personal und verschiedene Ebenen die Arbeit?

Einerseits gelten Kirchen als Global Player, andererseits macht die Aufsplitterung in viele Einzelverbünde deren einheitliche Außendarstellung schwer. Eine neue Studie analysiert die Kommunikation der Kirchen.

Der Befund ist verheerend: In den evangelischen und katholischen Gemeinden vor Ort fehlt es fast durchgängig an einer strategischen Kommunikation. Das eigene Verhalten wird ungenügend analysiert, und meist ist nur die Kerngemeinde medial im Blick. In seiner Doktorarbeit schreibt der Kommunikationswissenschaftler Markus Wiesenberg deshalb, die gemeindliche Kommunikation sei meist "auf einem sehr rudimentären Niveau".

Blick auf die Kommunikationsebenen der Kirchen

In seinem Buch über die "Strategische Kommunikation deutscher Großkirchen" beleuchtet Wiesenberg die drei unterschiedlichen Ebenen kirchlicher Strukturen: die Gemeinden und Dekanate vor Ort, die Bistümer und Landeskirchen als mittlere Instanz sowie den Rat der Evangelischen Kirche und die Deutsche Bischofskonferenz als nationale Größen. Und es geht um das Verhältnis zwischen diesen Ebenen.

Wiesenberg schaut sowohl religionssoziologisch als auch kommunikationswissenschaftlich auf seinen Untersuchungsgegenstand und ergänzt seine theoretischen Überlegungen durch eine breit angelegte Feldstudie, bei der er mehr die Hälfte der Bistümer und Landeskirchen einbezieht. Es geht ihm um eine mögliche Wende "Von kirchlicher Publizistik zur strategischen Kirchenkommunikation", wie es der Untertitel des knapp 400-seitigen Buchs formuliert.

Öffentlichkeitsarbeit im digitalen Zeitalter

Was kann etwa eine gemeindliche Öffentlichkeitsarbeit angesichts des Medienwandels und der Digitalisierung überhaupt bewirken? Als ein wesentliches Problem benennt die Studie ein seelsorgliches Personal, das von Überalterung geprägt ist und kaum Erfahrungen in diesem Bereich besitzt. Auch Medienverantwortliche auf Ebene der Bistümer und Landeskirchen sehen darin laut Wiesenberg ein Problem.

Ein "Durchgriffsrecht", mit dem sie eine Rechenschafts- oder Informationspflicht für die Gemeinde vor Ort geltend machen könnten, haben die Medienexperten nicht. Daher lautet ein schlichtes Resümee: Haben der Pfarrer oder die Pfarrerin kein Interesse am Themenfeld Öffentlichkeitsarbeit oder einfach keine Zeit - dann findet fast nichts statt. Zugleich gelten lokale Vielfalt und Buntheit vor Ort aber als ein Markenkern evangelischer und katholischer Gemeinden.

So wird es im Ergebnis oft hingenommen, dass Unterstützungsangebote der Bistümer und Landeskirchen in Sachen Öffentlichkeit nicht oder nur selten angenommen werden. Vor allem, wenn Bistümer und Landeskirchen hauptsächlich um sich selbst kreisen und Gemeinden "nur auf Anfrage" unterstützen. Andere sehen sich als Dienstleister der Gemeinden und versuchen Standards gemeindlicher Öffentlichkeitsarbeit zu etablieren. Ein Großteil der Landeskirchen und Bistümer bewegt sich zwischen diesen Polen.

Ebenfalls ambivalent zeichnet Wiesenberg das Verhältnis zwischen Bistümern und Landeskirchen zu ihren nationalen Zusammenschlüssen.

Auch hier weiß die obere Ebene selten genau, was unten passiert - oder nicht passiert. Andererseits beschreibt die Studie Diözesen und Landeskirchen, "die über ein ausführliches Kommunikationsmanagement verfügen und auch systematisch vorgehen". Weil sie beispielsweise die Mitglieder befragt haben.

Auf "tiefgreifende Analysen als Basis für ein strategisches Kommunikations- und Kampagnenkonzept" indes können demnach nur die nationalen Einrichtungen sowie je zwei Bistümer und Landeskirchen zurückgreifen. Welche das sind, sagt Wiesenberg nicht, weil den Befragten Anonymität zugesichert wurde. Die meisten Kirchenleitungen scheuten indes bis heute empirische Untersuchungen: "Das kann erklären, warum die Umweltwahrnehmung besonders grob ausfällt und der empirischen Datenlage wenig vertraut wird."

Positives Beispiel Bistum Essen

Eine institutionalisierte Mitgliederkommunikation, wie sie Wiesenberg für angeraten hält, existiert nach der Studie eher selten. Als positive Beispiele nennt er das Bistum Essen und die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau. Den Kirchenleitungen bescheinigt der Autor insgesamt, sich schwer damit zu tun, Grobziele zu formulieren "und in eine strategische Ausrichtung zu gießen". Das mag nach seinem Befund damit zu tun haben, dass in Großkirchen "primär Juristen und Theologen eine leitende Funktion innehaben".

Insgesamt sieht er aber Ansätze für einen strategischen Wandel, der allerdings "sehr unterschiedlich ausgeprägt und auf einem sehr unterschiedlichen Niveau anzusiedeln" sei. Für problematisch hält er die vielfach belegte "latente Evaluationsresistenz", also fehlende Bereitschaft, vorgegebene Ziele zu überprüfen. Gefragt seien für die Kirchen Kommunikationsmodelle "um den widersprüchlichen Umwelterwartungen der gesamten Gesellschaft entsprechen zu können".

Für entscheidend hält der Wissenschaftler der Uni Leipzig dabei die Beantwortung der Frage, ob man sich "an der Vergangenheit oder der Gegenwart orientiert" und diese "entsprechend der eigenen Logik reflektiert und für sich nutzt". Das wird nach seiner Einschätzung darüber entscheiden, wie Kirchen vor dem Hintergrund von Missbrauchs- und Finanzskandalen sowie Rechtfertigungsdruck künftig öffentlich wahrgenommen werden.

Michael Jacquemain
(KNA)

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