Justitia et Pax-Vorsitzender Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann

16.11.2018

Missbrauchsbeauftragter Ackermann will Kirchenarchive öffnen "Keine interne Sache mehr"

Zur weiteren Untersuchung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche will der Trierer Bischof Stephan Ackermann die Archive für unabhängige Fachleute öffnen. Ackermann kündigte an, dass er zudem einen Arbeitsplan vorlegen werde.

"Es ist klar, dass die nun folgende Aufarbeitung keine interne Sache mehr sein kann", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz in einem "Spiegel"-Interview für die Samstagsausgabe. "Unabhängig heißt für mich, dass der jeweilige Bischof die weitere Untersuchung aus der Hand gibt und alles zur Verfügung stellt, was dafür nötig ist."

Über das Thema wollen die Bischöfe auch zu Wochenbeginn während ihres Treffens beim Ständigen Rat in Würzburg beraten. Ackermann kündigte an, dass er dazu einen "Arbeitsplan für die kommenden Monate" vorlegen werde: "Wir müssen uns über bereits ergriffene Initiativen absprechen. Und wir wollen in den Bereichen Intervention und Prävention über Bistumsgrenzen hinweg zusammenarbeiten, gemeinsam mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs."

Die Bischöfe tagen und beschäftigen sich mit dem Thema

Am Sonntag rufen die Bischöfe erstmals zu einem Gedenktag für Opfer sexuellen Missbrauchs auf. Am kommenden Freitag findet zudem in Köln eine Fachtagung der Bischofskonferenz statt. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) beschäftigt sich auf seiner bevorstehenden Herbstvollversammlung in Bonn mit dem Thema.

Ende September hatten die Bischöfe eine "Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden.

Verteidigung gegen Kritik

Ackermann verteidigte die Studie gegen Kritik, räumte zugleich jedoch Defizite ein. "Man hat das Thema offensichtlich nicht in allen Diözesen so prioritär behandelt, wie es erforderlich gewesen wäre." Weiter sagte der Missbrauchsbeauftragte: "Von oben muss die klare Direktive kommen: Wir wollen das, wir machen das. Wenn ein Bischof die Thematik nicht zur Chefsache erklärt, bleibt die Umsetzung schwierig."

Einen Schlussstrich könne es nicht geben, aber auch keine einfachen Lösungen, betonte Ackermann. Er warnte in diesem Zusammenhang davor, die verpflichtende Ehelosigkeit von Priestern im Zölibat einfach zur Disposition zu stellen. Allerdings sei es problematisch, "wenn sich ein angehender Seelsorger gar nicht mit seiner Sexualität auseinandersetzt und gewissermaßen in den Zölibat flüchtet". Sexualität höre mit der Weihe nicht auf. "Auch ein Priester kennt sexuelles Begehren. Er muss aber lernen, so damit umzugehen, dass er dem Zölibat nicht zuwiderhandelt."

Weiter führte der Trierer Bischof aus, dass die Kirche schon jetzt in Härtefällen auch mehr als 5.000 Euro an Betroffene von Missbrauch zahle. Bei der Übernahme von Therapiekosten richte man sich nach den Vorgaben des vom Bund eingerichteten Systems. Er wisse, dass es gleichwohl Unzufriedenheit gebe. "Ich halte das System insgesamt aber nicht für verfehlt."

(KNA)

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