Neue Al Nour Moschee
Neue Al Nour Moschee
Wolfgang Weißbach
Wolfgang Weißbach
Eröffnung Al-Nour-Moschee
Eröffnung Al-Nour-Moschee

26.09.2018

Ex-Pastor freut sich über Kirchenumbau zur Moschee "Es bleibt ein Ort des Gebetes und des Lebens"

Die ehemalige evangelische Kirche in Hamburg-Horn ist an diesem Mittwoch als umgebaute Moschee eröffnet worden. Der frühere Pastor der Gemeinde freut sich über die "Rettung" und dass "seine Kirche" ein Ort des Gebets und des Lebens bleibt.

DOMRADIO.DE: Sie sind also an der damaligen Kapernaum-Kirche ins Berufsleben gestartet. Sie waren sieben Jahre dort tätig. Was hat Ihnen die Kirche bedeutet? Was bedeutet sie Ihnen noch?

Wolfgang Weißbach (Ehemliger Pastor der Horner Gemeinde): Sie bedeutet mir sozusagen meine erste Liebe, die man ja auch nie vergisst. Ich bin damals nach dem zweiten theologischen Examen als gerade ordinierter Pastor auf die Menschheit losgelassen worden. Ich bin in diese Kirchengemeinde gekommen, in einer Arbeitergegend, wo viele sozial schwache Familien die Gemeinde bilden. Und das war genau richtig.

DOMRADIO.DE: Wie wurden Sie empfangen? Auf was für Menschen sind Sie da gestoßen?

Weißbach: Ich bin gleich auf Augenhöhe angenommen worden. Ich bin vor allen Dingen auch mit den schwierigen Jugendlichen ins Gespräch gekommen, für die es kein Haus der offenen Tür in diesem Sinne gab. Das waren die sogenannten Rocker der 1960er und 1970er Jahre. Deshalb ist die Kirche auch über Hamburg hinaus bekannt geworden.

DOMRADIO.DE: Sie haben durchaus eine emotionale Beziehung zu dieser Kirche gehabt. Dass aus dieser ehemaligen Kirche eine Moschee werden würde, ist schon ziemlich lange klar. 2012 hat die Al-Nour-Gemeinde das Gebäude nämlich gekauft. Was haben Sie damals gedacht?

Weißbach: Ich habe gesagt, Gott sei Dank geht es weiter und die Kirche muss nicht abgerissen werden. Das Juwel der Kirche, die bunten, wabenförmigen Mosaikfenster bleiben ebenfalls bestehen.

DOMRADIO.DE: Zehn Jahre lang hatte die Kirche leer gestanden, wurde dann erst an einen Investor verkauft. Jahre später dann an die muslimische Al-Nour-Gemeinde. Was passierte mit dem Gebäude?

Weißbach: Diese Kirche war sozusagen sich selbst überlassen gewesen, weil der Investor, der sie gekauft hat, damit nichts anfangen konnte. Und da wäre die Kirche zur Ruine verfallen und abgebröckelt. Von daher ist es eine Rettung. Diese sanierte Kirche besteht also weiter - als Gebetshaus, als ein Gotteshaus, voller Leben.

DOMRADIO.DE: Aber ist das nicht trotzdem auch ein komischer Gedanke, dass das Gebäude sozusagen die Religion wechselt?

Weißbach: Die zentrale evangelische Kirche konnte die Gemeinden nicht mehr unterhalten und die Bevölkerung, die noch da war, auch nicht mehr. Es war sozusagen ein Notstand. Die evangelischen Gemeinden kämpfen damit, dass sie immer kleiner werden, mehr Gemeindemitglieder sterben als neue nachkommen, immer mehr treten aus der Kirche aus und hier ziehen auch einige wegen zu kleiner Wohnungen weg.

Aber in diese vielen kleinen Wohnungen, Hochhäuser sind Menschen mit Migrationshintergrund gezogen. Immer mehr. Sodass die frühere Gemeinde, die immer mehr schwand, einer immer größeren Bevölkerung mit muslimischem Hintergrund Platz machen musste. Und jetzt sind über die Hälfte der Menschen meiner ehemaligen Gemeinde Muslime. Dass sie gerne ein würdiges Gotteshaus haben wollten, das habe ich Ihnen von Herzen gegönnt.

DOMRADIO.DE: Es hat auch fremdenfeindliche Schmierereien außen an dem Gebäude gegeben. Wie nehmen Sie das wahr? Haben die Bürger die neue Moschee mittlerweile akzeptiert?

Weißbach: Ja, der neue Leiter der Moschee ist ein SPD-Parteigenosse, mischt sich unter das Volk, geht zu Festspielen sowie zum Stadtteilfest und sucht den Dialog mit den Nachbarn. Er ist von Anfang an als ein freundlicher, offener Mensch von der Bevölkerung akzeptiert worden. Ich kenne ihn auch und wir verstehen uns sehr gut. Er ist ein dialogfähiger Leiter der Gemeinde, der sehr viel für das Image dieser Gemeinde getan hat.

DOMRADIO.DE: Glauben Sie, dass diese neue Moschee dann am Ende vielleicht sogar das Zeug dazu hat, sogar Muslime und Christen einander näher zu bringen?

Weißbach: Ja, das ist jetzt schon der Fall. Neulich hat der Leiter der Moschee zusammen mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde und einer evangelischen Pastorin ein interreligiöses Friedensgebet veranstaltet. Das ist großartig. Und so kommen also nicht nur Muslime und Christen, sondern auch Andersgläubige oder sogenannte "Nichtgläubige" miteinander ins Gespräch.

Es ist ein offenes Haus, wo auch viel für die islamische Jugend getan werden soll - im Sinne von Seminaren, Schulungen, Freizeitgestaltung. Davon versprechen wir uns - damit meine ich die Muslime und die evangelische Kirche -, dass Jugendliche vor Salafisten gewarnt werden und auch dagegen immunisiert werden, sich zu radikalisieren.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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