Stiftskirche in Neuzelle
Stiftskirche in Neuzelle
Zisterziensermönch Kilian Müller
Zisterziensermönch Kilian Müller
Blick auf das Kloster Neuzelle
Blick auf das Kloster Neuzelle

02.09.2018

Pater Kilian als Motor für Wiederbelebung von Kloster Neuzelle "Ich habe den Eindruck, dass wir sehr geführt sind"

Neuzelle ist eine der wenigen vollständig erhaltenen mittelalterlichen Klosteranlagen in Europa. 1817 wurde der 750 Jahre alte Komplex verstaatlicht. Nun leben und arbeiten hier wieder Mönche – auch dank Pater Kilian.

"Ich habe selber noch nie ein Kloster gegründet. Ich weiß nicht, wie das geht. Aber man bekommt auch aus dem Glauben heraus wirklich Hilfe", erklärt der Zisterziensermönch Kilian Müller. Zwei Jahren arbeitete der 41-Jährige als Ökonom federführend an der Wiederbesiedlung von Kloster Neuzelle mit, prüfte die finanziellen und geistlichen Rahmenbedingungen.

Nun ist es soweit: Am 2. September werden die Mönche aus dem Stift Heiligenkreuz bei Wien dort ein Priorat, also ein Tochterkloster, eröffnen. Damit kann wieder richtiges Klosterleben mit "Ora et labora" (Beten und Arbeiten) hinter die alten Klostermauern einziehen.

"Das fühlt sich gut an"

Schon seit über einem Jahr lebt der studierte Betriebswirt zusammen mit drei Mitbrüdern im Osten Brandenburgs. Die Idee zur Neugründung kam vom Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt, der Abt Maximilian im Stift Heiligenkreuz bei Wien und seinen Konvent von der Umsetzung überzeugen konnte.

Der Klostervorsteher ernannte Pater Kilian, der seit zwölf Jahren Zisterziensermönch ist, zum Ökonomen für Neuzelle. Hier, in der brandenburgischen Diaspora, merkte er schnell den Unterschied zur meist noch tief verankerten Religiosität rund um sein Mutterkloster in Österreich. Eine reizvolle Herausforderung.

Die prachtvolle Klosteranlage war nicht der einzige Grund, dass er sich entschied, bei der Wiedererweckung von Kloster Neuzelle mitzuwirken. An diesem Ort zu leben und dort in Gemeinschaft mit den Mitbrüdern zu singen und zu beten, "das fühlt sich gut an" findet Pater Kilian. Und obwohl Neuzelle – nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt – "ein bisschen ab vom Schuss" liegt, sei es ein "geistliches Zentrum" für die Diözese Görlitz und auch für Berliner Katholiken.

Gebet, Gemeindeseelsorge, Religionsunterricht

Inzwischen sind die Mönche auch oft nicht mehr allein, wenn sie in der mit vielen weißen und goldenen Heiligenfiguren ausgeschmückten barocken Marienkirche die Stundengebete wie Laudes, Non, Vesper oder Komplet singen – über dreieinhalb Stunden täglich. Neben dem Gebet (ora) sind die Brüder in der Gemeindeseelsorge oder in einer katholischen Schule im Religionsunterricht tätig (labora).

Aber natürlich sei Brandenburg nicht mit Österreich – das bezeichnender Weise auch "Klösterreich" genannt wird – zu vergleichen, betont Pater Kilian. Zwar kommen viele neugierige Besucher zu den kulturellen Veranstaltungen rund um den 750. Gründungstag des Klosters Neuzelle. Die DDR-Zeit wirkt noch immer nach, vielen Menschen fehle das Wissen, was ein Kloster überhaupt ist.

"Es ist halt mehr als die Gebäude, und dann merkt man, dass man auch sprachlich manchmal ein bisschen aneinander vorbeiredet", sagt der Zisterzienser mit Nachsicht. "Wenn wir von Kloster sprechen, dann meinen wir vor allem die klösterliche Gemeinschaft, das Leben da drinnen, das monastische Leben. Wenn andere Leute Kloster sagen, dann meinen sie halt die Gebäude. Für uns ist das aber eine Einheit, die man nicht trennen kann."

Der Anblick der Mönche ist für manchen fremd

Den Mönchen ist durchaus bewusst, dass sie sich mit der Neubesiedlung von Neuzelle auf kein leichtes Unterfangen eingelassen haben. Pater Kilian – ein hochgewachsener, sportlich wirkender Mann mit markanter Brille – räumt ein, dass für die Nachbarn auch nach einem Jahr der Anblick der Mönche noch fremd ist: "Für manche ist es noch ungewöhnlich, dass Mönche im schwarz-weißen Ordensgewand durch Neuzelle laufen."

Pater Kilian kann das Fremdeln verstehen. Zwar stammt er aus einer evangelischen Familie in Hessen und besuchte eine katholische Schule. Dennoch praktizierte er den Glauben nicht. Nach diversen Stationen in Bamberg, Frankreich, Hamburg und Berlin schrieb sich Christian Müller, wie Pater Kilian mit bürgerlichem Namen hieß, an der Viadrina in Frankfurt/Oder für Kulturwissenschaften ein.

"Dort hatte ich dann das erste Mal Gelegenheit, mich auch geistlich und historisch fundiert mit den Zisterziensern zu beschäftigen." Und wurde neugierig. Vor zwölf Jahren ging Pater Kilian schließlich nach Heiligenkreuz, zunächst zum Kloster auf Zeit. Er blieb, konvertierte und wurde dort schließlich 2013 zum Priester geweiht.

"Wenn sie stehen bleiben, tut sich nix"

Nun hat er also im brandenburgischen Neuzelle einen neuen Wirkungsort gefunden. Dass die Zisterzienser nun ausgerechnet in einem Bundesland, in dem sich weniger als drei Prozent der Einwohner zum katholischen Glauben bekennen, ein Tochterkloster gründen, ist vor allem Pater Kilian zu verdanken.

Auch wenn in Deutschland immer mehr Klöster ihre Pforten schließen müssen, ist der Ökonom zuversichtlich: "Ich habe den Eindruck, dass wir sehr geführt sind. Das ist wie bei einem Navi. Sie müssen sich bewegen, um zu erfahren, wo sie lang müssen. Wenn sie stehen bleiben, tut sich nix."

Von Rocco Thiede

(KNA)

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