"Kar-Ratschen" lädt lautstark zum Gottesdienst ein
"Kar-Ratschen" lädt lautstark zum Gottesdienst ein

29.03.2018

Kar-Ratschen hat in Düsseldorfer Gemeinden Tradition Lautstarke Einladung zum Gottesdienst

Ab Karfreitag schweigen die Kirchenglocken. Trotzdem wird in einigen katholischen Gemeinden lautstark zum Gottesdienst gerufen - Jugendliche sind mit Klappern und Ratschen unterwegs.  Das "Kar-Ratschen" hat unter anderem in Düsseldorf Tradition.

DOMRADIO.DE: Das ist jetzt nicht als frühmorgendliche Ruhestörung am freien Karfreitag zu verstehen, was da in Himmelgeist und auch in anderen Düsseldorfer Stadtteilen passiert. Sondern?

Frank Heidkamp (Pfarrer der Düsseldorfer Seelsorgeeinheiten Wersten-Himmelgeist): Wir wollen die Menschen informieren, wann Gottesdienste im Laufe des Karfreitags und in der Osternacht sind, weil in dieser Zeit keine Glocken zu hören sind.

DOMRADIO.DE: Wie man weiß, fliegen die Glocken heute ja nach Rom.

Heidkamp: Natürlich, um entweder Bericht zu erstatten oder - wie andere meinen - um die Ostereier im Empfang zu nehmen und sie dann über den einzelnen Gemeinden abzuwerfen.

DOMRADIO.DE: Kar-Ratschen, so heißt das, was die Kinder und Jugendlichen - die Ministranten ihrer Gemeinde - da machen. Sie haben das früher selbst ja auch gemacht. Wie war das für Sie?

Heidkamp: Mir hat das unendlich viel Spaß gemacht. Wir sind damals mit einem kleinen Wagen von Haus zu Haus gezogen, haben "geratscht" und haben dafür dann auch etwas für den Besuch bekommen.

DOMRADIO.DE: Als Dankeschön fürs wecken, haben Sie dann etwas bekommen?

Heidkamp: Ja, die Leute waren damals einfach froh, dass wir die Tradition weiterführen und sie sie erleben durften. Vor 100 bis 200 Jahren gab es sogar Reime dazu. Ich kann mich daran erinnern, dass Manfred Becker-Huberti in einem Buch den Spruch zitiert hat: "Bim Bam Beier, der Köster mag kein Eier, wat mag er dann? Speck in de Pfann. Oh, der verschnuppte Köstermann“. Ein richtig toller Spruch. Das wird natürlich heute nicht mehr gesagt. Aber es ist auch heute noch so, dass Messdiener aus Dankbarkeit etwas Ggeschenkt bekommen.

DOMRADIO.DE: Wie reagieren die Menschen heutzutage auf die Messdiener und den morgendlichen Lärm?

Heidkamp: Ich würde sagen, 98 Prozent sind begeistert und wollen, dass wir weitermachen. Und die anderen zwei Prozent, die haben vielleicht auch nicht so viel mit der Kirche und den Brauchtümern zu tun, die fragen sich: "Muss das denn sein?". Aber insgesamt gesehen kommen die Messdiener immer ganz erfüllt zurück.

DOMRADIO.DE: Wie schwierig oder leicht war es denn, die Kinder und Jugendlichen zu motivieren, um diese Uhrzeit aufzustehen?

Heidkamp: Die, die da sind, sind da. Es gibt natürlich viele, die über Ostern in den Urlaub fahren, deshalb ist die Anzahl derer, die mitmachen, weniger geworden. Früher waren das bei uns im Stadtteil Himmelgeist 30 bis 40. Jetzt sind es zwischen 10 und 20. Aber immer noch ausreichend.

Das Interview führte Martin Mölder

(DR)

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