Großes historisches Ereignis für Europa: Mauerfall in Berlin
Mauerfall in Berlin
Bischof Gerhard Feige
Bischof Gerhard Feige

09.11.2017

Bischof Feige zu Mauerfall und Wiedervereinigung Kein Friede, Freude, Eierkuchen

Die Bilder der Menschen, die ausgelassen feierten, gingen um die Welt. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Im Interview spricht der Magdeburger Bischof Gerhard Feige über Hoffnungen und Enttäuschungen der Wiedervereinigung.

domradio.de: Können Sie sich noch erinnern, wo sie waren, als die Nachricht kam: Die Grenzen sind auf?

Dr. Gerhard Feige (Bischof von Magdeburg): Ich war in Erfurt in einer Wohnung. Damals war ich noch im Rahmen der kirchlichen Hochschule tätig, die es in Erfurt gibt.

domradio.de: Wie haben Sie auf die Nachricht reagiert?

Feige: Für mich war das unfassbar, überwältigend, ein wirkliches Wunder. Kurz vorher hatte ich mir so etwas nicht vorstellen können. Ich kann es vielleicht mit dem Pslam 126 sagen, der war damals in aller Munde: Da waren wir alle wie Träumende, da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel – Unfassbar.

domradio.de: Die Menschen hatten damals auch sehr viele Hoffnungen an diese Wende. Wurden diese Hoffnungen erfüllt?

Feige: Wir hatten uns nach Freiheit gesehnt und wollten besser leben. Die einen wollten einen menschlicheren Sozialismus, eine bessere DDR. Andere hatten schon bald die volle Wiedervereinigung Deutschlands im Blick. Aber bald machte sich die Erfahrung breit: Die Freiheit ist grauer als der Traum von ihr. Das Leben bekam eine andere Qualität. Es gab im Laufe der Zeit eine Entwicklung zu blühenderen Landschaften. Wenn man die Zeit vorher bedenkt und auch die Bilder sieht, das war eine Katastrophe. Aber man muss sagen: Ein Teil der Bevölkerung gehörte zu den Gewinnern, andere musste herbe Verluste hinnehmen.

domradio.de: Die blühenden Landschaften sind ein ganz gutes Bild dafür, dass manche auch darauf gehofft haben, dass das kirchliche Leben ohne eine atheistische DDR aufblühen würde, oder?

Feige: Da gehörte ich nicht zu den Optimisten. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen, dass das besser wird. Dazu war der christliche Glaube bei uns zu gründlich ausgetrieben worden. Viele traten sogar jetzt aus, als sie mitbekamen, dass sie von staatlichen Stellen als Christen erfasst waren.

domradio.de: Wie weit sehen Sie die innere Einheit im Jahr 2017 vorangeschritten, oder ist das ein falscher Anspruch? 

Feige: Das ist gemischt zu sehen. Vieles ist tatsächlich zusammengewachsen und schon lange selbstverständlich. Wir haben profitiert. In Rumänien ist mir das neulich deutlich geworden, was gewesen wäre, wenn wir solche Unterstützung nicht gehabt hätten. Und doch muss ich sagen, ist die Stimmung zwischen Ost und West in letzter Zeit schlechter geworden. Noch immer gibt es große Unterschiede, viele im Osten fühlen sich um Lebensjahre betrogen, nicht ernst genommen. Vielleicht sind sie auch nicht so richtig in der Demokratie angekommen oder von ihr enttäuscht. Es ist also nicht Friede, Freude, Eierkuchen.

domradio.de: Die Enttäuschung drückt sich vielleicht auch in Wahlerfolgen der AfD aus. Seitdem wird auch wieder vermehrt negativ über Ostdeutsche gesprochen. Wie kann man das überwinden?

Feige: Erstmal muss man richtigstellen: Die AfD ist ein gesamtdeutsches Problem, kein reines Problem des Ostens. Es ist wichtig, dass man sich für uns interessiert und dass wir insgesamt im Gespräch bleiben, aber auch dass noch gerechtere Lösungen für den Osten geschaffen werden.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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