Dach des Berliner Stadtschlosses
Dach des Berliner Stadtschlosses

09.06.2017

Diskussion um Kreuz auf Berliner Stadtschloss "Eine merkwürdige Debatte"

Soll das Dach des wiederaufgebauten Berliner Stadtschlosses wieder ein Kreuz schmücken oder nicht? Darüber wird derzeit in Berlin heftig diskutiert. Der Kulturbeauftragte des Erzbistums Berlin warnt bereits vor einem Debatten-"Kreuzzug".

domradio.de: Wie erklären Sie sich diese Debatte, die so hohe Wellen in Berlin schlägt? Wieso wird da so heftig und so umfangreich und emotional aufgeladen diskutiert? Es geht doch nur um ein Kreuz auf einem Dach.

Pater Georg Maria Roers (Kunst- und Kulturbeauftragter des Erzbistums Berlin): Das ist ein Politikum geworden, und wenn ein Politikum in Berlin entsteht, dann muss jeder seinen Senf dazu geben. Einmal gibt es kunsthistorische Argumente und dann auch die pastoraltheologischen Argumente. 

Die Kunsthistoriker wollen natürlich gerne rekonstruieren, was vor zehn Jahren längst beschlossen wurde. Aus pastoraler Sicht sind natürlich auch die Bischöfe und viele Christen dafür, dass da ein Kreuz drauf kommt und auch bleibt und nicht auch noch ein Halbmond und ein Davidstern, wie der Zentralrat der Muslime vorschlägt.

domradio.de: Die beiden Bischöfe von Berlin - der evangelische und katholische - haben sich für das Kreuz auf dem Schlossdach ausgesprochen. Sie aber sagen, so einfach sei das nicht. Schließlich steht dieses Preußenkreuz für eine ganz bestimmte protestantische Staatstheologie - das dürfe man nicht vergessen. Können Sie uns erklären, warum das Kreuz deswegen problematisch ist? 

Roers: Es ist so, dass sich der Nachfolger von König Friedrich Wilhelm IV. gedacht hat, man gründe die evangelische Union und mache daraus eine eigene Staatskirche mit dem König als oberstem Bischof nach anglikanischem Vorbild. Man darf auch nicht vergessen, dass vor fast 160 Jahren dort ein blutiger Aufstand mit 270 Toten stattgefunden hat. Danach sind dann Kuppel und Kreuz sozusagen als Antwort auf den Aufstand gebaut worden. Das alles ist nicht wirklich etwas, was wir heute noch haben wollen. Deswegen glaube ich, dass man eine ganz andere Diskussion führen sollte, nämlich darüber, über Alternativen nachzudenken.

domradio.de: Wie könnten die aussehen?

Roers: Man könnte einen Wettbewerb unter Künstlern ausrufen und dann überlegen, was man damit machen kann. Es fällt denen bestimmt etwas ein. Man könnte auch jeden Monat neu das Schloss beflaggen. Es soll ja das Humboldt-Forum in das Schloss, also eine weltoffene Kultur, ein Museum sozusagen für alle Kulturen der Welt. Da könnte man im monatlichen Wechsel Flaggen jedes Landes der Welt hissen. Das würde ich mir wünschen. Aber ich glaube die Diskussion um das Kreuz führt entweder zu einem "Kreuzzug" oder einer unerfreulichen Kreuzdebatte. Da kommt man in eine Sackgasse.

domradio.de: Um die Wogen zu glätten sagen Sie also, das Kreuz sollte nicht wieder auf das Dach. Jetzt gab es auch noch den Vorschlag, einen großen Schriftzug mit dem Wort "Zweifel" zu installieren. Was halten Sie denn davon?

Roers: Das würde ich sehr anzweifeln. Der norwegische Künstler Ramberg hat das im Jahr 2005 auf den Palast der Republik gestellt. Das ist 8x40 Meter groß und soll auf die Ostseite und dort der leuchtende Zweifel sein, weil die Konstruktion des Schlosses für sich genommen ja schon "gebauter Zweifel" sei. Die Gründungsmitglieder des Humboldt-Forums sagen, dass sie dies haben wollen. Dies sei die richtige Antwort, das Kreuz habe an diesem Ort keine religiöse Funktion mehr. Das ist natürlich kühn. Ein Kreuz mitten in Berlin auf einem Schloss hat natürlich immer eine Bedeutung. Die Debatte ist im Moment in meinen Augen wirklich merkwürdig.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

Sonderseite zur DBK-Vollversammlung

Die deutschen Bischöfen in Fulda: Artikel, Videos, Bilder und Interviews.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Ab Montag, 16. September wieder jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 23.09.
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Bischöfe sind in Fulda - Start der Herbstvollversammlung
  • Maria 2.0: Menschenkette um den Kölner Dom
  • Vor 8 Jahren: Als der Papst in Deutschland war
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Romy Hausmann mit Crime Cologne-Award ausgezeichnet
  • Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
  • Gedenktag Hl. Pater Pio
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Romy Hausmann mit Crime Cologne-Award ausgezeichnet
  • Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz
  • Gedenktag Hl. Pater Pio
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Rückblick auf das Kölner Regionalforum
  • Kölner Dreikönigswallfahrt beginnt diese Woche
  • Erwartungen an UN-Klimagipfel
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Rückblick auf das Kölner Regionalforum
  • Kölner Dreikönigswallfahrt beginnt diese Woche
  • Erwartungen an UN-Klimagipfel
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Romy Hausmann mit Crime Cologne-Award ausgezeichnet
  • Kölner Dreikönigswallfahrt beginnt diese Woche
  • Rückblick auf das Kölner Regionalforum
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff