Teilnehmer der Amazonas-Synode
Teilnehmer der Amazonas-Synode
Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx
Thomas Sternberg
Thomas Sternberg
Kurienkardinal Michael Czerny
Kurienkardinal Michael Czerny
Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick
Paul Zulehner
Paul Zulehner
Pater Michael Heinz
Pater Michael Heinz
Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn
Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Kardinal Gerhard Ludwig Müller
Thomas Schüller
Thomas Schüller
Prof. Jan-Heiner Tück
Jan-Heiner Tück
Albert Biesinger
Albert Biesinger
Erzbischof Pedro Ricardo Kardinal Barreto Jimeno SJ
Erzbischof Pedro Ricardo Kardinal Barreto Jimeno SJ
Bischof Franz Jung
Bischof Franz Jung

14.02.2020

Stimmen zum Papstschreiben zur Amazonas-Synode Von "herben Schlägen" und "Stoppschildern"

Das Geheimnis um den Inhalt des Papstschreibens zur Amazonas-Synode ist gelüftet. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Während die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands enttäuscht ist, sieht Kardinal Marx "kein Stoppschild".

Nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx hat Papst Franziskus mit seinem Schreiben zur Amazonas-Synode kein Stoppschild aufgestellt für weitere Reformdebatten wie den Synodalen Weg in Deutschland. "Die Fragen der 'kirchlichen Vision' werden gut, auch für die Situation bei uns in Deutschland, studiert werden müssen. Ich sehe nicht, dass eine Diskussion abgeschlossen ist", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn.

Zugleich verwies Marx darauf, dass das Schlussdokument der Amazonas-Synode und das jetzt veröffentlichte Papstschreiben eine Einheit darstellten und zusammen betrachtet werden müssten: "Der Papst stellt klar: Das Gesamte ist die Frucht der Synode." Es sei bemerkenswert, dass Franziskus die Relevanz beider Schreiben betone und ausdrücklich nicht das eine durch das andere aufhebe.

Reformorientierte Beobachter hatten auf konkrete Aussagen zu einer stärkeren Rolle der Frauen und zur Priesterweihe von verheirateten Männern gehofft. Das Schlussdokument hatte entsprechende Überlegungen aufgegriffen. In seinem aktuellen Schreiben greift der Papst diese nicht auf. Er lehnt Weiheämter für Frauen, etwa als Diakoninnen, vorerst ab. Auch befürwortet er einstweilen keine Lockerung der Zölibatspflicht für katholische Priester.

Franziskus fordere allerdings auf, weiter über diese Themen zu diskutieren, betonte Marx. Allerdings seien dabei die Unterschiede zwischen der Amazonas-Region und anderen Teilen der Welt zu beachten.

Die im Papstschreiben enthaltenen Anregungen würden auch in die Diskussionen des Synodalen Wegs zur Zukunft des kirchlichen Lebens in Deutschland einfließen. Franziskus gebe dazu "eine ganze Reihe an pastoralen Anregungen".

Darüber hinaus, so der Kardinal weiter, sei er der festen Überzeugung, "dass die vielen Aspekte des neuen Dokumentes wichtige Impulse für die Arbeit der Kirche mit Blick auf soziale und ökologische Fragen bieten".

Die deutschen Bischöfe würden bei der anstehenden Frühjahrs-Vollversammlung in Mainz Anfang März "über diesen Text und dessen Bedeutung für die Kirche in Deutschland, aber auch die Weltkirche, beraten. Sicherlich werden auch Punkte in die entsprechenden Foren des Synodalen Weges mit einfließen."

Katholikenkomitee bedauert "fehlenden Mut zu echten Reformen"

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg bedauert "fehlenden Mut zu echten Reformen" im Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonassynode.

Dennoch ermutige dieser die Katholiken in Deutschland, ihre Reformdebatten im "Synodalen Weg, den wir in Frankfurt sehr erfolgreich begonnen haben, konsequent fortzusetzen", sagte Sternberg am Mittwoch in Bonn.

Franziskus setze den von ihm eingeschlagenen Weg konsequent fort und wende sich "in einer klaren und verständlichen, auch emotionalen Sprache wieder an das ganze Volk Gottes und alle Menschen guten Willens", so Sternberg weiter: "Leider findet er nicht den Mut dazu, in den seit 50 Jahren diskutierten Fragen der Weihe verheirateter Männer und der liturgischen Kompetenzen von Frauen, echte Reformen umzusetzen."

Nach der Synode seien die Erwartungen zu konkreten Reformschritten sehr groß gewesen, erklärte der ZdK-Präsident - "insbesondere in Bezug auf den Zugang zum priesterlichen Amt und zur Rolle der Frau". Daher bedauere er es sehr, "dass Papst Franziskus hier in seinem Schreiben keinen Schritt nach vorne wagt". Vielmehr bekräftige er die bestehenden Positionen der römischen Kirche.

Ausdrücklich aber bekräftige der Papst wieder und wieder seine Überzeugung, "dass die Kirche zu einer synodalen Kirche werden muss, in der der Beteiligung von Laien an der Gestaltung der Kirche und der Verkündigung der Frohen Botschaft eine zentrale Rolle zukommt".

An erster Stelle des Papstschreibens stehe natürlich der Blick auf die Situation im Amazonasgebiet, ergänzte Sternberg. Aber auch alle Menschen in Deutschland seien aufgefordert, "uns für eine ausgewogene Gestaltung unserer Welt im Blick auf die ökologischen und sozialen Herausforderungen einzusetzen". Damit verbunden seien auch die klare "Anwaltschaft für die Armen und Unterdrückten" sowie die Notwendigkeit, der Kirche eine "an den je unterschiedlichen kulturellen Herausforderungen orientierte, zeitgemäße Gestalt zu geben".

Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands zeigt sich enttäuscht

Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) hat das Papstschreiben zur Amazonas-Synode als enttäuschend bezeichnet. "Das vorliegende Papier ist ein herber Schlag für alle Frauen, die auf ein starkes Signal zur Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gehofft haben", sagte die Theologin und stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt am Mittwoch in Düsseldorf. Sie nannte es "unerträglich, dass die Amtskirche weiterhin Frauen gleiche Rechte abspricht und sie aus biologistischer Argumentation heraus zu Dienstleisterinnen degradiert".

Einerseits würdige Papst Franziskus das Engagement von Frauen. Andererseits werfe er ihnen indirekt Machtgier vor, "weil die Frauen einfordern, dass ihre gepriesenen Charismen und ihr Einsatz für eine lebendige Kirche mit einer Weihe anerkannt werden".

Damit werde offenbar, dass die Frauenfrage eine Machtfrage darstelle, so Wuckelt weiter. Frauen seien bereit, "mit ihren Berufungen und Fähigkeiten aus ihrem leidenschaftlichen Glauben heraus das einzubringen, was die Kirche dringend braucht: Die Verkündigung des Evangeliums in Wort und Tat." Hinter diesen Überzeugungen stehe die tiefe Überzeugung, "dass Gott die Menschen gleich und berechtigt geschaffen hat", betonte die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende.

Der Papst hatte zuvor in seinem Schreiben "Querida Amazonia" ("Geliebtes Amazonien") seine Schlussfolgerungen aus der Amazonas-Synode vorgelegt, die vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan tagte. Bei dem Bischofstreffen ging es unter anderem um ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region, die Stärkung der indigenen Bevölkerung und um neue Wege in der Seelsorge.

In dem 50-seitigen nachsynodalen Papier lehnt Franziskus Weiheämter für Frauen, etwa als Diakoninnen, vorerst ab. Wer die Bedeutung und Beteiligung von Frauen in der Kirche nur mit ihrer Zulassung zur Weihe stärken wolle, greife zu kurz und "klerikalisiere" Frauen.

Die Zulassung von Frauen zum Diakonat, dem untersten Weiheamt in der katholischen Kirche, ist ein zentraler Diskussionspunkt beim unlängst begonnenen Synodalen Weg zur Zukunft kirchlichen Lebens in Deutschlands. Die Theologieprofessorin Agnes Wuckelt gehört der Synodalversammlung an, dem höchsten Gremium des Synodalen Wegs. Im Vorfeld war sie Mitglied der Arbeitsgruppe, die für den Reformdialog ein Grundlagenpapier zur Rolle der Frauen erarbeitete.

Kardinal Czerny: Papstschreiben zu Synode ist kein Schlusspunkt

Das Papstschreiben zur Amazonas-Synode ist nach den Worten von Kardinal Michael Czerny nicht als Schlusspunkt zu verstehen. Mit Blick etwa auf eine Lockerung des priesterlichen Zölibats in besonders entlegenen Gebieten seien Fragen offen geblieben, sagte Czerny am Mittwoch bei der Vorstellung des Dokuments. "Darüber wird weiter debattiert werden", so der Sondersekretär des Bischofstreffens zum Amazonasgebiet, das im Oktober im Vatikan stattfand.

Im Schlussdokument sprachen sich die Synodenväter damals dafür aus, die Bischöfe im Amazonasgebiet sollten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass in Gemeinden ohne ausreichende pastorale Versorgung auch entsprechend ausgebildete Familienväter zu Priestern geweiht werden können, nachdem sie zuvor Diakone waren. Der Papst geht auf diesen und weitere Vorschläge in seiner Exhortation "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) nicht explizit ein.

Czerny betonte, dass dies die theologische Bedeutung des Schreibens von Franziskus nicht schmälere. Es sei trotz seiner ungewöhnlichen Form - der Papst skizziert in dem Text verschiedene "Träume" zur Zukunft der Amazonasregion - Teil des päpstlichen Lehramts.

Der brasilianische Jesuit Adelson Araujo Dos Santos erläuterte, dass Franziskus nicht zum ersten Mal eine solche Sprache wähle, um den Gläubigen eine wichtige Botschaft zu übermitteln. Dies stehe im Einklang mit biblischer Tradition, so der Experte, der an der päpstlichen Universität Gregoriana Theologie der Spiritualität lehrt. Auch in der Heiligen Schrift spielten Träume eine wichtige Rolle.

Synoden-Generalsekretär Kardinal Lorenzo Baldisseri wies darauf hin, dass die Amazonas-Synode ein langer Prozess sei: "Vieles ist noch im Gange. Es muss weiter diskutiert werden." Der Papst habe die Vorschläge der Synode weder verworfen noch ihnen ausdrücklich zugestimmt. Er habe das Schlussdokument "nur vorgestellt". Das sei ein "ganz wichtiger" Aspekt. Dennoch komme den Beschlüssen der Synodenväter eine beachtliche "moralische Autorität" zu.

Der brasilianische Klimaforscher, Carlos Nobre, der ebenfalls bei der Vorstellung des Papstschreibens im Vatikan dabei war, lobte die Ausführungen in "Querida Amazonia". Die sozialen und ökologischen Schlussfolgerungen seien aus wissenschaftlicher Sicht gedeckt, sagte Nobre. Das Amazonasgebiet sei von immenser Bedeutung für das Weltklima. Dass der Papst dies betone, mache ihn zu einem Verbündeten der Wissenschaft.

Schick: Papst-Schreiben ist manchen eine unwillkommene Mahnung

Bambergs Erzbischof Ludwig Schick sieht im Papst-Schreiben "Querida Amazonia" eine "Bestätigung und Freude". Es "unterstreicht die Katholizität der Kirche, in der alle für alle Verantwortung tragen, damit sich das Reich Gottes der Gerechtigkeit, des Friedens, der Liebe und Freude überall ausbreitet", erklärte Schick am Mittwoch in Bamberg. "Manche Regierungen und Global-Player in der Wirtschaft werden dieses Schreiben als unwillkommene Mahnung abtun." Der Papst fordere von ihnen, ihr Streben nach Reichtum und mehr Einfluss nicht über den Schutz der Völker und der Natur zu stellen. "Sinn und Ziel des Schreibens ist: Amazonien zu erhalten."

Der Bevölkerung in Amazonien werde das Papst-Schreiben große Freude bereiten, sagte Schick als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, "dem die weltweite Evangelisierung und integrale Entwicklung aus der Botschaft Christi aller Menschen und Völker durch die Ortskirchen aufgetragen ist". Der Papst setze sich für das Heimat- und Bleiberecht der Menschen Amazoniens ein und für die Anerkennung ihrer Kulturen. "Der Papst betont auch, dass die Völker in Amazonien allen Zivilisationen viel zu lehren haben." Dazu zählten etwa die Wertschätzung der Natur, die Liebe zu allen Geschöpfen, das Leben mit der Natur, gelebte Solidarität sowie die Zufriedenheit der Menschen.

Franziskus' Schreiben sei auch eine Aufforderung an die Kirche, ihren Beitrag zu leisten für die Menschen und die Schöpfung in Amazonien.

"Damit Kirche in Amazonien präsent sein und bleiben kann, müssen neue und weitergehende Formen der Mitwirkung von Frauen, die Werbung für den priesterlichen Dienst und den Einsatz vieler Ordenschristen und Laien Fortschritte machen. Der kirchliche Dienst soll überall hinkommen." Synodalität sei der Weg der Kirche in die Zukunft; das bestätige Papst Franziskus nun erneut. Ebenso unterstreiche er die Unverwechselbarkeit und Einmaligkeit der Person und Botschaft Christi.

Zulehner: Papst dreht den Spieß theologisch um

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner sieht das Papstschreiben zum Amazonas zwischen "herber Frustration und zarter Zuversicht". Die Absicht sei offenbar nicht, Türen zuzumachen, sondern zu weiten und vor allem die Ortskirchen in ihren vielfältigen Kulturen an ihre eigene Verantwortung zu erinnern, schreibt Zulehner auf seinem Internet-Blog (Mittwoch). Das betreffe die Bischöfe in Amazonien genauso wie in Europa.

Wenn der Papst den Bischöfen Amazoniens vor der Synode noch zugerufen habe: "Macht mir mutige Vorschläge", so drehe er jetzt den Spieß um und rufe ihnen von Rom aus zu: "Seid mutig und handelt als bestellte Hirten in Eigenverantwortung!" Zwar könne man über so wenig Entscheidungsfreude beim Papst frustriert sein; man könne aber auch dagegenhalten, "dass er die Tür für eine Lösung im Sinn der mutigen Vorschläge der Bischöfe Amazoniens offengehalten hat". Für Zulehner ist darüber hinaus dem Dokument zu entnehmen, "dass der Papst nun die von ihm nicht lehramtlich getroffenen Entscheidungen von den Hirten vor Ort erwartet".

Wenig Freude hat Zulehner damit, wie Franziskus in seinem Schreiben die Frauenfrage anspricht. "Fast ist es ein wenig peinlich, dass der Papst, wenn er angestrengt nach symbolgeladenen Argumenten gegen die Ordination von Frauen anschreibt, behauptet, die Ordination würde die Frauen 'klerikalisieren'", schreibt der Pastoraltheologe. Wenn Amt und Klerikalismus derart unentflechtbar ineinandergingen, müsste der Papst, um den von ihm verfemten Klerikalismus auszumerzen, die Ordination überhaupt abschaffen, so Zulehner. Und weiter: "Die zeitgemäße Theologie der Frauen war noch nie die Stärke der Päpste, auch nicht die von Papst Franziskus."

Misereor: Papstschreiben bestätigt Empfehlungen der Bischöfe

Der Hauptgeschäftsführer des Entwicklungshilfswerks Misereor, Pirmin Spiegel, bewertet das neue Papstschreiben zur Amazonas-Synode insgesamt positiv. Das Dokument bestätige die Empfehlungen der Bischöfe und damit verbundene Herausforderungen "für einen umfassenden sozial-ökologischen Wandel", erklärte Spiegel am Mittwoch in Aachen.

"Zunächst enthält 'Querida Amazonia' eine Überraschung: Franziskus setzt das Schlussdokument der Synode der Bischöfe Amazoniens in Kraft. Der Papst spricht kein Machtwort. Er will 'Synode' ernst nehmen, das gemeinsame Hören und Entscheiden", so Spiegel. Der Papst bitte darum, dass die Kirche in Amazonien und weltweit mit der Umsetzung des Schlussdokuments beginne.

Franziskus gehe davon aus, dass die Bewohner, "besonders Indigene, Ordensfrauen, Priester und Bischöfe, die Situation in Amazonien besser kennen als er und die Römische Kurie", heißt es weiter. Der Papst entwickele "vier Träume" für ein gutes Leben in Amazonien.

"Sie sind ein Eingeständnis dafür, dass wir in Sackgassen geraten sind. Alles ist mit allem verbunden. Ein sozialer, ein kultureller, ein ökologischer Traum, der jeweils 'alle Menschen guten Willens' einbezieht. Abgeschlossen werden die Träume von einer erneuerten Kirche Amazoniens", erklärte der Hauptgeschäftsführer.

Es sei offensichtlich, dass die Kirche sich neu organisieren müsse, um in Amazonien die schwierigen Herausforderungen anzunehmen und präsent zu sein, betonte Spiegel. "Dazu bestätigt der Papst die Synode und gibt die Aufgabe, für das notwendige Personal zu sorgen, an die Bischöfe zurück."

Dazu gehöre "die Möglichkeit, verheiratete Priester einzuführen und über das Diakonat der Frau weiter nachzudenken - weil nur so die Aufgabe der Kirche wahrgenommen werden kann". Spiegel erklärte weiter: "Methode und Inhalte der Synode bilden Marksteine, hinter die ein Zurück nur schwer denkbar ist. Nach vorne ist allerdings noch Platz."

Adveniat zum Papstschreiben: Franziskus will eine offene Kirche

Das deutsche Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat wertet das Papstschreiben zur Amazonas-Synode hingegen als Signal für eine "neue, offene, menschliche Weltkirche". Hauptgeschäftsführer Michael Heinz sagte am Mittwoch in Essen: "Franziskus hat den Weg freigemacht, überkommene klerikale und zentralistische Strukturen zu überwinden. Er will eine Kirche des unerschrockenen, offenen Dialogs: mit den Menschen, mit den Kulturen, mit den Religionen, mit der Welt." Zugleich räumte Heinz ein, dass er bei der Frage nach den Zugangsvoraussetzungen zum Priesteramt und in Bezug auf die Rolle der Frauen in der Kirche deutlichere Worte des Papstes erwartet hätte.

Die Amazonas-Synode habe im Schlussdokument gefordert, "Kriterien und Ausführungsbestimmungen" festzulegen, "nach denen geeignete und in der Gemeinde anerkannte Männer zu Priestern geweiht werden können", die verheiratet sind und bereits als ständige Diakone wirken. Papst Franziskus spreche nun von "mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteten Laien-Gemeindeleitern" und davon, dass "die ständigen Diakone, die Ordensfrauen und die Laien selbst wichtige Verantwortung für das Wachstum der Gemeinschaften übernehmen".

Damit sei weiteren Entwicklungen kein Riegel vorgeschoben, betonte Heinz. "Wir sollten den Aufruf zum Dialog von Papst Franziskus ernst nehmen, wenn er schreibt: 'Lasst uns furchtlos sein, stutzen wir dem Heiligen Geist nicht die Flügel'."

Bischof Fürst: "Fokus auf ökologisches Gleichgewicht im Amazonasgebiet richtig"

Bischof Gebhard Fürst begrüßt den im päpstlichen Schreiben Franziskus festgehaltenen Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung. „Im Amazonasbecken liegt die grüne Lunge unserer Erde und das Schreiben von Papst Franziskus wird eine große Wirkung auf den Erhalt der Natur und die Rechte der indigenen Völker in Amazonien haben“, sagt Fürst. 

Er stimme mit dem päpstlichen Schreiben weiter dahingehend überein, dass das Gleichgewicht unseres Planeten auch von der Gesundheit Amazoniens abhängt und es ein Regelwerk braucht, das den Schutz dieses Ökosystems sichert. Richtig sei, dass die Aufmerksamkeit der Kirche für die Probleme dieser Region auch andere bei ihren eigenen Herausforderungen inspirieren müsse. In dem apostolische Schreiben sieht Fürst zudem eine Bestätigung der seit rund eineinhalb Jahrzehnten laufenden Aktivitäten in der Diözese Rottenburg-Stuttgart zum Klima- und Artenschutz, mit denen die vollständige Klimaneutralität im Zuständigkeitsbereich der württembergischen Diözese bis ins Jahr 2050 erreicht sein soll. Es gehe darum, den dramatischen Konsequenzen des Klimawandels zu begegnen. Hierin liege die zentrale Herausforderung unserer Zeit, betont der Bischof. 

Laut Bischof Fürst wird mit dem päpstlichen Schreiben der Raum für neue Diskussionen eröffnet; auch wenn in dem Dokument das in der deutschen Öffentlichkeit stark diskutierte Thema der Viri probati, der Weihe verheirateter Männer zu Priestern, fehlt. Den Diakonat der Frau sieht Bischof Fürst indes weiter als erstrebenswerte Möglichkeit, für die er sich auch in Zukunft einsetzen werde.

Schönborn: Papst will Amazonien-Synode weiter reifen lassen

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn sieht im Papstschreiben zur Seelsorge im Amazonasgebiet eine Ermutigung für die Kirche. Es sei ein "grundsätzliches Ja des Papstes zu den Ergebnissen der Amazonas-Synode, ohne gleich diese Ergebnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen", sagte Schönborn am Mittwoch der Presseagentur Kathpress. Diese Beschlüsse könnten weiter reifen; geöffnete Türen seien nicht wieder geschlossen worden. Schönborn hatte im Oktober selbst an der Sondersynode im Vatikan teilgenommen.

Kardinal Müller: Papst-Schreiben kann versöhnende Wirkung haben

Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat das Papst-Schreiben "Querida Amazonia" als ein Dokument der Versöhnung bezeichnet. Franziskus ziehe nach der Amazonas-Synode nicht irgendwelche dramatischen und umstürzenden Konsequenzen, schreibt Müller in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag auf der Internetseite der in Würzburg erscheinenden "Die Tagespost". Er wolle vielmehr der Kirche und allen Menschen guten Willens seine Antworten anbieten, um eine Hilfe zu geben für eine "harmonische, kreative und fruchtbare Rezeption des gesamten synodalen Prozesses".

Das pastorale Schreiben sei von prophetischer Kraft und könne nicht wie eine neutrale wissenschaftliche Studie gelesen werden, notiert Müller. Es gehe um die Verkündigung der befreienden Kraft des Evangeliums Christi. Deshalb gelte: "Dieser Text kann die versöhnende Wirkung haben, auch innerkirchliche Parteibildungen, ideologische Fixierungen und die Gefahr einer inneren Emigration oder des offenen Widerstands abzubauen." Es sei zu hoffen, dass die Interpreten des Dokuments sich unnötiger Schärfe enthielten und die Anliegen des Papstes wie "echte Söhne und Töchter der Kirche" in einem Geist der Zustimmung und Mitarbeit aufnähmen.

Weiter hält der Kardinal fest, dass das gesamte Schreiben in einem persönlichen und werbenden Ton gehalten sei. Der Papst wolle alle Katholiken und Christen anderer Konfessionen aber auch alle Menschen guten Willens gewinnen, für eine positive Entwicklung der Region am Amazonas. Denn die dort lebenden Mitmenschen und Mitchristen sollten die aufbauende und einende Kraft des Evangeliums erfahren. "Wir sollen lokal und global in Solidarität zusammen wirken für das Gemeinwohl", so Müller. Franziskus wolle bestehende politische, ethnische und innerkirchliche Konflikte und Interessen nicht anheizen, sondern überwinden.

Kirchenrechtler Schüller enttäuscht über Papst-Schreiben

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller hat das Schreiben zur Amazonas-Synode von Papst Franziskus als "außerordentlich enttäuschend" kritisiert. Dieser greife die Voten der Synodenväter nicht auf und setze kein Reformvorhaben um, sagte er am Mittwoch dem Portal kirche-und-leben.de aus Münster. Das Papier werfe auch den Reformdialog in der deutschen katholischen Kirche - den sogenannten Synodalen Weg - zurück.

Laut Schüller ist mit dem Papst-Schreiben sowohl die Frage nach der Priesterinnen-Weihe als auch nach der Diakoninnen-Weihe entschieden, "weil Franziskus generell die Weihe als wesensfremd für die Frau erklärt". Bedauerlich sei auch, dass Franziskus nicht den Vorschlag thematisiere, in Ausnahmefällen verheiratete Männer zur Priesterweihe zuzulassen. Der Papst bestätige zwar, dass nicht-geweihte Gemeindeleiter predigen, taufen, beerdigen und Wortgottesdienst halten dürfen. Die katholische Abendmahlfeier, die Krankensalbung und die Lossprechung von Sünden bleibe jedoch einem geweihten Priester vorbehalten, "der das aber bitteschön nicht als Macht zu verstehen habe".

Schüller begrüßte unterdessen die Aussagen von Franziskus, in denen es um die Überwindung der sozialökologischen Krise in Amazonien geht.

Befreiungstheologe Suess enttäuscht von Papstschreiben

Der in Brasilien lebende deutsche Theologe Paulo Suess zeigt sich dagegen enttäuscht über das Papstschreiben zur Amazonas-Synode. Man habe erwartet, dass Franziskus die "schüchternen Versuche einer Öffnung in der Ämterfrage verstärken" würde; stattdessen kippe seine Vision für die Kirche in Amazonien "stellenweise um in einen Albtraum", schreibt Suess, der als Experte an der Synode teilgenommen hatte, am Mittwoch in einer Stellungnahme für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA).

Um dem Priestermangel in entlegenen Gebieten Amazoniens zu begegnen, hatte das Bischofstreffen die Weihe entsprechend ausgebildeter Familienväter angeregt. Das Schreiben "Querida Amazonia" von Franziskus geht auf diesen Vorschlag nicht ein. 

"Die Situation der priesterlosen Gemeinden im Amazonasgebiet wird sich nicht nur durch Berufungspastoral, Gebet, Entsendung von Missionaren und Umstrukturierung der Ausbildung lösen lassen", kommentierte Suess den Lösungsvorschlag des Papstes zur Krise der Seelsorge. Wer Amazonien kenne, wisse, dass es "nicht um ein Mehr an 'missionarischer Kühnheit', nicht um größere 'Anstrengungen der Inkulturation'" oder um bessere theologische Ausbildung gehe, sondern um "kirchliche Strukturen der Präsenz und nicht des besuchsweisen Vorbeikommens an den Grenzen der Erde". 

"Es geht um Eucharistie, nicht um Zölibat. Es geht um das Gedächtnis von Tod und Auferstehung, um die Mobilisierung der Widerstandskräfte gegen Vergesslichkeit und Resignation", betont Suess. An dieser Schraube müsse in der nachsynodalen Umsetzung gedreht werden. Das Schlussdokument der Synode sei mit neuen Ansätzen "weit konkreter" gewesen.

Als einen Grund für den Umschwung vermutete Suess, dass sich in der Zeit seit dem Abschluss der Synode im Oktober "amazonasfremde Stimmen" lautstark zu Wort gemeldet hätten. Dagegen fragte er, welches Gewicht im synodalen Prozess die "Stimmen der Betroffenen" hätten. Suess verwies auch auf die "dokumentierten Stimmen der Ortskirchen", die sich im vorsynodalen Konsultationsprozess "freimütig und umfangreich" zu Wort gemeldet hätten.

Suess erinnerte daran, dass der Tag der Veröffentlichung von "Querida Amazonia" mit dem Jahrestag der Ermordung der Ordensfrau Dorothy Stang zusammenfiel. Die US-Amerikanerin war im brasilianischen Amazonas-Dschungel wegen ihres Einsatzes für Kleinbauern am 12. Februar 2005 erschossen worden. Titel und Publikationsdatum des Papstschreibens erinnerten daran, dass Amazonien ein Stück Erde sei, "dem die Kirche im Dienst an der gesamten Menschheit ganze Aufmerksamkeit und Hingabe schuldet", so Suess.

Unmittelbar nach der Synode hatte sich der 81-jährige Theologe und Priester Suess überzeugt gezeigt, dass Papst Franziskus den Weg für verheiratete Priester in Amazonien freigeben werde. Auch bei der Öffnung von Weiheämtern für Frauen werde sich etwas in der katholischen Kirche bewegen, sagte er damals.

Theologe Tück: Papst gibt Bedrängten Stimme - auch "Enttäuschungen"

Der renommierte Wiener Theologe Jan-Heiner Tück lobt und kritisiert das Amazonas-Schreiben von Papst Franziskus. Dieser gebe "der Not einer ökologisch bedrängten, wirtschaftlich ausgebeuteten, sozial missachteten Bevölkerung seine Stimme", sagte Tück am Mittwoch der Presseagentur Kathpress. Zugleich enthalte das Dokument aber auch Enttäuschungen. Der Papst habe "entschieden, nicht zu entscheiden".

Tück wörtlich: "keine Lockerung des Pflichtzölibats, keine viri probati, nichts". Franziskus lehne den Abschlussbericht der Synode in diesem Punkt nicht ab, er befürworte ihn aber auch nicht. "Franziskus hält damit Wort - und enttäuscht."

Der Papst halte Wort, dass mit ihm ein "optionaler Zölibat" nicht zu haben sei und dass er das Wort von Papst Paul VI. "mutig" finde, eher sterben zu wollen als den Pflichtzölibat zu lockern. Er enttäusche, weil er - anders als die Mehrheit der Synodenteilnehmer - nicht einmal in entlegenen Grenzregionen eine behutsame Ausnahme vom Pflichtzölibat zulässt.

Viele fragten nun: Wozu die freundliche Aufforderung an die Bischöfe, ihm "mutige Vorschläge" zu unterbreiten, so Tück; wozu der erhebliche Aufwand einer vierwöchigen Synode in Rom, wenn am Ende alles beim Alten bleibe? Dem hält Tück aber auch die Frage entgegen: "Bleibt wirklich alles beim Alten, nur weil Franziskus den Alarmismus mancher Theologen und Bischöfe, dass die Kirche nach der Amazonien-Synode nicht mehr so sein könne wie vorher, ins Leere laufen lässt?"

Vielleicht halte der Papst "die Zeit für eine Entscheidung noch nicht gekommen", so Tück weiter. Vielleicht fühle er sich seinem Vorgänger Benedikt XVI. doch enger verbunden, als man meine. Oder vielleicht wolle er auch "den eurozentrischen Blick irritieren und auf das geschundene Antlitz der Kirche Amazoniens verweisen", mutmaßt der Wiener Dogmatiker.

Der Papst bediene nicht die Reform-Agenden des Synodalen Weges in Deutschland und anderer Initiativen, so Tück: "In dieser provozierenden Weigerung dürfte das Bemühen stehen, den Begriff der Reform zu weiten." Schon in seinem "Brief an das pilgernde Gottesvolk in Deutschland" vom Juni 2019 habe der Papst an sein Kernanliegen erinnert: die Evangelisierung.

Zuletzt verweist Tück auf den ungewöhnlichen Stil des Papstschreibens: Statt dogmatischer Weisungen oder disziplinarischer Regelungen, die man von einem Papst erwarten würde, zitiere Franziskus Gedichte. Durch indigene und lateinamerikanische Stimmen der Literatur lasse er die bedrohte Schönheit Amazoniens poetisch ins Wort bringen. Tück: "Die extensive Einbeziehung der Dichtung ins Genre des lehramtlichen Sprechens ist neu. Der Papst will offensichtlich die Wahrnehmung für die Leiden schärfen, den Blick auf das Übersehene lenken, zur Umkehr einladen."

Theologe Biesinger: Wut und Hoffnung nach Papstschreiben

Der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger hat "Wut und Hoffnung" über das päpstliche Schreiben "Querida Amazonia" zum Ausdruck gebracht. Obwohl er sich klare Worte für verheiratete Priester und Diakoninnen gewünscht habe, zeigte sich Biesinger am Mittwoch optimistisch, weil Franziskus das Abschlusspapier der Amazonas-Synode zu einem offiziellen Dokument gemacht habe. Dies hält Biesinger auch für eine klare Botschaft an den Synodalen Weg in Deutschland.

"Querida Amazonia" betrifft aus Sicht des emeritierten Professors die ganze Weltkirche. Rom habe entschieden, "dass Kirche so viel mehr bedeutet als klare Ansagen aus Rom". Das Spielfeld sei offen, der Raum solle genutzt werden. Was für den Amazonas gelte, habe auch für Donau und Rhein Bedeutung. Die deutschen Bischöfe sollten sich von der Fehleinschätzung verabschieden, mit globaler Migration von Priestern den Notstand in der Seelsorge zu lösen. Biesinger wörtlich: "Die Kirche muss mehr Präsenz und Nähe entwickeln - durch Menschen, die in Familien leben. Priester, die Zivilberuf und Familie unter einen Hut bekommen, stehen mitten im Leben."

Lateinamerikas Bischofsrat: Kirche steht zu Amazonas-Völkern

Der Lateinamerikanische Bischofsrat CELAM sieht im Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode eine Bestätigung seiner Unterstützung der indigenen Amazonas-Völker. In einer Stellungnahme vom Mittwochabend (Ortszeit) heißt es, das Papstschreiben zeige klar, dass die Kirche eine treue Verbündete der indigenen Gemeinden und Völker bei der Verteidigung ihrer Rechte sowie bei Umweltschutz und Menschenwürde sei.

Der Rat fordert alle Staaten auf, den Amazonas zu schützen und sich gegen Abholzung, Menschenhandel und Umweltzerstörung zu stellen. Für Donnerstagmittag (Ortszeit) hat der CELAM-Vorsitzende, Erzbischof Miguel Cabrejos Vidarte aus Trujillo (Peru), zu einer Pressekonferenz nach Lima eingeladen.

Peruanischer Kardinal Barreto "begeistert" von Papstschreiben

Der peruanische Kardinal Pedro Barreto Jimeno wertet das Papstschreiben zur Amazonas-Synode als "großen Impuls, der Hoffnung macht". Dem Pressedienst SIR (Donnerstag) sagte der Vizepräsident des länderübergreifenden kirchlichen Amazonas-Netzwerks Repam, er sei "begeistert von diesem klaren Aufruf, gemeinsam an der Seite der Ärmsten zu stehen".

Der Erzbischof von Huancayo räumte ein, dass Franziskus die viel diskutierte Frage einer Lockerung des priesterlichen Zölibats im Amazonasgebiet "nicht deutlich" anspreche. Dies sei für ihn aber keine Enttäuschung. "Franziskus bietet keine starren Richtlinien an", so Barreto. Die Synode sei ein langer Weg, der weitergehe.

Im Schlussdokument zur Amazonas-Synode vom Oktober hatten sich die Synodenväter dafür ausgesprochen, dass die Bischöfe im Amazonasgebiet die Voraussetzungen dafür schaffen sollten, in Gemeinden ohne ausreichende pastorale Versorgung auch entsprechend ausgebildete Familienväter zu Priestern weihen zu können, nachdem sie zuvor Diakone waren. Auf diesen und weitere Vorschläge geht der Papst in seinem am Mittwoch veröffentlichten Schreiben "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) nicht explizit ein.

"Franziskus akzeptiert, was dort geschrieben steht, wiederholt oder betont es aber nicht eigens", so Kardinal Barreto. Bestimmte Fragen sollten "nicht als Streit gesehen werden, nicht als Sieg oder Niederlage von jemandem". Es gehe vielmehr darum, auf die Bedürfnisse der Menschen in der Amazonasregion einzugehen.

Bischof Jung: Papst misstraut pragmatischen Lösungen

Der Würzburger Bischof Franz Jung hat das Schreiben des Papstes zur Amazonas-Synode gewürdigt. Trotz manch enttäuschter Erwartungen sei der Text "auch für andere Ortskirchen in den Umbrüchen unserer Tage höchst bedenkenswert", erklärte Jung am Freitag. Franziskus misstraue einer reinen Versorgungspastoral durch Amtsträger. "Ihm liegt daran, dass das Glaubensleben in den Gemeinden selbst wächst." Dazu sehe der Papst ausdrücklich die Laien in der Verantwortung, besonders auch Frauen.

Außerdem misstraue der Papst "rein pragmatischen Lösungen", so der Bischof. Die gesamte Kultur müsse vom Evangelium durchdrungen werden.

Eine aufgesetzte Form der Mission wäre für Franziskus nur eine neue Form der Kolonisierung. Ein Verständnis von Mission als Inkulturation helfe dagegen, eine Kirche mit einem amazonischen Gesicht zu entwickeln, die ein ganz eigenes Gepräge auch in Liturgie und Ämtern habe und nicht einfach andere Ortskirchen kopiere.

Am Beispiel von Amazonien verdeutliche der Papst "einmal mehr, wie er sich Kirchenentwicklung vorstellt", so Jung. Dazu zähle auch ein prophetischer Blick auf die schönen und schmerzlichen Seiten der Wirklichkeit, der eine entschiedene Umkehr einleite.

Im Schlussdokument zur Synode hatten sich die Teilnehmer dafür ausgesprochen, dass die Bischöfe im Amazonasgebiet die Voraussetzungen dafür schaffen sollten, in Gemeinden ohne ausreichende pastorale Versorgung auch entsprechend ausgebildete Familienväter zu Priestern weihen zu können, nachdem sie zuvor Diakone waren. Auf diesen und weitere Vorschläge geht der Papst in seinem Schreiben "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) nicht explizit ein.

Jung sprach in diesem Zusammenhang von unrealistischen Erwartungen. Die Frage nach dem Zölibat und anderen Zugangswegen zum Priesteramt bedürften einer weltkirchlichen Beratung und Beantwortung. Daher sei nicht zu erwarten gewesen, dass der Papst Regelungen für eine einzelne Ortskirche treffen würde.

Information der Redaktion: Artikel wird laufend ergänzt.

(KNA)

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DOMRADIO Der Nachmittag

  • "Aus dem Gesicht gefallen" - Aktion der Citykirche Wuppertal
  • George Floyd und die Kirchen
  • Antisemitismus und Corona-Demos
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DOMRADIO Der Abend

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Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

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