Schlussdokument der Jugendsynode
Schlussdokument der Jugendsynode
Bischof Stefan Oster
Bischof Stefan Oster
Jugendliche bei Messe zur Eröffnung der Jugendsynode im Vatikan
Jugendliche bei Messe zur Eröffnung der Jugendsynode im Vatikan

28.10.2018

Jugendbischof Oster zieht Bilanz der Synode "Dokument eines gemeinsamen Weges"

Digitalisierung, Migration und sexueller Missbrauch – Drei der Schwerpunkte, die das Abschlussdokument der 15. Weltbischofssynode gesetzt hat. Für Jugendbischof Stefan Oster muss es nun auch Konsequenzen in der deutschen Kirche geben.

DOMRADIO.DE: Nach knapp vier Wochen wurde nun das Abschlussdokument der Synode vorgestellt. Sind Sie zufrieden damit?

Stefan Oster (Bischof von Passau und Vorsitzender der Jugendkommission der DBK): Ich bin insgesamt sehr zufrieden, hatte aber die Erwartungen auch nicht all zu hoch gehängt im Vorhinein. Wir wissen ja, wie das so ist mit Texten aus dem Vatikan. Aber ich bin eigentlich beeindruckt von dem Weg, den wir miteinander gegangen sind. Wie sich das Arbeitspapier zu einem neuen Text mit neuen Schwerpunkten entwickelt hat. Das war eine schöne Entwicklung, die ich so nicht erwartet hätte.

DOMRADIO.DE: Welche Punkte im Abschlussdokument sind Ihnen besonders wichtig?

Oster: Es ist gelungen drei Schwerpunkte, die immer wieder zur Sprache gekommen sind, besonders hervorzuheben. Das ist einerseits das Thema “Junge Menschen und digitale Welt“, dann das große Thema der Migration, das haben viele Bischöfe eingebracht. Bischöfe aus den Ländern, wo die Jugendlichen weg gehen, die den Verlust von qualifizierten jungen Menschen erleben, andere aus Ländern, wo sie hinkommen, wo nun entwurzelte junge Menschen leben. Das ist ein Riesenthema. Das dritte Thema – auch von uns nachhaltig eingebracht – ist die Frage, wie gehen wir mit sexuellem Missbrauch um.

Dann schwingt natürlich auch die Frage der Frauen mit. Das hat einige hier schon gestört, die geringe Partizipation von Frauen, auch im Blick auf das Stimmrecht bei der Synode. Das sind alles Punkte, wo wir sagen, da wird sich aufs Ganze was ändern.

DOMRADIO.DE: Es gibt unter anderem die Forderung von 34 Ordensoberinnen, nach einer Zulassung der Frau in hohe kirchliche Ämter, auch ins Weiheamt. Was wird in dieser Hinsicht passieren?

Oster: Erstmal das Bewusstsein, dass Frauen in verantwortungsvolle Ämter gehören. Die Frage nach der Weihe ist nicht gestellt worden, und da ist die Synode auch nicht der richtige Ort für. Ich stehe auch dazu, dass die Priesterweihe für Frauen eigentlich nicht möglich ist. Das muss immer wieder diskutiert und erklärt werden, aber, so wie die lehramtliche Situation ist, ist es nicht möglich. Wie es bei der Diakonenweihe aussieht, da warten wir darauf, was die Arbeitsgruppe, die der Papst eingesetzt hat, berichtet. Unabhängig davon brauchen wir das Bewusstsein, dass Frauen, mit all ihren Möglichkeiten und Qualitäten, in der Kirche Verantwortung übernehmen. Das soll auch passieren.

DOMRADIO.DE: Viel diskutiert wurde auch das Thema Homosexualität. Kardinal Tagle aus Manila sagt, dass das Thema so oft zur Sprache gekommen ist, dass es auch im Schlussdokument Gehör finden sollte. Was muss sich im Umgang mit Homosexuellen ändern?

Oster: Ich glaube da muss sich etwas ändern. Auch im Bewusstsein dafür, dass niemand von der Liebe Gottes ausgeschlossen ist, und damit auch nicht von der Kirche. Der Papst ist da ein Vorreiter.  Wie homosexuelle Partnerschaften und deren Sexualität bewertet wird, das ist noch mal eine andere Frage. Aber, dass zunächst mal jeder ein Menschenkind Gottes ist, und dass es meiner Meinung nach auch besondere Formen der Seelsorge braucht, und dass es erst Annahme vor dem Urteil geben muss – das sind alles wichtige Haltungen, die uns als Kirche insgesamt weltweit nicht so leicht fallen. Ich glaube in dieser Hinsicht werden wir uns alle auch ändern müssen.

DOMRADIO.DE: Ein Blick auf Deutschland. In der deutschen Sprachgruppe wurde eine Liste mit konkreten Handlungsideen für die Kirche in Deutschland verfasst. Was steht da drin?

Oster: Wir müssen als Bischöfe wieder nach Hause kommen und sagen: Wir müssen Jugendliche anders mit einbeziehen. Wir müssen die Not der Jugend besser sehen. Ich habe zum Beispiel auch vorgeschlagen einen Teil meines privaten Einkommens an eine Jugendorganisation abzugeben.

DOMRADIO.DE: Muss die Kirche mehr Geld für die Jugendarbeit ausgeben?

Oster: Ja, natürlich. Das ist auch etwas, das mich persönlich sehr beschäftigt. Ein Beispiel: Wir investieren einen größeren Teil unseres Haushalts in Bauprojekte. Das kostet viel. Wenn ich solche Kirchen dann einweihe, frage ich mich immer: Was heißt eigentlich “Kirchenrenovierung“? Heißt das, dass wir für über eine Million ein schickes Gebäude hinstellen? Wäre es da vielleicht nicht sinnvoller eine Umschichtung vorzunehmen, etwas weniger in die äußere Renovierung zu investieren und etwas mehr in die personellen Ressourcen zu investieren? Dass wir gemeinsam mit jungen Menschen Kirche sein können.

DOMRADIO.DE: Nach vier Wochen Synode in Rom: Wie haben Sie die Zeit ganz persönlich erlebt?

Oster: Meine Wahrnehmung war zwischendrin, dass die Synode ziemlich anstrengend ist. Wir haben manchmal stundenlang Statements von Bischöfen und Auditoren gehört, die oft nicht zusammenhängend waren. Immer solche vier-Minuten-Stücke in verschiedenen Sprachen zu hören, mit Übersetzung, das ist schon sehr anstregend. Am ersten Tag habe ich gedacht: Um Gottes Willen, was soll das nur werden hier? Aber: Jetzt am Schluss bin ich wirklich innerlich bewegt von der Erfahrung. Wir sind miteinander einen Weg gegangen. Uns liegt das Dokument eines gemeinsamen Weges vor. Das ist sehr beeindruckend nach vier Wochen. Und die Erkenntnis, dass das auf einer weltkirchlichen Ebene möglich ist, ist eine interessante Erfahrung.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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