Deutschprachige Synodenteilnehmer: Kardinal Kurt Koch, Bischof Franz-Josef Bode und Kardinal Reinhard Marx (v.l.)
Deutschprachige Synodenteilnehmer: Kardinal Kurt Koch, Bischof Franz-Josef Bode und Kardinal Reinhard Marx (v.l.)
Synodenteilnehmer: Kardinal Gerhard Ludwig Müller (l.) und Kardinal Kurt Koch
Synodenteilnehmer: Kardinal Gerhard Ludwig Müller (l.) und Kardinal Kurt Koch

14.10.2015

Deutschsprachige Synodengruppe fordern Einzelfallbetrachtung "Gescheiterte Ehen differenziert sehen"

Die deutschsprachigen Teilnehmer der Bischofssynode über Ehe und Familie haben eine stärkere Würdigung des konkreten Einzelfalls im kirchlichen Umgang mit gescheiterten Ehen gefordert.

Die konkreten Situationen dürften nicht unter ein "allgemeines Prinzip subsumiert" werden, heißt es in einer Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme der deutschsprachigen Arbeitsgruppe.

Positivere kirchliche Bewertung vorehelicher Beziehungen angemahnt

Es gehe um die "Frage der gerechten und billigen Anwendung des Wortes Jesu" über die Unauflösbarkeit der Ehe. Zugleich spricht sich die Arbeitsgruppe für eine positivere kirchliche Bewertung vorehelicher Beziehungen aus. Die Seelsorge müsse den Menschen "auf ihrem Weg hin zur sakramentalen Ehe Zeit der Reifung gewähren und nicht nach dem Prinzip 'Alles oder Nichts' handeln".

Das Papier betont, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit seien keine Gegensätze. Beide  Grundprinzipien müssten mit "Klugheit und Weisheit" auf die "jeweilige, oft komplexe Situation"  angewendet werden. Es gehe nicht um Ausnahmen, "in denen Gottes Wort nicht gültig sein soll". Nötig sei eine "personal ausgerichtete Seelsorge, die die Normativität der Lehre und die Personalität des Menschen in gleicher Weise einbezieht". Sie müsse das Gewissen des Einzelnen berücksichtigen und dessen Verantwortung stärken. 

Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen noch kein Thema

Weiter heißt es in der Stellungnahme, die Kirche stehe hierbei unausweichlich in dem Spannungsfeld zwischen einer "notwendigen Klarheit der Lehre von Ehe und Familie" und der "konkreten pastoralen Aufgabe", auch jene Menschen zu begleiten und zu überzeugen, "die in ihrer Lebensführung nur teilweise mit den Grundsätzen der Kirche übereinstimmen". Der kirchliche Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen wird in dem Text nicht ausdrücklich erwähnt. Das Thema steht erst in den kommenden Tagen ausdrücklich auf der Tagesordnung.

Der deutschsprachigen Arbeitsgruppe gehören insgesamt 14 Kardinäle und Bischöfe aus neun Nationen an, darunter der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der emeritierte wie der amtierende Präsident des Ökumene-Rates, Walter Kasper und Kurt Koch, sowie die Kardinäle aus Wien und München, Christoph Schönborn und Reinhard Marx. Weitere Mitglieder sind der melkitische Patriarch Gregoire III. Laham und Bischöfe aus Serbien, Finnland, Kroatien, Ungarn und der Slowakei.

(KNA)

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