Kritik an Fragebogen zur Familiensynode
Kritik am Fragebogen zur Familiensynode

23.03.2015

Kaum Beteiligung - Fragen zu komplex Kritik am Vatikan-Fragebogen zur Familiensynode

Schwer verständliche Sprache, theologische Begriffe – mit diesen Worten kritisieren mehrere Bistümer den Fragebogen des Vatikans zur Vorbereitung der zweiten Familiensynode. domradio.de hat mit Dr. Michael Dörnemann vom Bistum Essen gesprochen.

domradio.de: Herr Dörnemann, sie haben den Fragebogen und die Beteiligung der Gläubigen daran analysiert. Zunächst zum Fragebogen selbst. Wie lautet konkret Ihre Kritik?

Dr. Michael Dörnemann (Leiter des Dezernats Pastoral im Bistum Essen): Der Fragebogen unterscheidet sich deutlich von dem, der in Vorbereitung auf die erste Familiensynode versandt wurde. Denn diesmal sind die Ergebnisse der letzten Synode in den Fragebogen mit eingeflossen. Deshalb wird nicht mehr ganz offen auf Familiensituationen hin gefragt, sondern vielmehr theologische Ergebnisse und kirchenrechtliche Sprachformulierungen vorweggenommen. Das macht den Sprachstil schwer verständlich und die Fragen sehr komplex – teils mit expliziten theologischen Begriffen. Das hat es vielen schwer gemacht, die Fragen zu beantworten. Bei einigen Gläubigen kam deshalb die Vermutung auf, dass eigentlich eine breite Befragung gar nicht gewollt ist.

domradio.de: Das heißt, die Leute haben tatsächlich gedacht: Der Vatikan will uns eigentlich gar nicht hören. Der stellt da so komplizierte Fragen, dass wir gar nicht antworten können.

Dr. Michael Dörnemann: Das zumindest wurde aus einigen Antworten, die wir bekommen haben, deutlich. Und auch in der offiziellen Stellungnahme aus Priesterrat, Ordensrat und Diözesanrat kommt zum Ausdruck, dass viele gesagt haben: Wir mussten teilweise ein Fremdwörterlexikon danebenlegen, um überhaupt zu verstehen, was gemeint ist. Das hat viele Gläubige abgeschreckt und daran gehindert zu antworten.

domradio.de: Das heißt, auch bei Ihnen in Essen gab es eher eine zurückhaltende Beteiligung an der Befragung?

Dr. Michael Dörnemann: Ja, und das höre ich jetzt auch aus anderen Bistümern. Die Essener Zahl von ca. 14 Einzelantworten - neben der offiziellen Antwort aus Diözesanrat, Priesterrat und Ordensrat - liegt im Maß der anderen Diözesen. Sie alle registrieren eine geringe Beteiligung. In Mainz haben sich zum Beispiel 21 Personen beteiligt.

domradio.de: Können Sie ein Beispiel nennen für komplexe Formulierungen, die sie kritisieren?

Dr. Michael Dörnemann: Es wird etwa nach "Ohnmacht angesichts der sozioökonomischen Wirklichkeit" gefragt. Unsereiner weiß natürlich, was damit gemeint ist. Inhaltlich ist das ja auch ein berechtigtes Anliegen. Familien sind vielen Herausforderungen ausgesetzt: Wie bekommt man Familien- und Berufsleben zusammen? Reicht das Gehalt, um eine Familie zu ernähren? Das heißt, hinter dieser Formulierung stecken ganz praktische Fragen. Und viele fragen sich natürlich: Warum muss man eine so komplexe Formulierung verwenden, um so einfache Hintergründe zu beschreiben?

Domradio.de: Schauen wir mal auf die Inhalte. Die Menschen wünschen sich zum Beispiel einen barmherzigeren Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, eine modernere Haltung der Kirche zu Verhütungsmitteln, Segnungsfeiern für homosexuelle Paare. Das alles wurde schon zur ersten Familiensynode geäußert. Für wie realistisch halten sie es denn, dass diese Themen bei der zweiten Familiensynode im Oktober dann mehr Chancen haben, gehört zu werden.

Dr. Michael Dörnemann: Ich glaube, dass das im Herbst sehr schwierig sein wird. Der Fragebogen und die Antworten, die wir jetzt bekommen haben, machen deutlich, vor welchen Schwierigkeiten die Bischöfe jetzt stehen. In den Antworten kommt deutlich zum Ausdruck, dass viele Katholiken das christliche Eheverständnis von Unauflöslichkeit und Treue zwar für wichtig erachten. Sie machen auch deutlich, dass es sich vom Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare unterscheiden muss. Aber alle sagen auch sehr klar: Es kann nicht sein, dass die Kirche diskriminierend und ausgrenzend gegenüber Homosexuellen agiert. Es werden also kirchliche Symbolhandlungen, Segnungen oder auch weitere kreative Ideen gefordert, damit Homosexuelle in ihrem Zusammenleben gestärkt werden. In vielen Antworten wird deutlich, dass die Kirche vor allem in diesem Bereich nicht von oben herab agieren soll.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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