Nikola Eterovic (l.) im Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx (Archiv)
Nikola Eterovic (l.) im Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx (Archiv)
Bischof Georg Bätzing
Bischof Georg Bätzing bei der Eröffnungs-Pressekonferenz

20.09.2021

Papstbotschafter richtet sich an deutsche Bischöfe Mahnende Worte aus Rom

Deutschlands Bischöfe tagen in Fulda. Einen eindringlichen Appell, die Einheit der Kirche zu wahren und den Weisungen des Papstes zu folgen, hat der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, an die Bischöfe gerichtet.

In dem am Montag in Fulda verbreiteten Grußwort zu Beginn der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz erinnerte der Vatikandiplomat an ein spanisches Radio-Interview des Papstes. Darin hatte Franziskus unlängst gesagt, es sei nicht böser Wille, der viele deutsche Bischöfe antreibe, sondern "ein pastorales Verlangen", das aber manche notwendigen Weisungen des Papstes "nicht berücksichtige". Diese Weisungen habe er am 29. Juni 2019 in dem Papstbrief "an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" formuliert.

Eterovic erinnerte daran, dass bereits Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin in seiner Ansprache in Berlin vor drei Monaten einige Passagen aus diesem Brief wiederholt und dabei "auf die Bedeutung der Einheit in der katholischen Kirche" verwiesen habe. Dabei habe Parolin den Papst mit den Worten zitiert: "Sooft eine kirchliche Gemeinschaft versucht hat, alleine aus ihren Problemen herauszukommen, und lediglich auf die eigenen Kräfte, die eigenen Methoden und die eigene Intelligenz vertraute, endete das darin, die Übel, die man überwinden wollte, noch zu vermehren und aufrechtzuerhalten".

"Teil eines größeren Leibes"

Weitere Zitate aus dem Papstbrief an die deutschen Katholiken bildeten das Herzstück der Ansprache des Nuntius. Darunter dieses: "Das bedeutet nicht, nicht zu gehen, nicht voranzuschreiten, nichts zu ändern und vielleicht nicht einmal zu debattieren und zu widersprechen, sondern es ist einfach die Folge des Wissens, dass wir wesentlich Teil eines größeren Leibes sind, der uns beansprucht, der auf uns wartet und uns braucht, und den auch wir beanspruchen, erwarten und brauchen. Es ist die Freude, sich als Teil des heiligen und geduldigen treuen Volkes Gottes zu fühlen".

Eterovic fasste dies mit den Worten zusammen: "Diese Ermahnung, fest verbunden in der Einheit der katholischen Kirche zu bleiben, ist Teil des Petrusdienstes, seine Brüder im Glauben zu stärken."

Der Nuntius erinnerte in diesem Zusammenhang auch an Worte von Papst Paul VI., der im Jahr 1968 gesagt hatte: "Wir sehen sogar Katholiken, die sich von einer Art Veränderungs- und Erneuerungssucht erfassen lassen. Die Kirche hat freilich immer die Pflicht, sich ständig zu bemühen, tiefer einzudringen in die unergründlichen Geheimnisse Gottes (...) und diese Geheimnisse in einer Weise darzulegen, die sich immer besser dem Verständnis der Menschen anpasst, die ihr folgen. Aber gleichzeitig muss man auch die größte Sorge tragen (...), an den Wahrheiten der christlichen Lehre keine Abstriche zu machen. Denn das würde sonst bedeuten, wie man es heute leider wahrnehmen muss, bei vielen gläubigen Seelen Verwirrung und Bestürzung hervorzurufen."

Der Botschafter des Papstes endete seine Ausführungen mit dem Wunsch: "Diese Überlegungen mögen uns erinnern, dass die Worte des Herrn Jesus uns (...) unter den drängenden alten und neuen kirchlichen und sozialen Herausforderungen auf den Weg der kirchlichen Gemeinschaft, des katholischen Glaubens und zur Heiligkeit in unseren Tagen rufen: 'Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen' (Mt 16,18)."

Bätzing begrüßt Heße-Entscheidung

Bei der Eröffnung der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz kamen auch aktuelle Themen zur Sprache. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hat bei so die Entscheidung von Papst Franziskus verteidigt, das Rücktrittsgesuch des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße nicht anzunehmen.

Der Papst habe sich dabei an die 2019 verschärften, strengen vatikanischen Regeln gegen Vertuschung von Missbrauch gehalten, sagte Bätzing am Montag zum Auftakt der Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda, an der auch Heße teilnimmt.

Der Limburger Bischof sagte zugleich, er könne die - auch innerkirchliche - Kritik an dieser Entscheidung verstehen. Es könnte der Eindruck entstehen, dass ein Rücktritt aus moralischen Gründen nicht angenommen werde. Bätzing verwies aber darauf, dass mehrere Bischöfe weltweit aufgrund dieser vatikanischen Regeln zurückgetreten seien. Mit Blick auf den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte Bätzing, er hoffe auf eine schnelle Entscheidung zum Erzbistum Köln.

Bischöfe liegen in einigen Reformdebatten weit auseinander

Mit Blick auf den innerkirchlichen Reformprozess des Synodalen Wegs sagte der Limburger Bischof, es wachse der Wunsch nach konkreten Ergebnissen. Es müsse schnell zu sichtbaren Veränderungen kommen. Der deutsche Reformprozess könne ein "Türöffner" für den vom Papst einberufenen Synodalen Prozess sein. Die Kirche in Deutschland könne ihre Erfahrungen in den weltweiten Prozess einspielen.

Bätzing räumte ein, dass die Bischöfe in einigen wichtigen Reformdebatten weit auseinander lägen. Er setze aber darauf, dass der Reformprozess zu klaren Zeichen der Veränderung führe, etwa in Fragen der Sexualmoral. Es gelte, das hilfreiche Wissen der katholischen Sexuallehre als Angebot für alle Menschen zugänglich zu machen, auch für gleichgeschlechtliche Paare oder Nichtverheiratete. Katholische Sexualmoral dürfe nicht als Verbotsmoral bei den Menschen ankommen.

Kritik auch aus dem Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz

Bätzing fügte hinzu, es müsse auch zur stärkeren Beteiligung von Laien an Entscheidungsprozessen in der Kirche kommen. Das Bischofsamt könne nicht mehr länger so verstanden werden wie bisher.

Der Konferenzvorsitzende kündigte zudem an, die Bischöfe wollten das bisherige Verfahren zur Anerkennung des Leids von Opfern sexualisierter Gewalt überprüfen. Es gebe Kritik auch aus dem Betroffenenbeirat der Bischofskonferenz, dass die Verfahren reformiert werden müssten, weil es bei Betroffenen möglicherweise Retraumatisierungen oder Krankenhausaufenthalte auslösen könnte, es an Transparenz fehle und die Bearbeitungsdauer zu lang sei.

Steigender Frauenanteil bei Kommissionen

Bei der anstehenden Wahl der 14 Kommissionen und Unterkommissionen der Bischofskonferenz dürfte der Frauenanteil bei den Beratern auf 40 Prozent ansteigen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, am Montag zum Auftakt der Vollversammlung in Fulda. In den verschiedenen Kommissionen wird die inhaltliche Arbeit der katholischen Kirche geleistet. Ihnen gehören inklusive der Beraterstäbe rund 160 Personen an.

Es handle sich bei den Wahlen zu den Kommissionen um die größte Veränderung bei der Bischofskonferenz seit zehn Jahren, sagte Bätzing. Zuvor hatten der bisherige Medienbischof Gebhard Fürst und der Vorsitzende der Kommission Weltkirche, Erzbischof Ludwig Schick, angekündigt, nicht wieder für ihre Ämter kandidieren zu wollen.

Bischöfe rufen zur Wahl auf

Die katholischen Bischöfe haben zur Stimmabgabe bei der Bundestagswahl aufgerufen. "Der kommende Wahlsonntag ist ein sehr entscheidender Tag, es geht um die Zukunft unseres Landes", sagte Bischof Bätzing. Er appellierte an die Christen, sie sollten bei ihrer Wahlentscheidung die Fragen von Lebensschutz und Ökologie berücksichtigen.

Im Blick auf Umwelt- und Klimaschutz sagte Bätzing, es bleibe nicht mehr viel Zeit zum Umsteuern. "Wir haben die Verantwortung, unsere wunderbare Erde nicht schonungslos auszubeuten, sondern sie den kommenden Generationen zu übergeben." Auch beim Lebensschutz stünden nach der Wahl wichtige politische Richtungsentscheidungen an, sagte Bätzing. Er nannte hier die Themen assistierter Suizid und eine bessere Begleitung von Sterbenden und Schwerstkranken am Lebensende.

(KNA)

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