Gefaltete Hände eines Bischofs
Gefaltete Hände eines Bischofs

15.08.2020

Katholische Frauengemeinschaft hofft auf Sekretärin für DBK Weibliche Akzente für die Männerwelt

"Frauen, bewerbt Euch!", lautet der Aufruf der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands. Zum ersten Mal ist die Stelle des Sekretärs der Deutschen Bischofskonferenz auch für Frauen ausgeschrieben. Braucht die DBK also eine Sekretärin?

DOMRADIO.DE: Wie ordnen Sie das ein, dass jetzt die Bischofskonferenz in einer Stellenanzeige ausdrücklich auch nach einer Frau für dieses Amt des Sekretärs beziehungsweise der Sekretärin einer Bischofskonferenz sucht?

Agnes Wuckelt (stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland): Ich ordne das als eine echte Konsequenz des Beschlusses der Vollversammlung der deutschen Bischöfe im diesem Frühjahr ein. Damals wurde beschlossen, dass 30 Prozent der Leitungspositionen in der Kirche perspektivisch von Frauen besetzt werden. Das heißt, wenn die Bischöfe zu diesem Beschluss stehen, müssen sie sich überlegen, welche der Leitungspositionen von Frauen besetzt werden können. Und die Stelle des Sekretärs oder der Sekretärin der Bischofskonferenz gehört dazu, denn sie setzt nicht die Weihe voraus.

DOMRADIO.DE: Nun sagen einige: Naja, das ist so eine Alibi-Anzeige - diese Stellenausschreibungen, die die Frauen mit einbezieht, so wie der Gesetzgeber es vorschreibt. Was sagen Sie dazu?

Wuckelt: Es liegt natürlich nahe, dass man sagt: Okay, eine Stelle, die ausgeschrieben wird, muss nach Gesetzeslage so ausgeschrieben werden. Ich hoffe, dass das nicht der Fall ist. Einiges spricht auch dafür, dass es ernst gemeint ist. Denn bislang wurde diese Stelle nicht ausgeschrieben. Da automatisch ein Priester diese Funktion einzunehmen hatte oder einnehmen sollte, haben dann - so vermute ich es mal, denn die letzte Wahl liegt ja bereits lange zurück - einzelne Bischöfe aus ihrem Bistum einen Priester freigestellt, der dann der Vollversammlung der Bischöfe vorgeschlagen und von ihr gewählt wurde.

Diese frei werdende Stelle musste also gar nicht ausgeschrieben werden. Zum anderen ist es auch so, dass diese Stelle eher den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zugeordnet ist und hier überlegt werden muss, wer kann mit wem gut zusammenarbeiten? Und vor diesem Hintergrund habe ich überlegt, Bischof Bätzing ist ein Bischof, der tatsächlich gerne mit Frauen zusammenarbeitet, der es auch ganz ernst meint und der unter dieser Perspektive - ich kann es nur vermuten - auch mit dazu beigetragen hat, dass diese Stelle regulär ausgeschrieben wird.

DOMRADIO.DE: Nun ist das Amt des Sekretärs oder der Sekretärin der Bischofskonferenz nicht dazu da, um Kirchenpolitik zu machen, sondern eher die Interessen der Bischöfe zu vertreten. Warum kann es trotzdem wichtig sein, wenn das jetzt eine Frau übernimmt?

Wuckelt: Ganz sicherlich wird es diese Frau nicht leicht haben. Ich denke, möglich wird es sein, dass es Frauen-Netzwerke gibt. Wir haben ja bereits Ausbildungsangebote und Mentoring für Frauen in kirchlichen Leitungspositionen, sodass sich Frauen auch mit dieser Frage der Leitung in einer Männerwelt auseinandergesetzt haben.

Es wird für diese Frau aber auch einfach wichtig sein, dass sie weiß, dass sie Rückhalt von Frauen hat und dass sie vielleicht unter dieser Perspektive neue Akzente in dieser Männerwelt setzen kann. Sie wird dann die Konferenzen und Vollversammlungen der Bischöfe organisieren. Dort geht es auch um die Berufung von Experten und Expertinnen. Dort wird eine Frau, wenn sie sich in einem Frauennetzwerk aufgehoben fühlt, viel einfacher auch Frauen mit einbeziehen können. So ist sie dann zum einen gestützt, zum anderen fallen ihr aber auch, wenn es um Referentinnen und Beraterinnen geht, Frauennamen ein, die sie mit einbringen kann. Und in dieser Solidarität fällt es ihr dann vielleicht leichter, in diesem Männerbund auch tätig zu werden.

DOMRADIO.DE: Für über 60 deutsche Bischöfe zu arbeiten, zumal die ja ganz unterschiedliche Auffassungen von Kirche haben, kann man das einer Frau guten Gewissens empfehlen?

Wuckelt: Das eine ist tatsächlich, auf diese Anzeige so zu antworten, dass Frauen sagen: "Bischöfe, hier bin ich, und ich bin bereit, hier an dieser Stelle zu arbeiten und mit euch zu arbeiten." Zum anderen sehe ich die Problematik schon, die sich hier gibt, weil ich mir auch nicht vorstellen kann, dass alle 69 Bischöfe sagen: "Juhu, eine Frau!" Es wird in der Bewerbungsphase sicherlich auch eine männliche Konkurrenz geben.

DOMRADIO.DE: "Frauen, bewerbt euch!", so lautet Ihr Aufruf. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass das nun auch viele Frauen tun und das dann auch wirklich eine Frau Sekretärin der Deutschen Bischofskonferenz wird?

Wuckelt: Spontan werden ganz sicherlich nicht viele Frauen sagen: "Ich bewerbe mich." Wir haben ja unterschiedliche Frauennetzwerke und über die müssen wir jetzt sicherlich mit Frauen in Kontakt treten, die wir uns vorstellen können, die wir auch beraten können. Gerade wir Älteren, die wir selber schon um gute Leitungserfahrung in Kirche haben, können hier beraten, können Hilfestellungen geben. Ganz sicherlich wird die eine oder andere zurückschrecken.

Aber ich hoffe, dass es doch auch mutige Frauen gibt, die sagen: "Mit anderen Frauen in der Rückhand gehe ich das jetzt einfach mal an." Und ich hoffe, dass sie auch von einem Gros der Bischöfe wohlwollend und freundlich aufgenommen und willkommen geheißen wird. Wobei es auch für die Männer ein Lernprozess sein wird, der nicht einfach ist, aber dafür bin ich nicht zuständig.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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