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Kritik von der Deutschen Bischofskonferenz
Bischof Georg Bätzing
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Gerhard Ludwig Kardinal Müller
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Generalvikar Msgr. Klaus Pfeffer
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10.05.2020

Kardinal Müller verteidigt Unterschrift - neue Kritik an Aufruf Grundlegend unterschiedliche Bewertung der Lage

Nach wachsender Kritik an einem Text hoher Kirchenmänner zur Corona-Krise hat Kardinal Gerhard Ludwig Müller seine Unterschrift verteidigt. Zuvor waren die deutschen Bischöfe zu dem von Erzbischof Vigano initiierten Text auf Distanz gegangen.

Interessierte kirchliche Kreise hätten das Papier benutzt, "um daraus Empörungskapital gegen ihre vermeintlichen Gegner zu schlagen", erklärte Müller am Sonntag in der Zeitung "Die Tagespost" (Online). "Jeder nennt jetzt jeden Andersdenkenden Verschwörungstheoretiker."

Die Gruppe um Kardinal Müller hatte eine Warnung veröffentlicht, nach der die Corona-Pandemie genutzt werden solle, um eine "Weltregierung" zu schaffen, "die sich jeder Kontrolle entzieht".

"Die Deutsche Bischofskonferenz kommentiert grundsätzlich keine Aufrufe einzelner Bischöfe außerhalb Deutschlands" sagte der Konferenz-Vorsitzende, Bischof Georg Bätzing, am Samstagabend der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): "Allerdings füge ich hinzu, dass sich die Bewertung der Corona-Pandemie durch die Deutsche Bischofskonferenz grundlegend von dem gestern veröffentlichten Aufruf unterscheidet."

Unterschiedliche Bewertung

In dem Aufruf kritisieren die Unterzeichner, die Pandemie werde als Vorwand genutzt, um "Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt" einzuschränken, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit. Die Schutzmaßnahmen dienten der "Kriminalisierung persönlicher und sozialer Beziehungen".

So ernst der Kampf gegen Covid-19 sein möge, dürfe er nicht "als Vorwand zur Unterstützung unklarer Absichten supranationaler Einheiten dienen, die sehr starke politische und wirtschaftliche Interessen verfolgen".

Die deutschen Bischöfe hatten zur Corona-Pandemie unter anderem erklärt, dass die Einschränkungen - auch bei den Gottesdiensten - "vernünftig und verantwortungsvoll" gewesen seien und zugleich betont, man müsse die Beschränkungen auch "mit Verantwortung und Augenmaß" wieder lockern.

Klar widersprechen

Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck schrieb am Wochenende auf Facebook, die Kirche könne zur Bewältigung der Corona-Krise einen klaren Beitrag leisten: "Solidarität zu üben als deutliches Zeichen der Entschlossenheit, sich für das Gemeinwohl und für soziale Gerechtigkeit einzusetzen".

Weiter erklärte Overbeck, das beschreibe genau das Gegenteil der Positionierung "jener Populisten und anderer Verschwörungstheoretiker, die alle Anstrengungen zur Eindämmung der Pandemie als Vorwand verstehen wollen, eine hasserfüllte technokratische Tyrannei zu begründen und die christliche Zivilisation auszulöschen". Dem müsse von Seiten der Kirche klar widersprochen werden - "ganz gleich, wer solches formuliert!".

"Einfach nur fassungslos"

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, kommentierte auf Facebook, jeder Unterzeichner des Aufrufs entblöße sich selbst. Er sei "einfach nur fassungslos, was da im Namen von Kirche und Christentum verbreitet wird: Krude Verschwörungstheorien ohne Fakten und Belege, verbunden mit einer rechtspopulistischen Kampf-Rhetorik, die beängstigend klingt."

Pfeffer fügte hinzu: "Mit Jesus Christus, auf den sich die Unterzeichner berufen, haben derart wirre Thesen, die Ängste schüren, Schwarz-Weiß-Denken verfolgen, üble Feindbilder zeichnen und das Miteinander in unseren Gesellschaften vergiften, nichts zu tun."

Ähnlich äußerte sich am Sonntag die Bewegung "Wir sind Kirche". Den Reformgegnern um Kardinal Müller gehe es nicht darum, den Glauben zu verteidigen, sondern Angst zu schüren. "Das aber hat mit Glauben nichts zu tun", so die Gruppe. Gerade in einer großen Krise seien Vertrauen und Glaube gefordert: "Und dieser Glaube führt zu überwältigender Solidarität mit all denen, die unserer Hilfe bedürfen."

(KNA)

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