Bischof Stephan Ackermann
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Gegen menschenverachtende Stammtischparolen
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25.06.2019

Bischof Ackermann über das Arbeitspapier gegen Populismus Eine praktische Hilfe im Alltag

Die deutschen Bischöfe haben ein Papier zum kirchlichen Umgang mit rechtspopulistischen Tendenzen herausgegeben. An wen sich die 74 Seiten richten und warum die Bischöfe das Papier erarbeitet haben, erklärt Bischof Stephan Ackermann.

DOMRADIO.DE: Eine ganze Gruppe von Experten hat dieses 74-seitige Papier im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz erarbeitet. Ist das ein Aufklärungspapier "So erkenne ich Rechtspopulismus"?

Stephan Ackermann (Bischof von Trier, Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax): Das Papier soll nicht nur einfach eine Checkliste an die Hand geben: Wie erkenne ich Rechtspopulismus? Das Papier soll vielmehr Gemeindemitgliedern helfen, über die unterschiedlichen Themen sprechen zu können. Dabei werden auch die verschiedenen Aspekte von Populismus angerissen. Etwa: Was sind Strategien von rechtspopulistischen Bewegungen? Was ist damit gemeint, wenn da immer vom "Volk" die Rede ist? Das Papier kann auch helfen, etwa bei plakativen Sprüchen genauer hinzuhören, zu schauen, was dahinter steckt, und dann ein Stück weit argumentationsfähiger zu werden. Das ist eine der Absichten.

DOMRADIO.DE: Es sind auch Praxisbeispiele darin. Was sind das für Beispiele?

Ackermann: Das sind Beispiele von gelungenen Projekten der Integration und des sozialen Miteinanders - natürlich auch im Bereich der Flüchtlingsarbeit. Wir wollten nicht nur die kritischen Punkte des Populismus nennen und warnen, sondern wir wollen gerade auch aus dem kirchlichen Bereich zeigen, dass dort viele Leute unterwegs sind, die sich für ein gut gelingendes Miteinander über kulturelle, religiöse und soziale Grenzen hinweg einsetzen. Das kann sich sehen lassen.

DOMRADIO.DE: An wen richtet sich dieses Papier konkret?

Ackermann: Das Papier richtet sich vor allen Dingen an Menschen in der Kirche, junge Leute, Ältere und an die Gremien. Ich denke, dass man in einem Pfarrgemeinderat oder natürlich auch in der Jugendarbeit diese Arbeitshilfe einsetzen kann. Ich kann mir auch vorstellen, dass sich Schulklassen im Religions- oder Sozialkundeunterricht mit bestimmten Teilen beschäftigen können. Vor allen Dingen ist es eine Möglichkeit, Menschen ins Gespräch zu bringen. Wir wollten kein akademisches Papier, sondern ein Papier, bei dem man kein Politik-Experte oder Sozialwissenschaftler sein muss, um den Inhalt zu verstehen.

DOMRADIO.DE: Besorgte Katholiken, die gerne gute Argumente an die Hand hätten, um zu widersprechen, wenn jemand populistische Thesen von sich gibt, die finden sie darin auch?

Ackermann: Genau. Das ist ein Punkt, den wir schon mal hören. Menschen haben ein ungutes Gefühl. Sie hören irgendwelche populistischen Sätze oder Haltungen. Sie wissen nicht so richtig, damit umzugehen. Oder es gehen einem die Argumente aus, wenn gesagt wird: "Daran sind die Ausländer Schuld." Oder: "Die Kriminalitätsrate ist vor allen Dingen durch Migration gestiegen." Hiergegen bei der Argumentation zu unterstützen, das ist das eine.

Das Papier ist aber auch ein Angebot an Menschen, die selber mit rechtspopulistischen Tendenzen sympathisieren. Es gibt sicher Menschen, die in ihrer Meinung verhärtet und festgelegt sind. Die werden wir damit sicher nicht erreichen. Aber wenn jemand sagt: "Ich will mich doch mal informieren. Ich habe da so meine Fragen. Wo kann ich jetzt ohne, dass das emotionalisiert, aufgeputscht und politisiert wird, auch verlässliche Informationen bekommen?" Ich glaube, um das eigene Gefühl besser deuten zu können, ist die Arbeitshilfe auch geeignet.

DOMRADIO.DE: Rechtspopulisten versuchen ja oft, menschenrechtliche Standards infrage zu stellen und aufzuweichen. Aber auch mit denen wollen Sie diskutieren und gegenüber offen sein?

Ackermann: Natürlich. Solange diese Menschen offen für einen Dialog sind. Wir haben gesagt: Wichtig ist uns, dass die Menschenrechte im Mittelpunkt stehen. Und es ist genau das Gegenteil der Fall, wenn Menschen an den Rand gedrängt werden. Wenn vermeintliche Mehrheiten sagen: "Wir verkörpern hier das Volk" und damit andere von der Beteiligung ausschließen. Oder wenn gesagt wird: "Die Menschen sind alle gleich, nur manche sind gleicher." Dann kann ich nur antworten: Das geht eben nicht. Insofern ist auch es auch schön, dass es auf dem Titelbild der Broschüre auch den Art. 1 der Erklärung der Menschenrechte zu lesen gibt "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren".

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(DR)

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