Deutsche Bischöfe
Deutsche Bischöfe
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
ZdK-Präsident Thomas Sternberg
 Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung
Johannes-Wilhelm Rörig
Prof. Ulrich Hemel
Prof. Ulrich Hemel

14.03.2019

Reaktionen auf geplante Maßnahmen der Bischöfe Nicht ausnahmslos nur Lob

Während in Lingen langsam die bischöflichen Koffer für die Heimreise gepackt werden, lassen andere die vergangenen vier Tage der Frühjahrsvollversammlung Revue passieren. Vielfaches Lob mischt sich hier und da allerdings mit einem "Aber".

Verhalten positiv hat die oberste Laienvertretung der Katholiken in Deutschland auf die Ankündigung der Deutschen Bischofskonferenz reagiert, einen "synodalen Weg" über Machtabbau, Zölibat und Sexualmoral auf den Weg zu bringen.

"Es muss klar sein, was da beraten und entschieden werden soll", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, am Donnerstag dem Münsteraner Portal Kirche-und-Leben.de. "Wenn das einfach nur ein Gesprächsprozess mit offenem Ausgang sein sollte, würde das Frustration bedeuten. Die Leute wollen jetzt Reformen sehen."

Die Vollversammlung der Bischofskonferenz hatte in Lingen einen "verbindlichen synodalen Weg" zur Erneuerung und zu Veränderungen der Kirche beschlossen. Laut Konferenz-Vorsitzendem Kardinal Reinhard Marx soll dieser Weg gemeinsam mit dem ZdK organisiert werden.

"Wir können uns einen synodalen Prozess vorstellen, ohne dass wir genau wissen, wie der aussieht", sagte Sternberg. Zudem stünden Absprachen darüber in den Gremien des ZdK aus, "etwa im Präsidium und im Hauptausschuss, die nächste Woche tagen". Es müsse vor allem klargestellt sein, mit welcher Beschlussfähigkeit ein solches Gremium ausgestattet werden soll und dass gefasste Entscheidungen auch wirklich umgesetzt werden. "Es darf nicht in Unverbindlichkeit rutschen", warnte der ZdK-Präsident.

Sternberg räumte ein, er hätte sich von der Vollversammlung der Bischofskonferenz "den Mut gewünscht, wirklich den Frauendiakonat und die Priesterweihe für bewährte verheiratete Männer" als konkrete Reformen zu benennen. Gleichwohl sei er froh, dass eine Verwaltungsgerichtsbarkeit in der katholischen Kirche in Deutschland eingeführt werden soll. "Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Überwindung von Klerikalismus."

Rörig mahnt zügige Umsetzung der Maßnahmen zu Missbrauch an

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die Maßnahmen der Bischöfe zum Umgang mit Missbrauchsfällen begrüßt, zugleich aber eine zügige zeitliche Umsetzung angemahnt. Es dürfe jetzt keine Zeit mehr vertan werden, sagte Rörig am Donnerstag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Ein klarer Zeitplan sei notwendig.

Bis zum Ende des Jahres müsse nun eine unterschriftsreife Vereinbarung mit ihm und der bei seinem Amt eingerichteten Arbeitsgruppe "Aufarbeitung Kirchen" erarbeitet werden, in der die Standards für die Aufarbeitung und einheitliche Kriterien für die Akteneinsicht festgelegt seien. Zudem müssten sich die Bischöfe verbindlich auf die Beteiligung von Betroffenen einigen und die offene Entschädigungsregelung klären.

Das Gelingen der Aufarbeitung hänge von der Prioritätensetzung des Ständigen Rates und eines jeden Bischofs ab. Die staatliche Seite sei gut vorbereitet. Die katholische Kirche sei es den Betroffenen schuldig, fast zehn Jahre nach dem sogenannten "Missbrauchsskandal" in Deutschland endlich Klarheit und Verbindlichkeit bei der Aufarbeitung herzustellen.

"Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich unumkehrbar auf den Weg gemacht", fügte Rörig hinzu. Er begrüßte zudem, dass die Kirche sowohl für die Aufarbeitung als auch für mögliche Reformen der innerkirchlichen Strukturen jetzt externe Unterstützung und Hilfe in Anspruch nehmen wolle.

Katholische Frauen begrüßen Pläne der Bischöfe

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) hat den Beschluss der Bischofskonferenz begrüßt, einen "synodalen Weg" über Machtabbau, Zölibat und Sexualmoral zu beschreiten. Die katholischen Frauen seien gern bereit, ihre Kompetenzen einzubringen, sagte die stellvertretende Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Paderborn.

Wichtig sei, dass es konkretere Ergebnisse gebe als bei dem zurückliegenden Gesprächsprozess, der von 2011 bis 2015 dauerte.

Wuckelt begrüßte insbesondere, dass es ein Forum Sexuallehre geben werde. Die Frauenverbände hätten schon seit Jahrzehnten darauf hingewiesen, dass aktuelle Forschungsergebnisse aus Theologie und Sozialwissenschaften Eingang in die kirchliche Lehre finden müssten.

Auch die Teilung von Macht und das Aufbrechen männlicher Hierarchien seien zentrale Fragen.

BKU fordert schnelleres und entschlosseneres Handeln

"Geredet hat man lange genug, jetzt müssen Taten folgen, die den Opfern konsequent gerecht werden. Nur so kann die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche nach den Fällen sexuellen Missbrauchs nicht noch stärker beschädigt werden", erklärt unterdessen der Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), Prof. Dr. Dr. Ulrich Hemel.

Der BKU begrüßt den Veränderungsprozess, den die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer Frühjahrstagung anstößt und weiterführt. Allerdings gehe alles sehr schleppend voran. Dort, wo klare und schnelle Entscheidungen erforderlich seien, werde nach dem üblichen System zäher Debatten und Arbeitsgruppen agiert. Für die Menschen, die ohnehin schon kritische Anfragen an die Kirche hätten, sei ein Fortschritt kaum erkennbar. "Was der Kirche in dieser Situation allein helfen kann, ist ein schnelles und konsequentes Handeln, die klare Benennung von Verantwortlichkeiten, das Eingeständnis persönlicher Schuld, die Verfolgung der Täter und die Entschädigung und Begleitung der Opfer."

Hier zeigt sich für Hemel der Unterschied in der Herangehensweise von guten Unternehmen und Kirche. Der organisatorische Nachholbedarf kirchlicher Strukturen sei im Vergleich mit Unternehmen in vielen Bereichen hoch. Die Regeln guter Führung (Corporate Governance) seien in kirchlichen Kreisen teilweise nicht bekannt, im unternehmerischen Umfeld gehörten sie hingegen zum Standard.

Der Verband bemängelt die fehlende Festlegung klarer Schritte und konkreter Zeitpläne. Darüber hinaus mangele es zuweilen an der Bereitschaft zur offenen Auseinandersetzung mit dem Thema Schuld und Versagen in allen Bistümern. Hemel stellt mit Befremden fest, dass die Bischöfe, die im Rahmen des Transparenzprozesses ihren Aufgaben nicht nachkämen, nicht namentlich benannt würden. "Diese falsche Zurückhaltung wird kein neues Vertrauen schaffen, sondern eher Misstrauen zementieren."

Wenn ein Bischof meine, aus der allgemeinen Linie der Bischofskonferenz ausscheren zu wollen, müsse er in der Lage sein, für die Gründe öffentlich einzustehen, die zu seinem Verhalten führten. Andernfalls schade er dem angestoßenen Prozess und der von so vielen Menschen gewünschten Erneuerung der Kirche. "Wir merken als BKU, dass die Anfragen unserer Mitglieder zu diesem Thema immer drängender werden. Viele von ihnen verbinden das erschütterte Vertrauen mit Forderungen nach einer grundlegenden Reform kirchlicher Organisation", ergänzt Hemel.

Hemel fordert erneut die Einrichtung eines kirchlichen Verwaltungsgerichts, das das Handeln kirchenamtlicher Stellen einer rechtlichen Überprüfung unterzieht. Ein solches Instrument könne dabei helfen, die Rechte der von kirchlichem Handeln Betroffenen zu stärken. Das gelte ganz besonders auch in Missbrauchsfällen bei der Durchsetzung von Ansprüchen auf Auskunft und Akteneinsicht oder bei der Abwehr von Verfahrensverschleppungen.

(KNA, BKU)

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