Der Schriftzug des Vaterunser
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Deutsche Bischöfe
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Papst Franziskus macht mit der Hand ein Kreuzzeichen
Papst Franziskus macht mit der Hand ein Kreuzzeichen

25.01.2018 - 00:00

Bischöfe halten am Wortlaut von Vaterunser-Bitte fest Entscheidung in Debatte um die "Versuchung"

Führt Gott den Menschen in Versuchung? Diese Frage warf eine zunächst wenig beachtete französische Neuübersetzung der entsprechenden Vaterunser-Bitte auf. Nun haben sich die deutschen Bischöfe dazu positioniert.

Dass in der "Bild"-Zeitung oder in der "New York Times" und vielen anderen Blättern an prominenter Stelle über die korrekte Übersetzung einer Bibelstelle debattiert wird, kommt nicht alle Tage vor. Ausgelöst hatte die Diskussion Anfang Dezember kein Geringerer als Papst Franziskus. Die gängige Fassung der Vaterunser-Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung" sei "keine gute Übersetzung", sagte er in einem Fernsehinterview. Und traf dabei auf viel Zustimmung, aber auch auf Kritik.

In Deutschland hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Vorschläge gegeben, die für missverständlich gehaltene Formulierung zu ändern, wie die Diskussionen in kirchlichen Zeitschriften zeigten. Ist es tatsächlich Gott, der den Menschen in Versuchung führt? Wird damit nicht ein falsches Gottesbild fortgeschrieben?

Franzosen nahmen Änderung vor

Die französischen Bischöfe waren offenbar dieser Ansicht, und sie beschlossen eine - zunächst im Ausland kaum zur Kenntnis genommene - Änderung: Statt der bisherigen Formulierung im Französischen (etwa: "Und unterwirf uns nicht der Versuchung") sollte es ab dem ersten Advent heißen: "Lass uns nicht in Versuchung geraten". Dies führte zunächst nur in der Schweiz zu Diskussionen, wo nun im deutschsprachigen Teil eine andere offizielle Formulierung existiert als im französischsprachigen.

Dabei ist die weltweite Einheitlichkeit beim Beten gerade für die katholische Kirche ein zentrales Anliegen, das in der Vergangenheit immer wieder einmal zum Streit über die richtige Übersetzung der lateinischen Texte in die Landessprachen führte. Bei der Vaterunser-Bitte ist diese Einheitlichkeit allerdings längst nicht mehr gegeben: Während die in immerhin 22 Ländern gültige spanische Übersetzung "Y no nos dejes caer en la tentacion" ("und lass uns nicht in Versuchung geraten") und ähnlich die portugiesische der neuen französischen entspricht, orientiert sich die deutsche strikt am griechischen Wortlaut des Matthäus- (6,13) und des Lukasevangeliums (11,4).

Die Reaktionen in Deutschland auf die neue Diskussion zielten denn auch überwiegend darauf ab, den vertrauten Wortlaut nicht zu ändern - zumal er konfessionsübergreifend für Protestanten und Katholiken im deutschen Sprachraum gilt und bereits von Martin Luther so übersetzt wurde.

Der Bochumer katholische Neutestamentler Thomas Söding verteidigte die geltende Fassung: "Sie ist präzise, und sie ist tief. Falsch ist nur die Behauptung, die Übersetzung sei falsch." Einer der wenigen, die die Gegenposition vertraten, war der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger: Es sei "naiv zu behaupten, die traditionelle deutsche Übersetzung sei noch immer genau das, was Jesus gemeint habe, weil sie wörtlich sei". Dieses Beharren "hilft gar nichts, wenn normale Menschen daraus die falschen Schlüsse ziehen".

Deutsche Bischöfe mit Erklärung

Auf Seiten der katholischen Bischöfe hatte sich schon vor dem Papst-Interview der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer mit Blick auf den französischen Beschluss gegen eine Änderung der deutschen Formulierung gewandt. Ähnlich äußerten sich etwa der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Max. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, erklärte ebenso wie andere evangelische Bischöfe, dass er keinen Änderungsbedarf sehe. Biblische Texte könne man nicht einfach umschreiben, sagte er, allerdings gelte es zu bedenken, dass jede Übersetzung auch interpretiere.

Nun meldete sich - wohl abschließend - auch die Deutsche Bischofskonferenz als solche zu Wort. Sie machte sich am Donnerstag ein Votum ihrer Glaubenskommission unter Vorsitz des Speyrer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann zu Eigen. Die Bischöfe vertreten die Auffassung, "dass die vorhandene Übersetzung - nicht zuletzt mit Sicht auf die konfessions- und länderübergreifende Einheitlichkeit - beibehalten werden soll", wie es in ihrer Presseerklärung heißt. Dem Anliegen von Papst Franziskus entsprechend solle aber verstärkt darauf gesetzt werden, "in Gesprächen, Diskussionen und Textbeiträgen die Bedeutung und den theologischen Hintergrund dieser Vaterunser-Bitte zu verdeutlichen".

Norbert Zonker
(KNA)

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