Reinhard Kardinal Marx
Reinhard Kardinal Marx
Marien-Statue in München
München statt Geseke
Kardinal Marx in Fulda
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz seit 2014
Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm
Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm

28.11.2017

Kardinal Marx räumt mit Gerüchten auf "Rom steht nicht zur Debatte"

Gerüchte über eine Berufung nach Rom gab es immer wieder. Doch davon will Reinhard Kardinal Marx nichts wissen. Zugleich rief der Erzbischof von München und Freising zur Loyalität mit dem Papst und zu neuer Bereitschaft zum Glauben auf.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat mit Gerüchten aufgeräumt, wonach er nach Rom gehen könnte. "Vergessen Sie es, das steht überhaupt nicht zur Debatte", sagte Marx im Interview des "Münchner Merkur" (Mittwoch). Überhaupt gebe es für ihn nichts Schöneres, als Erzbischof von München und Freising zu sein. Ausdrücklich aber ermutigte Marx alle, Papst Franziskus bei der Ausübung "seines für uns so wichtigen Amtes" zu unterstützen. Er selbst, der unter anderem als Papst-Berater fungiert, tue dies von München aus.

Weltkirchliche Denkweise

Seine unterschiedlichen Aufgaben, etwa auch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft, sieht Marx positiv. Sie ermöglichten ihm, die Erfahrungen, "die wir als Kirche in Bayern und Deutschland machen", auch auf anderer Ebene einzubringen. Bei der Familiensynode sei dies, so hoffe er jedenfalls, gut gelungen.

Als Bischof und Kardinal denke er immer auch weltkirchlich, und er sei eingebunden in eine besondere Loyalität dem Papst gegenüber. "Das ist unabhängig davon, ob ich nun in Rom in einem Gremium sitze oder nicht", betonte Marx.

Bayern statt Ostwestfalen

Der aus Westfalen stammender Erzbischof wird im Ruhestand "niemals" in seine Heimatstadt Geseke zurückkehren. "Erstens bin ich dann zu alt, und zum anderen bin ich jetzt in München daheim. Hier bleibe ich, und hier sterbe ich". Sein Grab werde dann in der Frauenkirche sein, und so sei es auch gut, so Marx. "Ich glaube, ich muss mein Schicksal wirklich nicht beklagen, wenn ich mein Leben hier beenden kann."

Zehn Jahre ist es her, dass Papst Benedikt XVI. im November 2007 Marx zum Erzbischof von München und Freising ernannte. Die Mentalität im bayerischen Kernland habe er nicht als fremd wahrgenommen, sagte der Kardinal. "Dem Leben zugewandt, traditionsbewusst, eine kräftige Mahlzeit nicht verachtend, den Festen und der Freude zugetan - das sind die Westfalen in meiner Gegend auch." Wenn er mit den Menschen zusammenkomme und mit ihnen spreche, denke er: "Hier bist du richtig!" Manchmal allerdings wundere er sich über ein "übertriebenes 'Mia san Mia'", wenn das gesunde Selbstbewusstsein, das er begrüße, vielleicht Grenzen überschreite.

Glaube ist Herausforderung

Nach den Worten des Kardinals ist es heute eine Herausforderung, sich als Christ zu fragen, was der Glaube für einen bedeute. Das Christentum dürfe nicht zu einem Kulturphänomen abrutschen. Vielmehr sei es der "existenzielle Grund meiner Hoffnung, meines Lebenshorizontes", betonte Marx. Die Gelegenheit sei deshalb seiner Ansicht nach günstig, das heute zur Sprache zu bringen. Auf die Frage, ob Christen Mitglied in der AfD sein könnten, sagte Marx, jeder müsse seine politischen Entscheidungen selbst treffen.

"Aber er muss als katholischer Christ seine Entscheidung auch messen lassen an den Grundsätzen der Katholischen Soziallehre und des Evangeliums." Schwierig werde es da, wo Missachtung von Minderheiten oder Fremden, eine hetzerische Sprache oder ein übersteigerter Nationalismus zutage träten. "Das sollte einem Christen klar sein."

Parteien bestimmen kirchliche Nähe

Der Kardinal kündigte an, sich auch künftig politisch zu Wort zu melden, wenn auch die Tagespolitik bis in den letzten Spiegelstrich hinein nicht Sache des Bischofs sei. "Die Nähe von Parteien zur Kirche bestimme aber nicht ich, sondern die Parteien selbst mit ihrem Programm und mit ihren Äußerungen."

(KNA)

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