Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen

27.09.2012

Eindrücke des domradio.de-Chefredakteurs Post aus Fulda (4)

Für domradio.de bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischöfe ist auch Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen. In seiner "Post aus Fulda" schildert er regelmäßig seine Eindrücke des Treffens. Zum Abschluss zieht er Bilanz.

Am 15. Mai 719 erhielt der Missionar Wynfreth aus dem Königtum Wessex im Südwesten Englands nicht nur seinen neuen Namen "Bonifatius". Vom damaligen Papst Gregor II bekam er auch den Auftrag, den "ungläubigen Völkern das Geheimnis des Glaubens" bekannt zu machen. Tatenlustig begann er mit der Missionierung der Friesen und gilt heute als "Apostel der Deutschen". Wenn jetzt im Jahr des Herrn 2012 die katholischen Bischöfe von ihrer traditionellen Herbstvollversammlung nach Hause fahren, haben sie keinen neuen Namen im Gepäck. Wohl aber wissen sie, dass Deutschland längst wieder ein Missionsland geworden ist. Landauf, landab verliert die Kirche Gläubige. Die, die ganz offiziell (jetzt auch nach dem neuen Dekret, das sich die Kirche in dieser Woche verordnet hat) austreten und keine Kirchensteuer mehr zahlen, sind schmerzhaft. Schmerzhafter aber noch sind die, die einfach nicht mehr kommen und sich längst innerlich verabschiedet haben. Jeden Sonntag erfolgt eine neue Abstimmung mit den Füßen. Auch ein "großes Fest des Glaubens", wie der Vorsitzende der Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch den Katholikentag in Mannheim im Frühjahr dieses Jahres nannte, kann kaum darüber hinwegtäuschen, dass der Grundwasserspiegel des Glaubens immer mehr sinkt.

In dieser Woche, wo die Bischöfe am Grab des Heiligen Bonifatius beteten und sich berieten, wurde kein einziger Gottesdienst von öffentlich-rechtlichen oder privaten Fernsehsendern übertragen, wenn man unser eigenes domradio.de-Engagement nicht miteinbezieht. Das alleine spricht Bände. Wissen Sie, wie viele Fußballspiele Sie in dieser gleichen Woche medial verfolgen konnten? Nur die Meldungen über das Urteil und die neue Regelung über Austritt und Kirchensteuer haben es aus Sicht der Katholischen Kirche in die großen Medien geschafft. Und was bleibt draußen beim interessierten Bürger hängen? - Kirche will ihre Kirchensteuer eintreiben, mehr meist leider nicht.

Dabei hatte die Katholische Kirche hier in Fulda viel zu sagen. Sie hat sich erneut auf den Weg gemacht. Das Bemühen der Bischöfe bei der Verkündigung des Glaubens war deutlich zu spüren. Fragen vom neuen Gotteslob über den Religionsunterricht bis zur Frage der Wiederverheirateten Geschiedenen wurden besprochen und auf den Weg gebracht. Man muss den Bischöfen auch zu Gute halten, dass sie nicht jedes Jahr wie Parteitage neue Beschlüsse fassen können. Aber ein wenig mehr Tempo wird man sich wohl wünschen dürfen. Wenn man bedenkt, wie schwer und dringlich zum Beispiel in den Gemeinden vor Ort die Frage der Wiederverheirateten Geschiedenen oder die konfessionsverschiedenen Ehen auf den Betroffenen lasten, dann fragt man sich, ob es ausreichend ist, dass diese Themen mittlerweile seit fast Jahrzehnten auf der kirchlichen Tagesordnung stehen. In einer Zeit, in der über das Internet Finanztransaktionen in Milliardenhöhe weltweit im Sekundentakt getätigt werden, sollten sich die Verantwortlichen zumindest bei pastoralen Lösungen ein wenig schneller bewegen. An der Basis vor Ort haben die pastoralen Mitarbeiter oft längst gangbare neue Wege gefunden - dass diese oft im Widerspruch zur offiziellen Linie stehen, macht die Sache aber nicht besser. Schadet gerade dies doch einem Unternehmen, das sich "Wahrheit" ganz groß auf die Fahnen schreibt.

Wenn selbst der 74 Jahre alte Vorsitzende Zollitsch in diesen Fragen eine gewisse "Ungeduld" öffentlich einräumt, bleibt aber am Ende die Hoffnung, dass er seinen meist jüngeren Mitbrüdern Beine macht und mit auf den Weg bringt. Dass sich selbst der 80-jährige Bonifatius nach erfolgreichem missionarischen Wirken noch einmal aufmachte, um die Herzen der heidnischen Friesen zu erobern, sollte den Bischöfen Mut machen. Den Märtyrertod braucht heute in Deutschland keiner mehr zu befürchten.

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