06.10.2011

Bischöfe für strikte Freiwilligkeit bei Organspende Zwang löst Ängste aus

Die Deutsche Bischofskonferenz hat für mehr Organspenden in Deutschland geworben. Die katholischen Bischöfe lehnen aber jeden Zwang ab. Voraussetzung müsse eine ausdrückliche Zustimmung des Spenders oder seiner Angehörigen sein, sagte der Vorsitzende der Unterkommission Bioethik der Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst, am Donnerstag in Fulda.

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof lehnte auch eine Pflicht der Bürger ab, sich zur Organspende zu äußern. Jeder Zwang löse Ängste aus, so Fürst. Zugleich sprachen sich die Bischöfe für eine verpflichtende Information der Bürger aus. Dazu sollte ein "System kompetenter Beratung" aufgebaut werden, etwa über die Krankenkassen.

Nach Meinung des Augsburger Weihbischofs Anton Losinger, Mitglied im Deutschen Ethikrat, sollte die Haltung zur Organspende auf der Gesundheitskarte eingetragen werden und jederzeit änderbar sein. Eine Eintragung auf dem Führerschein oder Personalausweis bezeichnete er als nicht ideal.

In der Debatte um eine Änderung des Transplantationsgesetzes forderte Fürst ein "Höchstmaß an Transparenz hinsichtlich der Freiwilligkeit" und ein "Höchstmaß an Offenheit" hinsichtlich der Frage des Todeszeitpunkts eines Menschen. Um den Hirntod als Todeszeitpunkt des Menschen gibt es eine Jahrzehnte dauernde Auseinandersetzung. Auch Losinger forderte eine neue transparente Debatte über den Hirntod. Damit werde sich vermutlich auch der Deutsche Ethikrat auf seiner nächsten Jahrestagung befassen. Bislang sehe die Bischofskonferenz aber keine Alternative zum Hirntod-Konzept.

Losinger forderte bessere organisatorische Bedingungen für Krankenhäuser, die sich in der Transplantationsmedizin engagieren. "Derzeit beteiligen sich weniger als die Hälfte der Kliniken an der Meldung potenzieller Organspender", kritisierte er. Gründe seien eine mangelhafte Kostenerstattung, Arbeitsüberlastung, mangelnde Ausbildung und Scheu, mit den Angehörigen über eine Organspende sprechen zu müssen. Der Augsburger Weihbischof sprach sich deshalb für die Einsetzung von Transplantationsbeauftragten in den Kliniken aus. Damit könne der Mangel an Organen vermutlich weitgehend behoben werden.

Gesetzesreform soll zum Jahreswechsel in Kraft treten
Der Vorsitzende der SPD im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, ist derweil zuversichtlich, dass eine breite Mehrheit quer durch alle Fraktionen für einen Gruppenantrag zur Reform des Organspenderechts zustande kommt. "Der Vorschlag lautet: Alle Bürger sollen sich mindestens einmal im Leben entscheiden müssen, ob sie Organspender sein wollen", sagte Steinmeier in Berlin. Diese Frage sollte jeder selbst und zu eigenen Lebzeiten beantworten, weil sonst Hinterbliebene in der Stunde großer Trauer entscheiden müssten.

Die von Steinmeier und Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) favorisierte Entscheidungslösung sieht vor, dass jeder Bürger sich mindestens einmal für oder gegen eine Organspende entscheidet. So erhoffen sich die Initiatoren eine erhöhte dokumentierte Spendebereitschaft zu erreichen. Möglich soll es aber auch sein, diese Entscheidung nicht zu treffen. Dann würde die jetzige Regelung weiter gelten, wonach die nächsten Angehörigen im Todesfall die Entscheidung treffen müssen.

Ende Oktober soll eine gesetzliche Formulierung stehen, die dann ins parlamentarische Verfahren geht. Ab 1. Januar könnte dann das neue Transplantationsrecht gelten.

Krankenkassen sollen Bürger befragen
"Wir müssen die Chance schaffen, dass in Deutschland mehr Organe gespendet werden", sagte Steinmeier. Ursprüngliche Überlegungen, etwa die Führerscheinstelle nach der Spendebereitschaft fragen zu lassen, seien vom Tisch. Dies sollten besser die Krankenkassen übernehmen, schlug Steinmeier vor. Die Antwort, ob Ja oder Nein, wird dann nach seinen Vorstellungen auf der Versichertenkarte, später der Gesundheitscard gespeichert.

Steinmeier hofft nach eigenen Worten, dass auch der bislang skeptische Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Ende den Gruppenantrag zur "Entscheidungslösung" unterstützen werde. "Bei so einem Thema ist es wichtig, über Fraktionsgrenzen hinweg eine breite parlamentarische Mehrheit zu versammeln." Deshalb sei ein Gruppenantrag der beste Weg, sagte Steinmeier.

Steinmeier, der seiner Frau eine Niere gespendet hat, besitzt selbst bereits seit den späten 70er Jahren einen Organspendeausweis: "Mich hat das schon immer überzeugt, weil es Leben retten kann."

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