Screenshot: Kondolenz Ratzinger
Screenshot: Kondolenz Ratzinger

08.07.2020

Zeitungs-Nachrufe auf Georg Ratzinger "Papstbruder und Familienmensch"

Zahlreiche Zeitungen publizierten in der vergangenen Woche Nachrufe auf Georg Ratzinger. Seine Leistung als langjähriger Leiter der Regensburger Domspatzen wurde dabei eher am Rande gewürdigt. Öfter noch ging es um das Verhältnis zu seinem Bruder.

"Seine größte Enttäuschung erlebte er am Abend des 19. April 2005, als in Rom der neue Papst erkoren wurde", schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Georg Ratzinger, damals 81, habe in seiner Wohnung in Regensburg vor dem Fernseher gesessen. Schlimmes habe er geahnt, als weißer Rauch aufstieg und der Ruf 'Habemus Papam!' ertönte. "Tatsächlich: Der neue Papst war sein kleiner Bruder Joseph, und Georg wurde auf einen Schlag klar, dass soeben ein Traum zerstört worden war: der Traum der beiden Brüder, ihren Lebensabend gemeinsam in Josephs Haus außerhalb von Regensburg zu verbringen", erinnert die Schweizer Tageszeitung.

"Wer Georg Ratzinger kannte, wird es als eine besonders hinterhältige Volte des von ihm so verabscheuten Zeitgeists empfinden, dass er in den letzten Jahren nur noch als Papstbruder wahrgenommen wurde", heißt es in der Süddeutschen Zeitung. Plötzlich habe er Interviews für Zeitungen geben müssen, die zuvor nie von ihm Notiz genommen hatten. "Wo in der Politik sogenannte First Ladys herhalten müssen, um die weiche Seite eines Staatsmannes zu erschließen, konzentrierte sich das öffentliche Interesse an der Privatheit des Papstes auf ihn, den Papstbruder", so das Blatt. In diese Aufgabe habe sich Georg Ratzinger gefügt, ja er habe sie als Gottes Auftrag angesehen. "Wo irgendetwas, was mit dem Papst zu tun hatte, enthüllt, eröffnet, eingeweiht oder aufgestellt wurde, ließ er sich hinchauffieren. Wenn es gewünscht war, steuerte er eine Anekdote bei." Im grellen Scheinwerferlicht habe Georg Ratzinger blinzeln müssen - seine Augen hatten nachgelassen. "Durch das Blinzeln wirkte er etwas verletzlich. Aber das war er nicht. Gottvertrauen und 55 Jahre Priesterdienst hatten ihn souverän gemacht", resümiert die Tageszeitung.

An den letzten Besuch seines Bruders erinnert die Zeitung Die Welt. Zwar gebe es keine Aufzeichnung und kein Protokoll der letzten Begegnung der beiden, man müsse sie sich aber als "ganz und gar innig und existenziell" vorstellen. "Beide waren fast blind, beide waren kaum noch zu verstehen, beide fast gehörlos, beide höchst gebrechlich und hilflos. Seine Augen waren schon vor über zehn Jahren so schlecht geworden, dass er fast nur noch ahnte, wie sein Gegenüber aussah. Und wenn er lächelte, war es mir, als lächele er nach innen." Doch beide seien seit jeher im Wortsinn auch ein Herz und eine Seele gewesen, "und dies umso mehr, seit ihre ältere Schwester Maria schon im Jahr
1991 gestorben ist, an der beide sehr hingen", so der Kommentator

"Und auch das Verhältnis zu seinem Bruder blieb von den Vorwürfen gegen Georg unberührt", schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung in Anspielung auf den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen. Eng und herzlich seien die beiden Brüder einander verbunden gewesen. Auch als Josef als Kardinal nach Rom ging, schließlich Papst wurde, hätten sich beide immer wieder besucht und gemeinsam ihren Urlaub verbracht, besonders nach dem Tod der gemeinsamen Schwester Maria 1991. "Wir wussten, dass wir von nun an nur noch uns beide hatten, unsere Familie war wieder um eines ihrer Mitglieder ärmer geworden", zitiert das Blatt den Verstorbenen.

(KNA)

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