Georg Ratzinger
Georg Ratzinger
Joseph (l.) und Georg Ratzinger im Jahr 2002
Joseph (l.) und Georg Ratzinger im Jahr 2002
Über 30 Jahre Leiter der Regesburger Domspatzen
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Leidenschaftlicher Kirchenmusiker: Georg Ratzinger
Leidenschaftlicher Kirchenmusiker: Georg Ratzinger

01.07.2020

Papst-Bruder Georg Ratzinger gestorben "Ich hoffe auf einen gnädigen Gott"

Georg Ratzinger ist tot. Der Kirchenmusiker und ältere Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. starb am Mittwoch in Regensburg, wie die Katholische Nachrichten-Agentur vom Bistum Regensburg erfuhr. Georg Ratzinger wurde 96 Jahre alt.

Der am 15. Januar 1924 in Pleiskirchen bei Altötting geborene Georg war das zweite Kind des Gendarmen Joseph und seiner Frau Maria. Seine Schwester Maria war drei Jahre zuvor zur Welt gekommen. Wie sein 1927 geborener Bruder Joseph studierte er nach dem Zweiten Weltkrieg in Freising Theologie und wurde gemeinsam mit ihm im Jahr 1951 zum Priester geweiht. Während Joseph sich der Theologie zuwandte, entschied sich Georg für ein Studium der Kirchenmusik an der Musikhochschule München, das er 1957 abschloss.

Als Domkapellmeister bestritt er mit den Domspatzen zwischen 1964 und 1994 mehr als 1.000 Konzerte im In- und Ausland und festigte den internationalen Ruf des Chores. Hin und wieder ließ Ratzinger eigene Kompositionen erklingen. Im Heiligen Jahr 2000 wurde die Missa "L'anno santo" im Regensburger Dom uraufgeführt. An seine Selbstdisziplin erinnern sich frühere Schützlinge noch heute. Legendär sind auch seine Wutausbrüche. Wenn die erwartete Gesangsqualität nicht stimmte, ging schon mal ein Stuhl zu Bruch.

Kritik an seiner Domspatzen-Zeit

Im Zusammenhang mit der Aufklärungsarbeit über Missbrauch und Gewalt bei der Erziehung der Domspatzen bescheinigte der Abschlussbericht von 2017 den Verantwortlichen, dass das ganze System früher auf den Erfolg des Chores ausgelegt gewesen sei. Mit einem "Dreiklang aus Gewalt, Angst und Hilflosigkeit" sollte der Wille der Schüler gebrochen und ihnen Persönlichkeit und Individualität genommen werden, heißt es. Ratzinger müsse sich vor allem vorwerfen lassen, dass er weggeschaut habe und trotz Kenntnis von Gewaltvorfällen nicht eingeschritten sei, erklärte Sonderermittler Ulrich Weber.

Schon 2010 hatte Ratzinger allerdings in einem Interview zugegeben, selbst bis Ende der 1970er Jahre in den Chorproben wiederholt Ohrfeigen bei Verfehlungen oder Leistungsverweigerung erteilt zu haben. Eigentlich habe er dabei immer ein schlechtes Gewissen gehabt. "Ich war dann froh, als 1980 körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurden." An diese Maßgabe habe er sich "striktissime" gehalten.

Papst-Bruder

Mit der Wahl seines jüngeren Bruders zum Papst begann 2005 für Georg die ungeplante zweite Karriere. Als engster Verwandter des Kirchenoberhaupts wollte alle Welt von ihm wissen, wie Benedikt XVI. denn so tickt, beruflich und privat. Einige Anekdoten konnte er beisteuern; kirchenpolitische Kommentare ließ er sich fast nie entlocken. Die letzten Jahre seines Lebens war Georg Ratzinger stark von Alter und Krankheit geprägt. Aufgrund eines Augenleidens konnte er nur noch mit Sonnenbrille in die Öffentlichkeit.

Überraschender Abschiedsbesuch

Sein Bruder Joseph Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., war am 18. Juni überraschend für fünf Tage aus Rom zu seinem Bruder nach Regensburg gereist, nachdem sich dessen Gesundheitszustand zuvor verschlechtert hatte. Während seines Aufenthalts waren die Geschwister täglich für einige Stunden beisammen. Ursprünglich hatten sie gemeinsam ihren Lebensabend in Regensburg verbringen wollen, wo sich auch das Familiengrab befindet. Auf dem Ziegetsdorfer Friedhof sind die Eltern der Brüder und ihre Schwester Maria begraben.

In Regensburg ist Georg Ratzinger am Mittwoch im Alter von 96 Jahren verstorben. Der Gedanke, an der Schwelle zur ewigen Heimat zu stehen, beschäftigte ihn schon länger. Er hoffte auf einen gnädigen Gott. 

Regensburger Bischof trauert um Georg Ratzinger

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat mit sehr persönlichen Worten Abschied von Papst-Bruder Georg Ratzinger genommen, die das Bistum am Mittwoch auf seiner Internetseite veröffentlichte: "Lieber Domkapellmeister, Sie waren mir ein priesterlicher Mitbruder und Ratgeber. Ihre Musik war Gebetsschule, Glaubensunterweisung und Predigt. Unzählige Eucharistiefeiern im Regensburger Dom und in anderen Kirchen verdanken ihrem Dirigat Schönheit, Herzenswärme und Erhabenheit. Konzertsäle konnten Sie in Gebetshäuser verwandeln."

Für diesen besonderen priesterlichen Dienst danke er ihm "in tiefer Verbundenheit - auch im Namen der Vielen, deren Herzen und Sinne Sie erfüllten", schreibt der Bischof. Voderholzer hatte zuletzt den Besuch des emeritierten Papstes Benedikt XVI. bei dessen schwerkrankem Bruder vom 18. bis 22. Juni begleitet. Neunmal hatten die beiden Brüder in diesen fünf Tagen mit "wenigen Worten, mit den vertrauten Gesten und vor allem im Gebet zusammengefunden", bilanzierte der Bischof.

Auf der Seite des Bistums wurde ein digitales Kondolenzbuch eingerichtet.

Georg Ratzinger wird nicht im Familiengrab beerdigt

Der verstorbene Papst-Bruder und langjährige frühere Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger findet seine letzte Ruhe nicht im Grab seiner Familie. Er wird im Stiftungsgrab der Domspatzen auf dem unteren Katholischen Friedhof in Regensburg begraben, wie das Management des Knabenchors mitteilte.

Auf dem Friedhof im Stadtteil Ziegetsdorf liegen Georg Ratzingers Eltern sowie seine ältere Schwester Maria begraben. Allerdings finden dort nach Auskunft des zuständigen Pfarramts Sankt Josef schon seit 15 Jahren keine Erdbestattungen mehr statt. Der lehmhaltige Boden mache Probleme, das Grundwasser fließe nicht mehr ab, erläuterte eine Mitarbeiterin auf Anfrage. Auf dem Friedhof seien daher nur noch Urnenbeisetzungen möglich.

Auf dem unteren Katholischen Friedhof in Regensburg unweit des Hauptbahnhofs haben die Domspatzen eine eigene Grabstätte.

(KNA, DR)

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