Was im Netz über das Treffen der Ratzinger-Brüder geäußert wird

Ein privater Besuch wird öffentlich diskutiert

Am Donnerstag kam der emeritierte Papst Benedikt XVI. überraschend nach Regensburg, um seinen kranken Bruder Georg Ratzinger zu sehen. Ein reiner Privatbesuch - doch öffentlich kommentiert in den sozialen Netzwerken.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (l) und sein Bruder Georg Ratzinger im Jahr 2017 / © Lena Klimkeit (dpa)
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (l) und sein Bruder Georg Ratzinger im Jahr 2017 / © Lena Klimkeit ( dpa )

Wenn ein gebrechlicher Mann aus Rom ans Krankenbett seines älteren Bruders nach Regensburg eilt, so ist das erst einmal eine geschwisterliche Geste. Der Besuch ist denn auch als "rein privat" deklariert. Wenn es sich aber um den emeritierten Papst Benedikt XVI. (93) und den früheren Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger (96) handelt, ist das leichter gesagt als getan.

Wehmütiger Anlass

Dass Benedikt 14 Jahre nach seinem päpstlichen Bayern-Besuch erstmals wieder in seiner Heimat ist, kommt einer Sensation gleich, auch wenn der Anlass ein wehmütiger ist. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hieß Benedikt offiziell willkommen, das Bistum Regensburg bestätigte die Visite und bat zugleich um Achtung vor der Privatsphäre des prominenten Priesterbrüderpaares.

Doch das Interesse ist groß - und so ließ das Bistum dann doch über Twitter häppchenweise ein paar Informationen verlauten. So habe Benedikt noch am Ankunftstag mit seinem Bruder in dessen Haus in der Innenstadt Messe gefeiert und sich dann "erschöpft von der Reise" ins Priesterseminar zurückgezogen, wo er derzeit wohne.

Am Abend sei Benedikt nochmals bei Georg gewesen, genauso wie am nächsten Tag, um ein Hochamt zum Herz-Jesu-Fest zu feiern. Verraten wurde auch, was das Kirchenoberhaupt im Ruhestand, das sonst mit der italienischen Küche vorliebnehmen muss, gerne isst: Brez'n zum Frühstück und Apfelstrudel zu Mittag.

Unterschiedliche Reaktionen...

Es menschelt also ganz gewaltig. Das bestätigen auch die zahlreichen Reaktionen auf Twitter. So hofft ein @MMArmbruster, dass der Heilige Vater die Reisestrapazen gut überstanden habe, und wünscht dem schwerkranken Bruder alles erdenklich Gute. Er verspricht, für die beiden zu beten.

Anders sieht dies "König Albert I.". Er erinnert daran, dass gerade erst in Regensburg ein Mann auf offener Straße erschossen worden sei, "und als wäre das noch nicht schlimm genug, ist jetzt auch noch Papst Benedikt in der Stadt". Ein an @faz.net gerichteter Post macht aus seiner Ablehnung gegenüber dem früheren Kirchenoberhaupt keinen Hehl. Er fordert ihn auf, seine letzten Jahre in Deutschland zu verbringen und "ordentlich mit der Wahrheit" rauszurücken, wie es mit seinem Rücktritt 2013 wirklich gewesen sei.

Ganz anders klingen viele Wortmeldungen mit Blick auf den kranken Georg Ratzinger. So schreibt etwa ein Leser von katholisch.de: "Möge die allerseligste Jungfrau den Domkapellmeister em. auf seinem letzten Weg segnend begleiten." Mit Blick auf Benedikt bedauert er, man hätte ihm für seine Rückkehr in die Heimat "schönere Umstände" gewünscht.

...in den Sozialen Medien und im Internet

Im Internetforum des Bayerischen Rundfunks (BR) regt sich ein "SchorschHh" auf, dass man in der Presse nichts von einem stillen Gebet lese. Es seien "wahre Meister in Sachen Selbstdarstellung" unterwegs. "HerrKarl" findet, die hochbetagten Brüder sollten in Ruhe gelassen werden: "Der hier stattfindende Voyeurismus ist abstoßend."

Auch "einfach_ned_so_deppad" schreibt, dass es allein die Angelegenheit der Brüder sei, was sie in dieser Situation tun. "Volker_B" dagegen widerspricht energisch: "Sie haben ihr Leben der Öffentlichkeit gewidmet ... und damit auch alle ihre Fehler, die sie begangen haben. Und diese Öffentlichkeit wird sie bis in den Tod begleiten." Dann gibt es jene, die dem einstigen Leiter der Domspatzen eine gute Sterbestunde wünschen. Und mehrfach findet sich auch der Appell, den beiden die Möglichkeit zu geben, in Ruhe voneinander Abschied zu nehmen.

In manchem regt sich auch "die Sehnsucht nach der guten, alten Zeit, als die Päpste noch genuin katholisch waren", wie "Smaragdos" im kath.net-Forum schreibt: "Vergelt's Gott, lieber Papst Benedikt! Ihr Besuch ist Labsal auf unsere Wunden und eine große Gnade für Deutschland, die so schnell nicht wiederkehren wird."

Diana Wenzel meint derweil auf der BR-Facebookseite: "Mei, ein alter Mann besucht seinen sterbenden Bruder. Wenn ich irgendwann über 90 bin und mein Bruder seinen letzten Weg antritt, werde ich ihn auch besuchen." Das aber, so schätzt sie, werde dann wohl niemandem eine Meldung wert sein.

Autor/in:
Barbara Just
Quelle:
KNA