Joseph (l.) und Georg Ratzinger im Jahr 2002
Joseph (l.) und Georg Ratzinger im Jahr 2002

19.06.2020

Ein Blick auf die Ratzinger-Brüder "Dieses enge Band ist nie gerissen“

Seit Donnerstag ist der 93-jährige Papst em. Benedikt XVI. bei seinem schwerkranken Bruder in Regensburg. Die Reise ist eine große Belastung für Joseph Ratzinger. Dahinter steckt ein inniges Brüderverhältnis. 

DOMRADIO.DE: Sie sind als Rom-Korrespondentin der ARD nah am Vatikan dran. Hat Sie die Reise des emeritierten Papstes überrascht?

Ellen Trapp (ARD-Studio Rom): Ich war schon sehr verwundert, weil es ja tatsächlich bei der letzten Deutschlandreise 2011, als Papst Benedikt noch im Amt war, die klare Botschaft seinerseits gab: Das ist mein einziger Besuch in Bayern und wahrscheinlich auch der letzte in Deutschland. Die Tatsache, dass er dann nach Regensburg reist, um seinen Bruder zu besuchen, hat mich schon nachdenklich gestimmt und auch besorgt. Das bedeutet, dass es dem Bruder des emeritierten Papstes tatsächlich sehr schlecht gehen muss.

DOMRADIO.DE: Menschlich ist das ja auch vollkommen verständlich. Aber trotzdem ist es ein Riesenaufwand, wenn nicht nur ein 93-jähriger Mann verreist, sondern der erste emeritierte Papst in Jahrhunderten.

Trapp: In der Tat. Als wir im Herbst mit Georg Ratzinger gesprochen haben, hat er erzählt, er macht sich immer auf die Reise und besucht seinen Bruder in Rom. Und für seinen Bruder, der ja eigentlich jünger ist, sei die Reise wahrscheinlich zu beschwerlich, und er wolle nicht mehr nach Bayern kommen. Und die Tatsache, dass jetzt Joseph Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt, doch noch mal nach Regensburg reist, zeigt a) wie innig das Verhältnis der beiden Brüder ist und b) auch, wie schlecht es ihm gehen muss.

DOMRADIO.DE: Sie haben es gerade angesprochen. Sie haben im Herbst eine Reportage über das Leben des emeritierten Papstes gedreht und auch deswegen sich in Rom mit dem Bruder Georg unterhalten. 

Trapp: Eigentlich muss man tatsächlich immer die drei Geschwister anschauen. Menschen, die den Ratzingers nahe stehen, sagen: Die Schwester hatte immer das Sagen, und die beiden Brüder waren mit ihrer Schwester sehr, sehr eng. Und nun ist die Schwester Maria vor vielen Jahren verstorben, und es gab nur noch Joseph und Georg.

Nach allem, was wir auch im Gespräch mit Georg im Herbst erfahren haben, sind die beiden wahnsinnig eng. Wenn er ihn besucht, in Rom, so erzählte man, gibt es jeden Abend Musik. Joseph bat seinen Bruder Georg, und wir dürfen nicht vergessen, beide Männer sind ja schon über 90 Jahre alt, Musik zu machen, Das war ein emotionaler Moment. Georg würde oft sagen "Muss das wirklich?". Das spricht natürlich dafür, wie das Verhältnis war, und es hieß damals auch, dass die beiden täglich telefonieren. Ich erinnere mich, wie zart die Stimme, wie leise, wie schwach, die Stimme von Joseph Ratzinger im Herbst gewesen ist  - und tatsächlich ja auch, wie gesundheitlich angeschlagen auch Joseph schon war.

Das spricht denn auch Bände, wenn sie dennoch trotz dieser Beschwerlichkeit trotzdem aneinander so festhalten. Das heißt, das Verhältnis der beiden Brüder über all die Jahre ist immer sehr innig und sehr, sehr intensiv gewesen. Sie hatten nur noch sich aus dieser Familie, nachdem Maria gestorben ist. Und dieser Kontakt, dieses enge Band ist nie gerissen.

DOMRADIO.DE: Wie haben Sie Georg Ratzinger im Herbst persönlich erlebt? Er sieht ja auch kaum noch, ist immer nur mit einer dunklen Sonnenbrille zu sehen.

Trapp: Das Laufen war sehr beschwerlich für ihn. Er begegnete uns mit Brille, weil er tatsächlich ein Problem mit den Augen hat. Aber er war sehr wach. Er war sehr klar. Er hat auch, so hatte ich das Gefühl, große Freude noch einmal selbst zu reflektieren. Wie die Kindheit der beiden war, die Familie, das Leben in Bayern, am Chiemsee, im Chiemgau. Und von daher war er sehr offen und hat uns damals ja auch zu unserer Verwunderung gleich zugesagt, dass er dieses Interview mit uns führen würde. Das hat schon große Freude gemacht, noch einmal Bilanz zu ziehen vonseiten eines Mannes, der damals 95 Jahre alt war und der zurückblickt auf seine Kindheit, sein Leben mit einem Bruder, der später Papst geworden ist.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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