Archivbild: Papst em. Benedikt XVI. und Papst Franziskus (r.)
Papst em. Benedikt XVI. und Papst Franziskus (r.)

04.05.2020

Peter Seewald legt neue Biografie von Benedikt XVI. vor 1.184 Seiten über den früheren Papst

Vier Interview-Bücher mit Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. hat Peter Seewald veröffentlicht, alle wurden Bestseller. Nun erscheint die lang erwartete Biografie des früheren Papstes. Lohnt sich die Lektüre denn auch?

Den richtigen Zeitpunkt für die Veröffentlichung einer Papst-Biografie zu finden, ist nicht leicht. Groß ist die Gefahr, dass der Glanz des Nachfolgers den Ruhm des Vorgängers überstrahlt und das, was dieser geleistet hat, nur noch mäßig interessant erscheint.

Die Biografie wird dann eher nicht zum Kassenschlager. Ob es Peter Seewald mit seinem 1.184-Seiten-Buch "Benedikt XVI. - Ein Leben" so ergehen wird, ist schwer vorherzusagen.

Drei Pontifikate geprägt

Seine Hauptfigur, der 1927 geborene Joseph Ratzinger, hat drei Pontifikate geprägt: Das von Johannes Paul II. (1978-2005), dessen theologischen Kurs er als "Chef-Dogmatiker" entscheidend mitbestimmte. Dann sein eigenes, kirchenpolitisch eher glückloses als Benedikt XVI. (2005-2013). Und schließlich auch das von Papst Franziskus, den er nun fast schon ebenso lang, wie er aktiv Papst war, als emeritierter Papst begleitet und sich dabei selten, aber stets Kontroversen auslösend, zu Wort meldet.

Eine Biografie über diesen Mann zu schreiben, der seinen Verehrern als größter lebender Theologe und seinen Kritikern als eine Art "Lord Voldemort" des konservativen Kirchenflügels gilt, war eine Herkules-Aufgabe. Das liegt allein schon an der schieren Lebenszeit, die der hochbetagte Protagonist (93) umspannt und an den unterschiedlichen Rollen, die er eingenommen hat.

Denn zu den Wesenszügen Ratzingers/Benedikts zählt eine Neigung, eher weiterzuwandern als auf verlorenem Posten auszuharren. Das beginnt im April 1945, als der an der Hand leicht verletzte Flakhelfer Ratzinger desertiert. Seewald analysiert: "Josephs Desertion ist keine Flucht oder ein Zurückweichen aus Angst, sondern eine Entscheidung aus Einsicht. Er entzieht sich aus rationalen Erwägungen einer Situation, die er selbst nicht mehr aktiv gestalten kann. Er hat gewissermaßen das Seine getan, mehr ist nicht zu machen."

Diese Sätze passen auf jede weitere Station im Leben Ratzingers, die er aufgibt. Das gilt 1969 für seinen Wechsel als Professor von der revolutionär-chaotischen Universität Tübingen an die junge, stabile Universität Regensburg.

Rücktritt vom Papstamt

Oder für den Reformprozess der "Würzburger Synode", den er 1974 wortlos verlässt, als er einsieht, dass er ihn nicht in seinem Sinne beeinflussen kann. Und auch für den überraschenden Schritt, mit dem er sich für alle Zeiten einen Platz in der Kirchengeschichte gesichert hat: Den Rücktritt vom Papstamt und den Eintritt in das von ihm neu erfundene Amt eines emeritierten Papstes.

Seewald beschreibt die Wegscheiden im Leben des 93-Jährigen mit Empathie, meist nimmt er ihn gegen Kritik in Schutz. Wirklich neue Erkenntnisse vermittelt er immer dann, wenn er aus persönlichen Gesprächen mit dem Alt-Papst (oder mit dessen Sekretär) schöpft.

Ein solches allerletztes, überwiegend schriftlich geführtes Interview im Herbst 2018 bildet denn auch das Schlusskapitel des Buches. In ihm legt Benedikt XVI. mit alten und neuen Argumenten dar, warum er sich 2012 zum Rücktritt entschloss und wie er das geistliche Amt des "Papa emeritus" versteht und ausübt. Mit einer Portion Bitterkeit weist er darin auch die scharfe Kritik an seinen öffentlichen Einlassungen zurück.

Zu den stärksten Kapiteln des Buchs mit 1.150 Seiten Text sowie einem ausführlichen Bildteil zählt die Schilderung der Missbrauchskrise und anderer Skandale in der Spätphase des Benedikt-Pontifikats, die dann in die Entscheidung zum Rücktritt münden - ohne diesen Schritt jedoch ausgelöst zu haben, wie Seewald und sein Protagonist versichern. Die Schilderung der minutiösen Vorbereitung des welterschütternden Ereignisses ist spannend zu lesen. Nun weiß man, wer wann informiert war und wie es gelang, den sensationellen Plan über Monate geheim zu halten.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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