Papst em. Benedikt XVI. am Schreibtisch
Papst em. Benedikt XVI. am Schreibtisch

15.01.2020

Was Benedikt XVI. über Priestertum und Zölibat schrieb Grundsatz-Überlegungen ohne Bezugnahme auf aktuelle Debatte

Auch im Vatikan wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird: Ein Buchbeitrag von Benedikt XVI., vorab als Affront gegen Papst Franziskus gewertet, erweist sich als historische Betrachtung ohne echte Spitzen.

Der vieldiskutierte Text von Benedikt XVI. zu Priestertum und Zölibat ist auf Deutsch publiziert worden. Die in Würzburg erscheinende und vom ehemaligen Papst geförderte Wochenzeitung "Die Tagespost" veröffentlichte den Text am Mittwoch vorab.

Er soll demnächst in mehreren Sprachen in dem Buch "Aus der Tiefe des Herzens" erscheinen. Das Buch wird von Kurienkardinal Robert Sarah herausgegeben, der zunächst Benedikt XVI. als Mitautor genannt und damit Verwirrung ausgelöst hatte.

Kein Bezug zur Amazonas-Synode

In dem Aufsatz entwickelt der ehemalige Papst die priesterliche Ehelosigkeit aus dem alttestamentlichen Priestertum heraus, räumt aber auch Begründungsprobleme in der Gegenwart ein. Auf eine mögliche Weihezulassung für verheiratete Männer, wie sie im Oktober auf der Amazonas-Synode im Vatikan diskutiert wurde, geht der Text nicht ein. Er trägt das Datum vom 17. September 2019.

Der Beitrag mit dem Titel "Das katholische Priestertum" erscheint im Februar auch in Deutschland im Fe-Medienverlag in Kißlegg. Da die Aussagen Benedikts XVI. zum Zölibat vielfach als Affront gegen Papst Franziskus gedeutet wurden, hatten sie eine Debatte um das Verhältnis des früheren Papstes zu seinem Nachfolger ausgelöst.

Benedikt XVI. beschreibt in dem Aufsatz das christliche Priesteramt als Neudeutung, bei der in der Figur Jesu als Hoherpriester "die prophetische Kultkritik und die von Mose ausgehende kultische Tradition sich verschmelzen". Die Verhältnisbestimmung zum alttestamentlichen Priesteramt sei allerdings nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) "auch für die katholische Kirche unausweichlich geworden". Das Ämterverständnis sei "mit einer ungeheuren Dringlichkeit auf uns hereingestürzt" und "bis heute zur anhaltenden Krise des Priestertums in der Kirche geworden".

Zur Begründung des Zölibats verweist Benedikt XVI. unter anderem auf den "Zusammenhang von sexueller Enthaltung und Gottesdienst"; dieser sei "im allgemeinen Bewusstsein Israels durchaus klar" gewesen. Auch bei heutigen katholischen Priestern stehe das ganze Leben "in der Berührung mit dem göttlichen Geheimnis" und verlange so "eine Ausschließlichkeit für Gott, die eine andere, das ganze Leben umgreifende Bindung wie die Ehe neben sich ausschließt".

Ausnahmeregelungen kein Gegenstand des Beitrags

Dabei wendet sich Benedikt XVI. ausdrücklich gegen eine "negative Einschätzung des Leibes und der Sexualität"; allerdings beanspruchten der Priesterdienst und die Ehe den Menschen jeweils so, dass "beide Berufungen zugleich nicht realisierbar erschienen".

Weiter deutet er den Verzicht auf Ehe und Familie analog zum Verzicht des israelitischen Priesterstammes Levi auf Landbesitz: "In diesem Sinn hat die Kirche das Wort Klerus (Erbengemeinschaft) gedeutet. In den Klerus eintreten heißt: Auf ein eigenes Lebenszentrum zu verzichten und Gott allein als Träger und Garant seines Lebens anzunehmen." Der Zölibat ist aus Sicht Benedikts XVI. ferner Ausdruck eines vorbehaltlosen Dienstes und "wahrer Freiheit".

Bei seinen Ausführungen bezieht sich Benedikt XVI. unter anderem auf seine Bücher "Der Geist der Liturgie" und "Jesus von Nazareth". Auch reflektiert er Erfahrungen seiner eigenen Priesterweihe im Jahr 1951.

Ausnahmeregelungen für verheiratete Priester, wie sie Benedikt XVI. selbst während seiner Amtszeit als Papst für katholisch gewordene, ehemals anglikanische Geistliche verfügte, sind nicht Gegenstand des Beitrags.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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