Benedikt XVI. trägt auch nach seinem Rücktritt weiß
Der emeritierte Papst Benedikt XVI.
Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

13.01.2020

Eine Einschätzung der Benedikt-Äußerungen zum Zölibat "Er wird von seinem Umfeld vorgeschoben"

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. pocht auf den Zölibat - zu einem politisch heiklen Zeitpunkt. Benedikt werde von seinem Umfeld vorgeschoben, kritisiert DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen. Dieser Missbrauch müsse verhindert werden.

DOMRADIO.DE: Was genau hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. denn zum Thema Zölibat gesagt?

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur DOMRADIO.DE): Genau das, was alle Päpste der Neuzeit immer wieder wiederholen. Dass der Zölibat, also die Ehelosigkeit für die Priester, völlig unverzichtbar ist und zum Bestandteil der katholischen Kirche gehört. Es geht um einen Zeitungsbericht der französischen Tageszeitung "Le Figaro", in dem aus einem Buch zitiert wird. Dieses Buch wird Papst Benedikt XVI. zusammen mit Kurienkardinal Robert Sarah am Mittwoch herausgeben. Es trägt den Titel "Aus der Tiefe unseres Herzens" und hat ein Vorwort, in dem der Kurienkardinal und der Papst emeritus sagen, sie können nicht länger schweigen.

Sie beziehen sich auf ein altes Zitat des Augustinus von Hippo und sagen, sie müssen sich zu Wort melden. Wenn die beiden hier noch einmal ganz klar sagen: "Der Zölibat ist unverzichtbar, er gehört zum Bestandteil der katholischen Kirche", dann klingt das in der aktuellen Situation natürlich ein bisschen so, als wollten sie den amtierenden Papst auf dem richtigen Weg behalten.

DOMRADIO.DE: Ist es denn nicht sehr ungewöhnlich, dass der emeritierte Papst dem amtierenden Papst klare Handlungsanweisungen gibt?

Brüggenjürgen: In der Tat. Ungewöhnlich ist alles an dieser Lage. Denn wir haben ja mit diesen zwei Päpsten eine Situation, die es so vorher nicht gab. Es gibt dafür keine entsprechenden Regelungen. Wir erinnern uns aber daran: Als Papst Benedikt 2013 seinen Rücktritt angekündigt hat, hat er unmittelbar danach gesagt, er möchte fortan seiner Kirche im Verborgenen, schweigend und im Gebet dienen.

Damals ging man davon aus, dass man nur noch sehr wenig von ihm sehen und hören würde. Das war offensichtlich eine krasse Fehleinschätzung. Denn es sind natürlich immer wieder Äußerungen bekannt geworden. Er schreibt Bücher, er gibt Interviews, er meldet sich zu Wort - letztmalig im vergangenen Jahr mit einer viel beachteten Äußerung zu den 1968ern, die Papst emeritus Benedikt XVI. als eigentliche Ursache für den sexuellen Missbrauch sieht. Das ist natürlich spannend.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das denn jetzt für Papst Franziskus?

Brüggenjürgen: Erstmal halten wir fest: Papst Franziskus hat nirgendwo gefordert, dass der Zölibat aufzuheben sei. Aber der Zeitpunkt ist eben das ganz Entscheidende: Wir müssen die Äußerungen im Kontext der Amazonas-Synode des vergangenen Jahres sehen. Da lagen die Voten auf dem Tisch.

In Sachen Zölibat gab es ein mehrheitliche Votum, was dem jetzigen Papst ans Herz legt, eventuell in konkreten Ausnahmesituationen - wenn nämlich in einzelnen Gemeinden oft monatelang keine Eucharistie gefeiert wird - zu überlegen, ob man in dieser konkreten Situation den Zölibat eventuell aufweichen kann und bewährte Männer - Viri probati und Diakone - die Gottesdienste übernehmen könnten. Benedikt äußert sich jetzt, bevor Papst Franziskus die Amazonas-Synode selber in Worte fasst. Deshalb ist dieser Zeitpunkt so entscheidend. Insofern hat das Ganze schon eine gewisse Brisanz.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das alles denn für Papst Benedikt selbst?

Brüggenjürgen: Eigentlich möchte man sagen: "Hättest du doch geschwiegen, wärst du ein weiser Philosoph geblieben." Wir kennen Papst Benedikt als ganz großen Theologen, als Ausnahmeerscheinung, als Papst, der den Mut, die Kraft und die intellektuelle Fähigkeit hatte, seinen Rücktritt zu erklären. Das ist, glaube ich, bis heute das Entscheidende.

Ich denke, er wird von seinem Umfeld vorgeschoben, vielleicht auch in gewisser Weise missbraucht? Ich glaube, ihm fehlt ein schützendes Umfeld. Vielleicht haben auch diejenigen, die nicht mehr überall mitentscheiden können, mit Papst Benedikt einen Fürsprecher verloren und wollen sich jetzt noch mal wieder nach vorne spielen. Dieser Missbrauch müsste eigentlich verhindert werden.

Das Interview führte Michelle Olion.

(DR)

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