Benedikt XVI. gegen Abschaffung des Zölibats

Warnung aus dem Ruhestand

Benedikt XVI. spricht sich gegen eine Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester aus. "Ich kann nicht still bleiben", schreibt er zu der Frage in einem Buch, aus dem die französische Zeitung "Le Figaro" vorab Auszüge veröffentlichte.

Autor/in:
Joachim Heinz
Papst em. Benedikt XVI. (Archiv) / © Osservatore Romano/Romano Siciliani (KNA)
Papst em. Benedikt XVI. (Archiv) / © Osservatore Romano/Romano Siciliani ( KNA )

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat mit Äußerungen zum Zölibat für Aufsehen gesorgt. Zusammen mit dem westafrikanischen Kurienkardinal Robert Sarah hat er in dem 175 Seiten umfassenden Buch "Des profondeurs de nos coeurs" ("Aus den Tiefen unserer Herzen") die verpflichtende Ehelosigkeit für römisch-katholische Priester vehement verteidigt.

Diese Vorschrift war zuletzt bei der Amazonas-Synode im Vatikan von mehreren Bischöfen in Frage gestellt worden. Das im Verlag Fayard erscheinende Buch, aus dem die französische Tageszeitung "Le Figaro" am Montag Auszüge veröffentlichte, kommt am Mittwoch in den Handel.

Darin sprechen sich sowohl Benedikt XVI. wie auch der aus dem afrikanischen Guinea stammende Kardinal Sarah gegen eine Aufhebung des Zölibats aus. Regionale Ausnahmen vom Zölibat lehnen sie ab. Auch einer Weihe von Frauen erteilen sie eine Absage.

Ein Handeln "aus Liebe zur Einheit der Kirche"

In ihrem gemeinsam verfassten Vorwort betonen die Autoren, sie handelten "aus Liebe zur Einheit der Kirche". Angesichts der jüngsten Debatten über Reformen und den Zustand der Kirche zitieren sie den Kirchenvater Augustinus (354-430): "Ich kann nicht schweigen." Anschließend legen beide in zwei je eigenen Beiträgen ihre Ansichten dar, bevor sie die Ausführungen mit einem gemeinsamen Schlusswort beenden.

Insbesondere die Einlassungen von Benedikt XVI. sind auch deswegen bedeutsam, weil er 2013 bei seinem Rücktritt angekündigt hatte, künftig "für die Welt verborgen" zu bleiben. Seither hat er sich dennoch mitunter öffentlich zu theologischen Fragen zu Wort gemeldet.

In den von "Le Figaro" veröffentlichten Auszügen betont der emeritierte Papst, die Tradition des Zölibats reiche bis in die alte Kirche zurück. Schon damals seien Priester zu sexueller Enthaltsamkeit verpflichtet worden. Verheiratete Männer hätten in einer sogenannten Josephsehe leben müssen, also ohne sexuelle Kontakte zu ihrer Frau.

Die Ehe, so Benedikt XVI. weiter, betreffe den Menschen in seiner Gesamtheit - genauso erfordere der Dienst im Namen des Herrn die totale Hingabe des Menschen. Es erscheine nicht möglich, beiden Berufungen gleichzeitig gerecht zu werden. "Ich glaube dass der Zölibat eine große Bedeutung hat, da er auf einen möglichen irdischen Besitz und ein Leben im Kreis der Familie verzichtet."

Auf der Amazonas-Synode angestoßene Debatte

Kurienkardinal Robert Sarah kritisierte in scharfen Worten die auf der Amazonas-Synode angestoßene Debatte. "Man wollte uns weismachen, dass der kirchliche Zölibat nichts weiter als eine junge Übung ist", sagte er im Interview, das "Le Figaro" zusammen mit den Buchauszügen veröffentlichte.

"Man hat historische Lügen und theologische Annäherungen angehäuft. Man hat uns weismachen wollen, dass die Weihe von verheirateten Männern oder die Einrichtung von Weiheämtern für Frauen die Lösung für alle Übel sei." Doch dies halte er für falsch, betonte Sarah. "Die einzig mögliche Reform für die Kirche ist eine Rückkehr zur Radikalität des Evangeliums."

Im Buch schreibt Sarah, eine Lockerung der Zölibatsvorschrift, selbst wenn sie sich auf eine bestimmte Region beschränke, bedeute "eine Verletzung, eine Wunde in der inneren Kohärenz des Priestertums".

Im gemeinsamen Schlusswort heißt es, die Verfasser hätten sich in "schwierigen und unruhigen Zeiten" dazu verpflichtet gefühlt, "die Wahrheit des katholischen Priestertums in Erinnerung zu rufen". Die Kirche sei nicht nur eine menschliche Organisation, sondern zugleich "die mystische Braut Christi". Daran erinnere die Ehelosigkeit der Priester. "Es ist dringend notwendig, dass sich Bischöfe, Priester und Laien nicht länger von schlechten Argumenten, Theateraufführungen, teuflischen Lügen und modischen Fehlern beeindrucken lassen, die den priesterlichen Zölibat entwerten wollen."


Quelle:
KNA