Vertraute: Kardinal Meisner und Papst Benedikt XVI.
Kardinal Meisner und Papst Benedikt XVI. im Jahr 2005
Papst Franziskus trifft den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan
Papst Franziskus trifft den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Vatikan

17.07.2017

Kirchenrechtler zu Kritik an Benedikt-Grußwort Kampagne gegen Franziskus?

Er konnte nicht selber an der Beisetzung von Kardinal Meisner teilnehmen und ließ deshalb von seinem Privatsekretär Georg Gänswein ein Grußwort verlesen. Doch diese Zeilen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. stoßen jetzt auf Kritik.

Der ehemalige Papst Benedikt XVI. wird nach Einschätzung des katholischen Kirchenrechtlers Thomas Schüller von Franziskus-Kritikern instrumentalisiert. Sein Privatsekretär Georg Gänswein und andere aus dem nahen Umfeld "benutzen den ehemaligen Papst, um ihn als Gegenpapst zu Franziskus in Stellung zu bringen", sagte der Professor an der Universität Münster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die deutlich hörbare Kritik in dem Grußwort, das Gänswein im Namen von Joseph Ratzinger am Samstag bei der Beerdigung von Kardinal Joachim Meisner in Köln verlesen habe, sei eine "Stillosigkeit und ein Kirchenpolitikum", sagte Schüller.

"Frustierte und Enttäuschte"

Dahinter stünden "Frustrierte und Enttäuschte, die davon überzeugt sind, dass der jetzige Papst die kirchliche Lehre verrät", sagte der Direktor des Instituts für kanonisches Recht der katholisch-theologischen Fakultät an der Universität Münster. Er glaube nicht, dass der ehemalige Papst selbst die treibende Kraft sei. Aber er spiele das Spiel mit. Schon in der Amtszeit Benedikts von 2005 bis 2013 sei erkennbar gewesen, dass der Papst keine glückliche Hand bei der Auswahl seiner Berater habe und oft nicht merke, was mit ihm öffentlich passiere.

Das im Kölner Dom von Erzbischof Gänswein verlesene Grußwort enthielt neben der Würdigung des Verstorbenen deutliche Kritik am Zustand der katholischen Kirche. Der ehemalige Papst Benedikt verglich die Kirche mit einem Boot, das manchmal "fast zum Kentern angefüllt ist". Es brauche dringend "überzeugende Hirten", die der "Diktatur des Zeitgeistes widerstehen". Gänswein ist auch Präfekt des Päpstlichen Hauses von Franziskus.

Kampagne gegen Franziskus?

Bei seinem Rücktritt habe Benedikt angekündigt, er wolle in Zukunft ausschließlich in der Stille für die Kirche beten, sagte Schüller. Doch genau das Gegenteil passiere: "Öffentlicher als jetzt im Kölner Dom kann man sich nicht positionieren." Und auch wenn der frühere Papst sich nicht offiziell äußere, nutzten seine Anhänger immer wieder Auszüge aus Briefen oder kolportierten Zitate, um sie gegen Papst Franziskus zu wenden.

Für Schüller ist das Teil einer Kampagne gegen Franziskus. So habe Gänswein kürzlich in der Päpstlichen Universität Gregoriana davon gesprochen, dass es derzeit zwei Päpste gebe: einen aktiven Papst und einen kontemplativen, betenden, emeritierten Papst.

"Das ist dogmatisch und kirchenrechtlich Unsinn. Papst Benedikt ist zurückgetreten, und die Amtsbezeichnung emeritierter Papst, papa emeritus, die er für sich erfunden hat, gibt es nicht", betonte Schüller. Aus Papst Benedikt XVI. sei der emeritierte Bischof von Rom geworden oder auch Kardinal Joseph Ratzinger. Dass Ratzinger nach wie vor die weißen päpstlichen Gewänder trage, sei ein Bruch mit der Tradition.

Wiebke Rannenberg
(epd)

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