Synode der Waldenser und Methodisten in Italien

Zahl der Hilfsanträge gestiegen

Eine steigende Zahl von Hilfsanträgen verzeichnen die evangelischen Kirchen der Methodisten und Waldenser in Italien. Grund sind aktuelle Situationen wie in Afghanistan und Haiti, aber auch die Förderung von Menschen mit Behinderung.

Autor/in:
Roland Juchem
Flüchtlinge in Italien / © Cristian Gennari/Romano Siciliani (KNA)
Flüchtlinge in Italien / © Cristian Gennari/Romano Siciliani ( KNA )

Im Vergleich zu 2019 gebe es im laufenden Haushaltsjahr rund ein Fünftel mehr Anfragen, teilte die Synode der Kirchenunion am Mittwoch mit. Angesichts der Lage in Afghanistan und Haiti seien die Zuweisungen für diese Bereiche noch einmal erhöht worden, hieß es zum Abschluss des viertägigen Treffens im norditalienischen Torre Pell.

Projekte für Menschen mit Behinderung

Zudem beschloss die Synode, aus den zugewiesenen Mitteln der italienischen Kultur- oder Mandatssteuer (otto per mille) besonders Projekte für behinderte Menschen, Minderjährige und Kulturangebote zu fördern. Den starken Anstieg auf zuletzt fast 5.000 Anträge führte die zuständige Leiterin des Finanzbüros, Manuela Vinay, auf die Pandemie zurück.

Herausforderungen nach der Pandemie

Als höchstes Leitungsgremium der Kirchenunion beriet die Synode seit Sonntag zudem über weitere Herausforderungen nach der Pandemie, die Lage junger Menschen sowie Personalfragen. Neben 50 Delegierten in Torre Pellice südwestlich von Turin nahmen laut Veranstalter 130 Delegierte online teil.

Diese sprachen sich angesichts der Krise in Afghanistan für eine Ausweitung humanitärer Korridore aus. Solche Korridore wie auch Integrationsmaßnahmen für Flüchtlinge organisiert die Tafel der Waldenser etwa seit Jahren mit der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio und den evangelischen Kirchen gemeinsam mit staatlichen Behörden.

Einsatz für Menschen in Not

Den Einsatz für Menschen in Not beschwor auch der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz Italiens, Kardinal Gualtiero Basetti, in einem Brief an die Synodenmoderatorin Alessandra Trotta. Bereits im Juli, zu Beginn der Synodenvorbereitung, hatte Papst Franziskus den Glaubensgeschwistern eine Grußbotschaft geschickt.

Zum neuen Präsidenten der Synode wählte das Gremium den 75-jährigen Florentiner Politiker Valdo Spini. Eröffnet worden war die Synode mit einem Gottesdienst, in dem der aus Deutschland stammende Pastor Winfrid Pfannkuche einen Pfarrer und eine Diakonin ordinierte. Weitere Themen des Treffens waren Ökumene, Evangelisierung, Diakonie, Minderheitenschutz, Gesundheit und Klima.

Perspektiven junger Menschen in Europa

Bei einem Diskussionsabend am Montag ging es um Perspektiven und Risiken für junge Menschen in Europa. Mehrere Referenten forderten ein Ende gesellschaftlicher und politischer "Gerontokratie", mehr Offenheit der Generationen füreinander sowie größere Handlungsspielräume für junge Menschen. Für all das verlangte Spini mehr gemeinsame europäische Anstrengungen.

Der Union waldensischer und methodistischer Kirchen in Italien gehören nach eigenen Angaben rund 25.000 Mitglieder in 150 Kirchengemeinden an, von denen vier in der Schweiz liegen. Höchstes Entscheidungsgremium der Union ist die Synode. Die Vereinigung verfügt über eine theologische Fakultät in Rom, ein Verlagshaus in Turin, eine Wochenzeitung sowie einen Diakonie-Verband.

Gründung der Gemeinschaft 1975

Die Kirchengemeinschaft besteht seit 1975. Wie die katholische Kirche haben auch Waldenser und Methodisten ihre Beziehungen zum italienischen Staat 1984 mit einem Abkommen neu geregelt. Ihnen stehen wie anderen Organisationen im Land Zuwendungen aus der Mandatssteuer zu, "otto per mille" (8 Promille) genannt, die jeder Steuerpflichtige zahlen muss, deren Empfänger er aber selbst bestimmen kann.


Quelle:
KNA