Bischof Feige appelliert, Hoffnung und Zuversicht zu bewahren
Diskussion um gemeinsames Abendmahl
Martin Hein, ehemaliger evangelischer Bischof von Kassel
Martin Hein, ehemaliger evangelischer Bischof von Kassel

24.09.2020

Altbischof Hein zu Kritik aus dem Vatikan Abendmahl erinnert an Christus, nicht an die Kirche

Der ehemalige Kasseler evangelische Bischof Martin Hein hat die eucharistische Gastfreundschaft gegen Kritik aus dem Vatikan verteidigt. Die Grenzen der Konfessionen sollten überwunden werden.

"Der versöhnende Tod Christi, an den wir im Abendmahl erinnern, überwindet sämtliche Grenzen und damit auch die Grenzen der Konfession", sagte Hein dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Ich frage mich schon, wenn der Tod Christi uns als Protestanten und Katholiken ständig trennt, wie weit ist es dann mit dem gemeinsamen Glaubenszeugnis?"

Hein hat das Votum zur wechselseitigen Teilnahme von Protestanten und Katholiken an Eucharistie und Abendmahl mitgetragen, das im September 2019 veröffentlicht wurde. Die Glaubenskongregation des Vatikan hat diese Möglichkeit in einem Brief an die katholische Deutsche Bischofskonferenz strikt abgelehnt, der am Montag öffentlich geworden war.

Ergebnis von zehn Jahren Arbeit

Das Papier "Gemeinsam am Tisch des Herrn" stammt aus der Feder des Ökumenischen Arbeitskreises evangelischer und katholischer Theologen, dessen evangelischer bischöflicher Vorsitzender Hein bis zu seiner Pensionierung war. "Wir haben zehn Jahre an dem Papier gearbeitet", sagte Hein. Die Anfänge seien mit Blick auf Ehepartner verschiedener Konfession gemacht worden - noch unter dem ehemaligen katholischen Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann, der im März 2018 gestorben war. Sein Nachfolger als katholischer bischöflicher Vorsitzender des Arbeitskreises ist der jetzige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Bätzing ist als Bischof von Limburg auch Gastgeber des 3. Ökumenischen Kirchentags im Mai 2021.

Auf dem Ökumenischen Kirchentag soll das Prinzip der eucharistischen Gastfreundschaft angewendet werden. Protestanten und Katholiken sollen dann jeweils eingeladen sein zur Mahlfeier der anderen Konfession. Damit ist nicht die Interzelebration gemeint, das gemeinsame Abendmahl.

Gemeinsamkeiten im Glauben herausstellen

Es sei zu begrüßen, dass der Ökumenische Kirchentag sich nicht von der Idee der eucharistischen Gastfreundschaft abbringen lassen wolle, sagte Hein. Immer wenn es konkret werde, stelle der Vatikan Lehrfragen in den Vordergrund. Dabei müsse es auch darum gehen, Gemeinsamkeiten im Glauben an Jesus Christus herauszustellen.

Die Kritik der Glaubenskongregation, das Votum der deutschen Theologen berücksichtige das katholische Kirchenverständnis nicht ausreichend, wies Hein zurück. "Für mich geht es beim Abendmahl als erstes um Christus, der zwar in der Kirche verkörpert wird - aber Kirche in vielfältiger Gestalt." Es gebe keine Vorrechte einer Konfession, betonte Hein.

Man werde sich nun die wenigen inhaltlichen Argumente vornehmen, die die Glaubenskongregation vorgebracht habe. "Wir ziehen uns nicht in die Schmollecke zurück", sagte Hein. Er schlug vor, den Dialog über das Papier europäisch auszuweiten und eine Kommission aus europäischen Theologinnen und Theologen zu bilden.

Franziska Hein
(epd)

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