Tobias Bilz aus Dresden ist der neue Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Sachsen
Tobias Bilz aus Dresden ist der neue Landesbischof der evangelischen Landeskirche in Sachsen

01.03.2020

Tobias Bilz zum sächsischen Landesbischof gewählt "Deutliches Ergebnis setzt Zeichen der Einheit"

Der Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Carsten Rentzing hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Jetzt ist Tobias Bilz zum Nachfolger gewählt und soll die Protestanten im Freistaat wieder zusammenführen.

Nach dem Skandal um Bischof Carsten Rentzing und seinen Rücktritt im Oktober haben die evangelischen Christen in Sachsen einen neuen Bischof: Das Kirchenparlament wählte Oberlandeskirchenrat Tobias Bilz am Samstag in Dresden für zwölf Jahre an die Spitze der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen (EVLKS). Der 55-Jährige setzte sich im dritten Wahlgang mit klarer Mehrheit durch. Bilz erhielt 48 der abgegebenen 79 Stimmen. Für die Plauener Superintendentin Ulrike Weyer (46) votierten 16 Synodale sowie 15 für den Meißner Dompfarrer Andreas Beuchel (56). Bilz' Amtseinführung soll am 25. April in der Dresdner Kreuzkirche stattfinden.

"Ich denke, mit dem deutlichen Ergebnis wollte die Synode auch ein Zeichen der Einheit setzen", kommentierte Bilz seine Wahl. Im Zuge von Rentzings Rücktritt, nachdem rechtskonservative und demokratiefeindliche Texte aus seiner Studienzeit bekanntgeworden waren, hatte sich der Graben zwischen den beiden Lagern respektive Frömmigkeitsausrichtungen der Landeskirche weiter vertieft. Auf der einen Seite steht die starke Fraktion der konservativ geprägten Christen im Erzgebirge und Vogtland, auf der anderen Seite die Liberalen aus Leipzig und Dresden. Entsprechend wurde nun ein Brückenbauer als neuer Bischof gesucht.

"Sächsisch konservativ, aber für Liberales offen"

Pfarrersohn Bilz, geboren in Dornreichenbach bei Wurzen, könnte da der geeignete Mann sein: Nach einer pietistisch geprägten Jugend erwarb er sich in in seiner Zeit als sächsischer Landesjugendpfarrer von 2007 bis 2018 auch unter Liberalen hohen Respekt. Seit Anfang 2019 leitete er im Landeskirchenamt das umfangreiche Dezernat für die Kirchlichen Werke und Einrichtungen, Seelsorge, Gemeindeaufbau sowie Medien. Bilz ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Im Vorfeld der Wahl hatten sich die Kandidaten bereits in Dresden, Leipzig und Chemnitz der Öffentlichkeit vorgestellt und dem Kirchenvolk Rede und Antwort gestanden. Dabei zeigte sich rasch: Alle drei stehen theologisch nah beieinander. "Sächsisch konservativ, aber für Liberales offen", fasste es ein erfahrener Synodaler am Rande der Wahlgänge zusammen. Anders als bei der Bischofswahl 2015 gehe es diesmal ausdrücklich nicht um eine Richtungswahl.

Abgrenzung nach rechts

Einigkeit herrschte in der Landeskirche nach dem Rücktritt Rentzings darüber, dass zudem ein Weg gefunden werden müsse, "wertkonservatives" Christentum stärker gegenüber Rechtsradikalismus und Rechtspopulismus zu profilieren - und sich deutlicher abzugrenzen. Bilz sagte nach seiner Wahl vor Journalisten: "Uns ist als Kirche wichtig, dass nach rechts Klarheit hergestellt wird".

Viele in der Landeskirche seien wertkonservativ geprägt "und ihnen ist wichtig, dass ihnen nicht unterstellt wird, sie seien rechtsextrem". Dazu gehöre eine genaue Klärung der Unterschiede, die er für "wichtig und wünschenswert" halte. Zudem hob Bilz hervor, dass die Kirche in der Gesellschaft eine "Wächterfunktion" habe mit Blick auf die Werte Gerechtigkeit, Frieden und Barmherzigkeit.

Aufarbeitung der Causa Rentzing noch nicht abgeschlossen

Die Aufarbeitung der Causa Rentzing ist indes längst nicht abgeschlossen. Dass der Altbischof nach fünfmonatigem Abtauchen ausgerechnet am kommenden Samstag erstmals einen öffentlichen Vortrag hält - zum Thema "Aktuelle Lage unserer Kirche" - werten manche Beobachter als Affront und Signal in die Landeskirche. Zumal Rentzing den Vortrag im Rahmen einer Tagung der Evangelisch-Lutherischen Bekenntnisgemeinschaft hält, die sich mit der Zwei-Regimenten-Lehre Martin Luthers befasst und damit mit dem Selbstverständnis der Kirche gegenüber Staat und Politik.

Bilz erklärte jedoch, Rentzing habe seinen Auftritt mit dem Landeskirchenamt abgestimmt. Ausdrücklich betonte er: "Carsten Rentzing hat weiter einen Platz in unserer Landeskirche und wird weiter wirken können. Es liegt nichts vor, dass er sich während seiner Bischofszeit zu Schulden hat kommen lassen."

Eine ganz andere Herausforderung ist, dass der neue Bischof an einem 29. Februar gewählt wurde. Die Schwierigkeit mit künftigen Jubiläumstagen dürfte aber wohl ein nachgeordnetes Problem der sächsischen Landeskirche sein.

Karin Wollschläger
(KNA)

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