"Jeder muss selber gucken, ob das das eine übertriebene Sorge oder eine begründete Sorge ist?"
Mann in einer Kirchenbank

05.02.2020

Gestiegene Anzahl der Kirchenaustritte in NRW Erneuter Rückschritt

Allein im vergangenen Jahr sind in Nordrhein-Westfalen mehr als 120.000 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Das ist noch einmal ein erheblicher Anstieg. Einen Aufschluss auf die Austritte nach Konfession lassen die Zahlen jedoch nicht zu.

Die Zahl der Kirchenaustritte ist 2019 in Nordrhein-Westfalen sprunghaft angestiegen. Insgesamt traten im vergangenen Jahr 120.188 Menschen aus der Kirche aus, wie das Justizministerium in Düsseldorf am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Das waren deutlich mehr als im Jahr zuvor - 2018 hatten 88 510 Menschen den Kirchen den Rücken gekehrt. Und schon damals bedeutete das einen erheblichen Anstieg. Aus den neuen Zahlen lässt sich allerdings nicht ablesen, wie sich die Austritte nach Konfession aufschlüsseln.

Kirchen wollen Zahlen gründlich analysieren

Ein aktueller Anlass für den plötzlichen Anstieg der Austrittszahlen ist nicht ersichtlich, jedenfalls gab es im vergangenen Jahr keinen akuten Skandal so wie 2013 die Geldverschwendungsvorwürfe gegen den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. Allerdings blieb das ganze Jahr über die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ein großes Thema.

In den Kirchen scheint angesichts der deprimierenden Entwicklung Ratlosigkeit vorzuherrschen. Sowohl Vertreter der katholischen als auch der evangelischen Kirche teilten am Mittwoch mit, sie wollten die Zahlen vor einer Reaktion zunächst gründlich analysieren. "Grundsätzlich ist es eine Daueraufgabe, den Menschen deutlich zu machen, warum es gut ist, zur Kirche zu gehören", teilte der Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, Jens Peter Iven, mit.

Das Erzbistum Köln verwies auf eine Aussage des Generalvikars Markus Hofmann vom vergangenen Sommer: "Wir wissen, dass die klassische Form des Kirche-Seins an vielen Stellen nicht mehr mit der Lebensrealität der Menschen zusammenpasst und wir daher manche Menschen nicht mehr erreichen."

(dpa)

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