04.02.2019

In Berliner Gemeinden wird der digitale Klingelbeutel erprobt "Für die meisten Besucher noch ungewohnt"

Den letzten Euro ins Körbchen werfen oder die gewünschte Summe direkt vom Konto abbuchen: Wer kein Bargeld dabeihat, kann bei der Kollekte in manchen evangelischen Berliner Kirchen jetzt auch per ec-Karte spenden.

Auf dem Altar der Berliner Marienkirche am Alexanderplatz leuchtet es bläulich. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass im Gottesdienst die Kollekte eingesammelt wurde, und die Klingelbeutel den Weg zum Altar gefunden haben.

Tests im Praxisbetrieb

Denn die Predigtkirche des evangelischen Landesbischofs Markus Dröge ist eine jener Berliner Kirchen, in denen derzeit der von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, dem Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte, der Evangelischen Bank und der digital.wolff GmbH entwickelte elektronische Klingelbeutel im Praxisbetrieb erprobt wird. Im letzten Sommer hatte ihn Dröge der Öffentlichkeit vorgestellt. Auch die katholische Pax Bank testet den Einsatz solcher digitalen Klingelbeutel derzeit.

Aber wie läuft es eigentlich in der Praxis? Derzeit wird der Klingelbeutel in der Marienkirche und der Kirchengemeinde Tiergarten erprobt, demnächst soll die Kreuzberger Heilig-Kreuz-Kirche hinzukommen. Als Superintendent Bertold Hoecker am vergangenen Samstag einen Abendgottesdienst in der Marienkirche aus Anlass des Festes Mariä Lichtmess feierte, war es wieder einmal so weit. Der Klingelbeutel sollte zum Einsatz kommen.

Schon mit ihren Gesangbüchern hatten die Gottesdienstbesucher eine farbige Bedienungsanleitung bekommen. Und um die Kirchgänger vollends mit dem ungewöhnlichen Hilfsmittel vertraut zu machen, trat Hannah Wolf nach den Ankündigungen ans Rednerpult.

"Wie bei jedem Klingelbeutel können Sie auch bei diesem Modell ihr Bargeld in den Beutel werfen", erklärte sie den Gottesdienstbesuchern. Wer sich allerdings für eine digitale Spende entscheide, müsse zunächst mit einem am Griff des Klingelbeutels angebrachten Drehregler die Spendenhöhe einstellen. Sie werde in einem kleinen Display angezeigt. Mit einem Druck auf den Drehregler werde diese Summe bestätigt. Anschließend könne man seine Kreditkarte auf den Klingelbeutel legen. Sofern die Karte mit einem Funkchip ausgestattet ist, werde die Spende dann abgebucht.

Für viele Kirchbesucher ungewohnt

Doch ein Blick in die Bankreihen zeigt: Noch ist das digitale Spenden für viele Kirchbesucher ungewohnt. Und: Es dauert länger, bis der Geldbetrag eingestellt, bestätigt und abgebucht ist. "In jedem Gottesdienst sind es fünf oder sechs Besucher, die per Karte spenden", sagt Wolf nach dem Gottesdienst in der Sakristei.

Viele Menschen hätten schlicht ihre Bank- oder Kreditkarten nicht dabei, wenn sie in die Kirche gingen. Vor allem für Ältere sei die neue Technologie auch ungewohnt. Junge Menschen dagegen hätten oft nur ihr Handy in der Hosentasche: Künftig sollen deswegen auch Systeme wie Apple-Pay mit dem Klingelbeutel funktionieren.

"Theologisch macht es sowieso keinen Unterschied, auf welche Weise ein Kirchgänger spendet", sagt Superintendent Höcker. Problematisch sei, dass viele Berliner Banken keine Münzeinzahlungen mehr akzeptierten, und die Einzahlung der Kollekten für die Kirche oft mit hohen Kosten verbunden seien. "Aber mit dem digitalen Klingelbeutel geht die Kirche auf die Gottesdienstbesucher und ihre Bedürfnisse zu, und das ist doch eine gute Sache."

Benjamin Lassiwe
(KNA)

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