18.01.2019

Diesjährige Gebetswoche mit Prägung aus Indonesien Gerechtigkeit als Voraussetzung von Einheit

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen steht unter dem Motto der Gerechtigkeit. In diesem Jahr kommen Texte dazu aus Indonesien und geben dem Thema einen ganz eigenen Kontext.

DOMRADIO.DE: „Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen“ – unter diesem Leitwort aus der Bibel startet heute die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2019. Heißt das, überall auf der Welt beten Menschen für ein einheitliches Christentum?

Dr. Elisabeth Dieckmann (Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e.V.): Wir beten für die Einheit der Christen. Die Einheit der Kirche und der Christen bedeutet nicht, dass alles plötzlich ganz uniform werden soll. Das kann man schon an der katholischen Kirche selber sehen, wenn man sich vor Augen hält, wie vielfältig das Leben innerhalb der katholischen Kirche ist. Da allein gibt es verschiedene Möglichkeiten, den Glauben zu leben. Einheitlichkeit ist im strengen Sinne nicht das, was christliches Leben beflügelt. Es ist innerhalb der Kirchen oder unter den Kirchen im Moment meist davon die Rede, dass wir nach einer Einheit in versöhnten Verschiedenheit suchen.

DOMRADIO.DE: Heute ist der Auftakt, wie läuft die Woche weiter? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Dieckmann: Die Gebetswoche wird jedes Jahr gefeiert, entweder vom 18. bis 25. Januar oder in der Woche vor Pfingsten. Alle, die das jetzt im Januar verpassen, haben an Pfingsten nochmal eine Chance sich anzuschließen. Es gibt Texte, einmal ein Formular für einen ökumenischen Gottesdienst, in dem für die Einheit der Christen gebetet wird.

Dann gibt es für eine Woche Tagesmeditationen, mit deren Hilfe man gemeinsam Andachten feiern kann. Man kann sich aber auch zu Hause hinsetzen und das Thema der Gebetswoche mit Hilfe dieser Meditationen noch einmal vertiefen.

DOMRADIO.DE: In diesem Jahr kommen die Texte aus Indonesien. Wie spiegelt sich das wider?

Dieckmann: Das spiegelt sich vor allem in der Wahl des Themas wider. Da haben sich die indonesischen Christen etwas dabei gedacht. Und es kommt in manchen der Fürbitten auch ein wenig zum Ausdruck. Wobei man natürlich sagen muss, das Ziel der Gebetswoche ist nicht, einen Gottesdienst der indonesischen Christen zu feiern. In Indonesien wird Ungerechtigkeit, das Thema der Woche, eben besonders krass erlebt. Aber die Frage nach Gerechtigkeit  bewegt uns natürlich überall auf der Welt.

DOMRADIO.DE: Jetzt haben Sie das Thema Gerechtigkeit angesprochen. Warum ist Gerechtigkeit so wichtig für Christen?

Dieckmann: Gerechtigkeit ist wichtig, weil Christen sich dafür interessieren sollten, wie es den Menschen in ihrem Umfeld geht. Ungerechtigkeit steht aber auch einer Einheit im Wege. Zu den Voraussetzungen von Einheit gehört, dass gerechte Verhältnisse herrschen und zwar in der Kirche, aber auch in der Welt. Wir möchten ja, dass alle Menschen versöhnt zusammenleben.

Dann muss man sich noch vor Augen halten, dass der Begriff der Gerechtigkeit auch mit unserem Glauben zu tun hat und eine Beziehung beschreibt. Gott ist gerecht, indem er sich für die Armen und Entrechteten einsetzt. Seine Gerechtigkeit ist aber eine andere als unsere. Das kann man in manchen Gleichnissen Jesu sehr schön sehen. Ein gerechter Mensch ist ein Mensch, der sich an Gott hält, der Gott vertraut und Gottes Gebote hält, und der zum Glauben gehört und sich für das Wohl der Mitmenschen einzusetzt.

Das Gespräch führte Hilde Regeniter. 

(DR)

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