Martin Luther: Kopf der Reformation
Der Trenner, der nicht trennen wollte: Martin Luther
Kurienkardinal Kurt Koch
Kurienkardinal Kurt Koch

31.10.2017

Ökumene-Kardinal Koch zum Reformationstag 2017 "Luther ist für uns ein Zeuge des Glaubens"

Mehr als die Hälfte der deutschen Katholiken befürwortet die Einheit der beiden Kirchen. Wie der Vatikan dazu steht, erklärt der "Ökumene-Minister" Kurt Kardinal Koch im Interview mit domradio.de.

domradio.de: Kardinal Marx sagte in der Bild am Sonntag, er hoffe auf eine Einheit der Christen, er arbeite daran, er bete auch dafür. Inwiefern ist diese Hoffnung auf eine sichtbare Einheit realistisch?

Kurt Kardinal Koch (Vorsitzender des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen): Es war von Anfang an das Ziel des ökumenischen Dialogs die Einheit wiederzufinden. Das entspricht im Übrigen dem originären Anliegen von Martin Luther. Er wollte die Kirche erneuern. Das ist damals nicht gelungen, aus Gründen die auf beiden Seiten liegen. Gerade daher kommt unsere Verplichtung, die Einheit wiederzufinden und damit meine ich auch die eucharistische Gemeinschaft. Dazu braucht es noch viel Energie. Wir haben einen ganz wichtigen Schritt machen können mit der gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre, am 31. Oktober 1999 in Augsburg. Uns ist es damals gelungen, betreffens der Grundfrage, die zur Reformation geführt hat, einen Konsens zu finden. In dieser Erklärung steht aber auch, dass die ekklesiologischen Konsequenzen dieses Konsens noch nicht geklärt sind. Deshalb habe ich den Vorschlag gemacht, dass wir an einer neuen gemeinsamen Erklärung über Kirche, Eucharistie und Amt arbeiten. Ich stelle dankbar fest, dass daran schon viel gearbeitet wird, im regionalen Dialog nämlich. In Amerika gibt es bereits ein Dokument. Vor einer Woche habe ich außerdem ein umfassendes Dokument aus dem finnischen Dialog dazu bekommen. 

domradio.de: Welche Schritte müssen dafür noch getan werden?

Koch: Ähnlich, wie beim Dokument zur Rechtfertigungslehre wird das auf universaler Ebene nicht gelingen, wenn es nicht regional vorbereitet wird. Ich denke daran, welche große Arbeit in Deutschland geleistet wurde, um einen Konsens zur Rechtfertigungslehre zu gewinnen. Auch jetzt stelle ich dankbar fest, dass in vielen Regionen daran gearbeitet wird. So können wir die Früchte zusammentragen und bündeln. So hoffe ich, dass dann auch eine gemeinsame Erklärung auf universaler Ebene möglich ist.

domradio.de: Nun gibt es auf beiden Seiten 500 Jahre getrennte Tradition und Geschichte, das kann man sicher schlecht alles zusammenschmeißen …

Koch: Es sind unterschiedliche Kirchen, ja. Je mehr man aber im Dialog miteinander ist und sich austauscht, wird der Dialog zu einer gegenseitigen Bereicherung. Ich denke, dass wir Katholiken auch mit Blick auf die Reformation und das Reformationsgedenken immer wieder gesagt haben, was wir von der Reformation gelernt haben. Auch Papst Franziskus hat von "theologisch spirituellen Gaben" gesprochen, die uns durch die Reformation geschenkt worden sind. Ich denke, dass die evangelischen Christen auch Grund hätten, offen zu sagen, was sie an der katholischen Kirche schätzen und was ihnen vielleicht durch die Entwicklung der letzten 500 Jahre verloren gegangen ist. Zumindest wünsche ich mir, das deutlich von ihnen zu hören.

domradio.de: Zur Abendmahlsgemeinschaft: Wäre es denn eine Lösung nationale Sonder-Regelungen zu treffen, wie es Papst Franziskus auch bei anderen Themen angeregt hat?

Koch: Ich denke die zentralen Fragen sollten schon auf universaler Ebene angegangen und gelöst werden. Das betrifft Fragen rund um die Themen Kirche, Eucharistie und Amt. 

domradio.de: Das "America Magazine", das Magazin der amerikanischen Jesuiten, hat gerade einen Artikel veröffentlicht, in dem ein Lutheraner Fanpost an Papst Franziskus schreibt. "Du bist der Papst, den sich Martin Luther gewünscht hätte". Würden Sie das unterschreiben?

Koch: Ich kenne den Artikel nicht, aber dahinter steht natürlich etwas sehr Positives: Das Papsttum heute ist nicht mehr das Papsttum der damaligen Zeit. Daraus müssen aber auch Konsequenzen folgen. Martin Luther selbst hat noch gesagt, er würde dem Papst die Füße küssen, wenn dieser doch nur das Evangelium der Rechtfertigung annehmen würde. Angesichts dessen müssen wir sehen, dass das Papsttum heute nicht mehr so ein großes Hindernis ist, sondern eine Chance für die Einheit der Christen sein kann. Gerade in den ökumenischen Dialogen wird mir immer wieder bewusst, wie sehr das Papsttum ein Geschenk des Herrn an seine Kirche ist. 

domradio.de: Wie hat der ökumenische Prozess Sie persönlich geprägt?

Koch: Ich bin sehr dankbar für das, was sich in den letzten zehn Jahren entwickelt hat. Am Anfang der Luther-Dekade sah das ein bisschen schwieriger aus. Es war viel von Jubiläum, Feiern und Dankbarkeit die Rede. Das ist ja auch richtig und positiv. Man darf aber auch die Schattenseite nicht ausblenden. Das ist meines Erachtens in der Zeit geschehen. Ich denke vor allem an den "Healing of Memories"-Gottesdienst in Hildesheim im Frühjahr zurück, an dem ich selber teilnehmen durfte. Es hat mich tief bewegt, was hier geschehen ist. Ich denke, es ist gut, dass man zur Entscheidung gekommen ist, ein Christusjahr zu feiern. Von der Lutherdekade zum Christusjahr war es ein langer, aber sehr positiver Weg.

domradio.de: Wie stehen wir denn heute, am Tag an dem Martin Luther im Zentrum steht, zum Reformator?

Koch: Ich bin froh, dass man 1517 als Gedenkjahr genommen hat, denn damals war Martin Luther noch Mitglied der katholischen Kirche. Es kam noch nicht zum Bruch. Das ist auch ein wesentlicher Grund, warum wir solch ein Reformationsgedenken nur in ökumenischer Gemeinschaft begehen konnten. Martin Luther ist für uns ein Zeuge des Glaubens. Er hat wesentliche Elemente des christlichen Glaubens wiederentdeckt in seiner damaligen Zeit. Martin Luther hat natürlich auch seine Schattenseiten. Er war ein schwieriger Charakter. Seine Ausfälle über das Papsttum, über die Juden, die Türken und weitere: Alles das darf man nicht ausblenden. Aber es ist wichtig, sich immer wieder neu auf das Positive zu konzentrieren. Papst Benedikt XVI. hat das bei seinem Besuch in Erfurt, im ehemaligen Augustinerkloster in zwei Punkten zusammengefasst: Die Zentralität der Gottesfrage, und die Christozentrik sind das Herz von Martin Luther. Es ging ihm immer um die Frage nach einem gnädigen Gott. Er hat nicht nach irgendeinem Gott gefragt, sondern nach dem Gott, der in Jesus Christus sein konkretes Gesicht gezeigt hat. Wenn wir uns darauf zurückbesinnen, sind wir auf einem guten Weg.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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