Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Gesprächsrunde im Berliner  Gorki Theater
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Gesprächsrunde im Berliner Gorki Theater

28.10.2017

Merkel würdigt Reformation Reformation und Buchdruck führten zu Emanzipation

Angela Merkel wird am Reformationstag in Wittenberg am Festgottesdienst teilnehmen und beim staatlichen Festakt die Festrede halten. Im Vorfeld hat sie die Bedeutung der Reformation für die Geschichte betont.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das 500. Reformationsjubiläum am kommenden Dienstag als wichtigen Tag gewürdigt. Durch die Reformation sei vieles gesellschaftspolitisch in Gang gekommen, ohne die Erfindung des Buchdrucks sei sie allerdings undenkbar gewesen, sagte Merkel in ihrem am Samstag verbreiteten Video-Podcast. Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther (1483-1546) und der Buchdruck hätten "zu einer Verbreitung der christlichen Lehre geführt, aber damit auch zu einer Emanzipation", sagte Merkel. Es lohne sich, über die Veränderungen von damals nachzudenken, um auch die heutige Zeit besser zu verstehen.

Die Reformationsfeierlichkeiten haben Merkel zufolge Luther von verschiedenen Seiten gezeigt, der wie jeder Mensch unglaubliche Stärken, aber auch Schwächen gehabt habe. Es sei wichtig, etwa über seine Aussagen zum Judentum auch sehr kritisch zu berichten: "Das ist für mich die vollständige, historische Rezeption, die wir brauchen." Trotzdem sei Luther für sie persönlich immer Ermutigung gewesen, sagte Merkel, die in einem protestantischen Pfarrhaus aufgewachsen ist.

Reformation prägte Verhältnis von Staat und Kirche

Die Bundeskanzlerin würdigte Luther als bodenständig und unbändigen Arbeiter, der "ein ganz klares Bild bezüglich Gott und der Welt" gehabt habe. Aus seiner Sicht sollte sich der Mensch nicht einfach in sein Schicksal fügen, sondern habe die Freiheit, Verantwortung für andere zu übernehmen. "Das finde ich das Bedeutende an Luther", betonte Merkel.

In Deutschland sprach die Kanzlerin von einem "sehr interessanten Verhältnis von Kirche und Staat", das auch sehr stark durch die Reformation mit geprägt sei. Die Trennung von Kirche und Staat sei nicht so vollständig wie zum Beispiel in Frankreich durch den Laizismus, sagte Merkel. Dabei verwies sie auf die Verträge zwischen Kirche und Staat sowie auf den Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes.

Bilanz des Lutherjahres

Zum Ende des Reformationsjahres wird auch langsam Bilanz gezogen: Eine Woche vor Schließung sind die Macher der drei Nationalen Sonderausstellungen zum 500. Reformationsjubiläum überwiegend zufrieden. Insgesamt wurden bis zum Wochenende weit mehr als eine halbe Million Gäste gezählt. Auf der Wartburg bei Eisenach wird in den kommenden Tagen bereits der 300.000. Besucher der Schau "Luther und die Deutschen" erwartet.

Im Wittenberger Augusteum wurde die Marke von 200.000 Besuchern in der zurückliegenden Woche in der Ausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" überschritten. Etwas schwächer fiel die Bilanz bei "Der Luthereffekt. 500 Jahre Protestantismus in der Welt" im Berliner Martin-Gropius-Bau mit rund 60.000 Besuchern aus.

Viele Besucher wohl in letzter Woche

Die evangelische Kirche feiert noch bis Ende des Monats 500 Jahre Reformation. 1517 hatte Luther seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

Auf der Wartburg rechnen die Veranstalter in der kommenden Woche noch einmal mit einem steigenden Besucherinteresse. Für die Ausstellung in Wittenberg bilanzierte der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), Luther übe eine Faszination auf die Menschen aus. Viele Besucher seien aus den USA und Südkorea gekommen, aber auch aus den skandinavischen Ländern.

(epd)

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