Ein Psalm-Kommentar Martin Luthers mit einer handschriftlichen Widmung des Theologen Philipp Melanchthon an den Bischof Julius Pflug
Ein Psalm-Kommentar Martin Luthers mit einer handschriftlichen Widmung des Theologen Philipp Melanchthon an den Bischof Julius Pflug
Die Wachsfigur Julius Pflug sitzt an einem Tisch im Gelehrtenzimmer
Die Wachsfigur Julius Pflug sitzt an einem Tisch im Gelehrtenzimmer

05.06.2017

"Julius Pflug"-Ausstellung zu Reformationsjahr in Zeitz eröffnet Kardinal Koch würdigt Vordenker der Ökumene

Der vatikanische "Ökumeneminister", Kardinal Kurt Koch, hat in Sachsen-Anhalt "die" ökumenische Schau zum Reformationsgedenkjahr eröffnet. Im Zentrum steht ein fast vergessener katholischer Bischof des 16. Jahrhunderts.

Es waren wilde Zeiten, in denen Julius Pflug lebte. Der Spross einer Adelsfamilie, geboren 1499 nahe Leipzig, machte sich im Jahrhundert der Reformation als hochgebildeter Humanist, kaiserlicher Berater, theologischer Vermittler und letzter katholischer Bischof von Naumburg einen Namen. Er war an den religionspolitischen Entwicklungen seiner Zeit maßgeblich beteiligt, von Protestanten wie Katholiken hoch geschätzt.

Die Wiederherstellung der Einheit zwischen den Konfessionen war sein Lebensthema. So führte er beim berühmten Wormser Religionsgespräch von 1557 den Vorsitz. Doch letztlich blieben all seine Vermittlungsversuche, die von einem für die Zeit bemerkenswerten Toleranzgedanken geprägt waren, vergeblich. Und Pflug geriet in Vergessenheit.

Bedeutende Ausstellung 

Erstmals steht der "Vordenker der Ökumene" jetzt im Zentrum einer großen kulturhistorischen Ausstellung. Die Schau "Dialog der Konfessionen - Bischof Julius Pflug und die Reformation" im sachsen-anhaltischen Zeitz gilt als die wichtigste zum Thema Ökumene im Reformationsgedenkjahr.

Bei der Eröffnung am Sonntag würdigte der vatikanische "Ökumeneminister", Kardinal Kurt Koch, Pflug als "weisen Vermittler", der sich intensiv um Versöhnung und Wahrung der Einheit bemüht habe. "Luther und die Reformatoren wollten die Kirche nicht spalten, sondern im Geist des Evangeliums erneuern, und denselben Gedanken hatte Pflug."

Fokus liegt auf der Einheit

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, wie Koch Schirmherr der Ausstellung, äußerte den Wunsch, im gegenwärtigen Reformationsgedenkjahr den Blick verstärkt auf das Gemeinsame zu richten und die Differenzen miteinander auf dem gemeinsamen Fundament von Taufe und Evangelium zu gestalten.

"Uns eint mehr, als uns trennt", sagte Junge.

Streit um den Bischofsstuhl

Für europaweites Aufsehen sorgte 1541/42 ein Streit um die Neubesetzung des Naumburger Bischofsstuhls. Das Domkapitel hatte Pflug einstimmig zum Bischof gewählt, doch der protestantische Kurfürst Friedrich von Sachsen setzte stattdessen Nikolaus von Amsdorf ein. Martin Luther ordinierte diesen daraufhin als ersten evangelischen Bischof weltweit.

Der offenkundige Bruch des Reichs- und Kirchenrechts führte zum Schmalkaldischen Krieg 1546/47, in dem Kaiser Karl V. mit Erfolg gegen die evangelischen Reichsfürsten und Städte vorging.

Pflug wird Bischof von Naumburg

Im Anschluss trat Pflug sein Amt als katholischer Bischof von Naumburg an und bezog seinen Amtssitz auf der Zeitzer Moritzburg, seit 1285 dauerhafte Residenz der Naumburger Bischöfe. Obwohl der Bischof als "streng katholisch" galt, verzichtete er darauf, die inzwischen weitgehend protestantische Bevölkerung seiner Diözese gewaltsam zu rekatholisieren.

Vielmehr setzte Pflug auf konfessionellen Dialog und bemühte sich intensiv um Verständigung.

Befürworter der Priesterehe

Bemerkenswert ist dabei sein Toleranzverständnis, das zwischen "aufrichtiger" und "notwendiger" Toleranz unterschied, ohne dass beides im Gegensatz zueinander stehen musste. Pflug war dabei ein Pragmatiker, der kritisch und klug abwog, wie sich kirchliche Lehre und Lebensrealität in Einklang bringen ließen und wo Kompromisse sinnvoll erschienen.

Die "aufrichtige" Toleranz etwa zeigte sich dort, wo Pflug der Überzeugung war, dass eine Neuerung sinnvoll und nicht nur ein Zugeständnis war. So hielt er die Zulassung der Priesterehe für sinnvoll und sah seinen Klerus darin sittlich besser aufgehoben, wenn Unkeuschheit und "verfallene Kirchenzucht" die Alternative seien.

Pflug machte sich für Laien stark

Auch plädierte Pflug bereits 1532 für die Zulassung des sogenannten Laienkelchs, da Christus mit der Einsetzung des Abendmahls kein Gebot vorgegeben und insofern freigestellt habe, ob man nur das Brot oder auch den Wein dazu reichen dürfe. Papst Pius IV. gewährte ihm schließlich 1564 die Erlaubnis zur Austeilung des Abendmahls in beiderlei Gestalt. Das Dekret zählt zu den Highlights der Ausstellung.

Die Schau mit rund 250 Exponaten erstreckt sich über das Schlossareal der Moritzburg, inklusive katholischem Dom und Stiftsbibliothek. Sie gilt mit Pflugs umfassender Privatbibliothek als eine der wertvollsten der Reformationsepoche und zeugt von seinen internationalen Korrespondenzen mit zahllosen Geistesgrößen seiner Zeit.

Karin Wollschläger
(KNA)

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