Kirchturm der evangelischen Matthäuskirche am Frankfurter Messegelände
Kirchturm der evangelischen Matthäuskirche am Frankfurter Messegelände

16.11.2016

Frankfurt als Austragungsort des Ökumenischen Kirchentags 2021 Metropole im Kleinformat

Kirchen sind schon lange nicht mehr die höchsten Gebäude. Bankentürme bestimmen die Frankfurter Skyline. Doch 2021 soll die Mainmetropole Austragungsort des dritten Ökumenischen Kirchentags werden.

Bankenstadt, Messestadt, alte Reichsstadt: Frankfurt kokettiert gern damit, eine Metropole im Westentaschenformat zu sein. Wer an die Stadt am Main denkt, denkt an Flughafen, Paulskirche und Goethe, an Börse, Buchmesse und Skyline. Auf kleinstem Raum existieren Fachwerkhäuser neben Wolkenkratzern, leben Bettler neben beschlipsten Bankangestellten.

Dritter Ökumenischer Kirchentag

Demnächst bekommt die 700.000 Einwohner zählende Mainmetropole auch kirchliches Gewicht. Nach Berlin 2003 und München 2010 wollen die beiden großen Kirchen hier 2021 ihren dritten Ökumenischen Kirchentag begehen. Über 200.000 Besucher werden erwartet.

Schon seit dem Mittelalter hat sich die Stadt am Knotenpunkt europäischer Handelsstraßen zu einem Zentrum internationaler Wirtschaft und Politik entwickelt. In der "Wahlkapelle" des Kaiserdoms wurden die Könige des Heiligen Römischen Reichs gewählt.

Von 1562 bis 1792 fanden auch Kaiserkrönungen im Dom statt. Der Kaiserdom St. Bartholomäus war mit 95 Metern bis 1961 das höchste Gebäude der Stadt - bis dann die Skyline der Bankentürme das Gesicht Frankfurts veränderte.

Immer wieder hatte Frankfurt Hauptstadt-Ambitionen: 1815, nach der Niederlage Napoleons, tagte hier bis 1866 die Bundesversammlung des Deutschen Bundes, zu dem sich die deutschen Staaten nach dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches zusammengeschlossen hatten.

1848 tagte in der Paulskirche die Deutsche Nationalversammlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte die Stadt am Main den Wirtschaftsrat der drei Westzonen. In der Abstimmung über den Regierungssitz der Bundesrepublik unterlag sie Bonn.

Dienstleistungs- und Wirtschaftsmetropole

Wahrgenommen wird Frankfurt vor allem als Dienstleistungs- und Wirtschaftsmetropole. Seit 1998 ist die Stadt Sitz der Europäischen Zentralbank. Heute haben hier über 200 Kreditinstitute, darunter die Deutsche Bundesbank und rund 100 ausländische Banken, sowie die weltweit fünftgrößte Aktien-Börse ihren Sitz. Nach dem Brexit erwarten viele Beobachter einen weiteren Bedeutungszuwachs.

Weltweit agiert die Frankfurter Messe, die älteste der Welt: Buchmesse und Automobilschau zählen zu den ganz Großen. Verlage wie der Insel- oder der Campus-Verlag und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verkörpern das intellektuelle Profil der Stadt.

Unverkennbar auch die Spuren, die die Frankfurter Schule - von Theodor Adorno und Max Horkheimer bis zu Jürgen Habermas - im geistigen Leben Frankfurts hinterlassen hat. Noch heute ist das Institut für Sozialforschung hier zuhause. Auch als Goethestadt profiliert sich Frankfurt. "Am 28. August 1749, mittags mit dem Glockenschlag zwölf, kam ich in Frankfurt am Main zur Welt", schrieb der Dichter. Allerdings verbrachte er einen Großteil seines Lebens in Weimar.

Religiöse Vielfalt

Internationalität steht neben fast dörflichen Stadtteilen und Apfelweinkneipen: 180 Nationen leben in der Mainmetropole, fast jeder dritte Einwohner hat keinen deutschen Pass. Die Zahl der Pendler nach Frankfurt liegt täglich über 340.000. Große Vielfalt zeigt die Stadt auch in Sachen Religion: In der internationalen Bankenmetropole haben Angehörige fast aller Religionen Gemeinschaften gebildet. So gibt es mindestens 44 muslimische Gemeinden, 7 Hindu-Tempel, 9 buddhistische Zentren, einen zentralen Sikh-Tempel sowie die Baha'i.

Der Anteil der Christen ist auf knapp über 40 Prozent zurückgegangen. Seit 1995 gibt es in der traditionell überwiegend lutherischen Stadt mehr Katholiken als Protestanten. 2014 waren 22,7 Prozent der Einwohner römisch-katholisch, 19,4 Prozent evangelisch; 57,9 Prozent gehörten anderen Religionsgemeinschaft an oder waren konfessionslos.

Neben Anglikanern, Altkatholiken und orthodoxen Kirchen sind auch zahlreiche Freikirchen vertreten. Frankfurt ist außerdem seit Jahrhunderten Sitz einer großen jüdischen Gemeinde; sie hat heute knapp 7.000 Mitglieder.

Die Katholiken Frankfurts gehörten zunächst zum Erzbistum Mainz und ab 1827 zum neu gegründeten Bistum Limburg. Seit der Kommunalreform der 70er Jahren gehören auch Pfarrgemeinden der Bistümer Mainz und Fulda zum Stadtgebiet. Die evangelischen Gemeinden Frankfurts gehören der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau an.

Christoph Arens
(KNA)

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