Gang zum Tempelberg
Gang zum Tempelberg
Besuch auf dem Tempelberg "Haram al-Scharif"
Besuch auf dem Tempelberg "Haram al-Scharif"
Ökumenische Pilgergruppe an der Klagemauer
Ökumenische Pilgergruppe an der Klagemauer

20.10.2016

Deutsche Bischöfe auf dem Tempelberg "Ein Ort für alle Religionen"

Der Tempelberg in Jerusalem soll nur als heilige muslimische Stätte betrachtet werden - so lautet eine Unesco-Resolution. Welche Auswirkungen dahinter stecken, bekamen deutsche Bischöfe bei ihrem Besuch im Heiligen Land nun hautnah mit.

Auf dem Tagesprogramm der ökumenischen Pilgergruppe von evangelischer und katholischer Kirche im Heiligen Land stand an diesem Donnerstag unter anderem ein Besuch auf dem Jerusalemer Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee und ein anschließender Gang zur Klagemauer.

Führung durch Al-Aksa-Moschee

"Die Auswirkungen der Unesco-Resolution bekamen die deutschen Bischöfe bei einer Führung eines muslimischen Vertreters durch die Al-Aksa-Moschee selbst zu spüren", wie der Journalist Benjamin Lassiwe gegenüber domradio.de berichtete. Dieser habe immer wieder betont, dass man in einer heiligen islamischen Stätte unterwegs sei. Im Grunde sei die komplette Unesco-Resolution zur Grundlage der Führung gemacht worden.

Eine entsprechende Reaktion seitens der Delegation ließ dann auch nicht lange auf sich warten, wie Journalist Lassiwe, der die Pilgergruppe auf ihrer Reise begleitet, ergänzt. Die Präses der Synode der evangelischen Kirche, Irmgard Schwaetzer, habe sich empört gezeigt - und war nicht die einzige.

Statement der Kirchenspitzen

"Nach der Führung und dem Besuch der Klagemauer haben die beiden Delegationsleiter, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx und der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, ein gemeinsames Statement abgegeben, in dem vor allem Bedford-Strohm den Tempelberg als Ort für alle Religionen bezeichnete", so Lassiwe. Er habe dabei die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass sich die Religionen in Jerusalem begegnen und nicht gegeneinander arbeiten sollten. Auch Kardinal Marx äußerte sich in die gleiche Richtung. Der DBK-Vorsitzende machte deutlich, dass man durch das Verschieden-Sein zum einem Miteinander-Unterwegs-Sein kommen könne.

Das sei auch eines der Ziele der Pilgergruppe, die nach 500 Jahren zu ersten Mal gemeinsam unterwegs im Heiligen Land ist. Die Ökumene in Deutschland könne durchaus als Vorbild für das Miteinander der Religionen im Heiligen Land sein, so Marx.

Die beiden Vorsitzenden der großen Kirchen in Deutschland mahnten weiter zum Dialog. Es sei "wichtig, dem anderen zuzuhören, um zu lernen, was ihm heilig ist", so Marx. Die Delegation habe als Gruppe "die Erfahrung gemacht, welches Glück es ist, die Welt mit den Augen des anderen zu sehen", ergänzte Bedford-Strohm.

Treffen mit Apostolischem Verwalter

Bei einem anschließenden Treffen mit dem Verwalter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, hat dieser zur Einheit der Christen aufgerufen. Jerusalem könne "zu einem Beispiel friedlicher Koexistenz" werden, sagte der Apostolische Administrator.

Pizzaballa verwies auf die zahlreichen Spaltungen und Konflikte, die Jerusalem heute kennzeichneten und die auch die Christen und ihre heiligen Stätten einschlössen. Grund dafür sei auch ein "Mangel an Führungsstärke" auf politischer und religiöser Ebene. Gleichzeitig gebe es "in den Straßen Jerusalems viele Gelegenheiten menschlicher Begegnungen".

Den gemeinsamen Besuch evangelischer und katholischer Bischöfe bezeichnete der Italiener als Zeichen der Solidarität, aber auch als Zeichen der Einheit, das zeige, dass Frieden möglich sei.

Reise im Zeichen des Reformationsgedenkens

Weiter steht für den Nachmittag eine Begegnung mit dem evangelisch-lutherischen Bischof von Jerusalem und Präsidenten des Lutherischen Weltbunds, Munib Junan, auf dem Programm. Am Freitag wird die Delegation gemeinsam die Gedenkstätte Yad Vashem besichtigen und dort der Opfer der Shoa gedenken. Zum Abschluss der Pilgerreise soll es eine gemeinsame Abschlusserklärung geben.

Anlass der Reise der je neun Vertreter von Deutscher Bischofskonferenz und Evangelischer Kirche in Deutschland (EKD) ist das bevorstehende Reformationsgedenken.

(dr, KNA)

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