12.09.2016

Zum Tod von Fernsehpfarrer Jörg Zink Prägende Figur des Protestantismus

Für viele war er über Jahrzehnte das prägende Gesicht des deutschen Protestantismus, ein streitbarer Kämpfer für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Am Freitag ist Jörg Zink mit 93 Jahren gestorben.

Engagiert und eloquent - das war Jörg Zink. Am Freitag starb Deutschlands bekanntester evangelischer Theologie im Alter von 93 in seinem Stuttgarter Wohnhaus. Weit über die Grenzen Württembergs hinaus bekannt wurde Zink als Sprecher vom "Wort zum Sonntag". Mehr als 100 Mal stand der Bestsellerautor am Samstagabend vor der Kamera und legte die Bibel aus. Zudem wurden viele seiner Gottesdienste im Hörfunk und im Fernsehen übertragen.

Wie beliebt und bekannt der Theologe war, zeigten seine überfüllten Auftritte bei evangelischen Kirchentagen. Mit ihm verlieren die Protestanten eine ihrer prägendsten Figuren im Nachkriegsdeutschland.

Spontane TV-Worte zu "Landshut"-Entführung

1977 legte Zink beim "Wort zum Sonntag" sein Manuskript zur Seite und sprach frei über das Drama um die Entführung des Lufthansa-Flugzeugs "Landshut" durch palästinensische Terroristen. Das war bis dahin unvorstellbar. Zwei Jahre später prangerte er am Samstagabend Umweltzerstörung an - kurz vor der Landtagswahl im Südwesten. Dies wurde ihm als grüne Wahlkampfhilfe ausgelegt. Der Vorwurf war in der Form unsinnig, obwohl in der Sache zutreffend, wie Winfried Kretschmann (Grüne) im Vorjahr sagte. 2015 hatte ihn Baden-Württembergs Ministerpräsident mit dem Ehrentitel "Professor" ausgezeichnet. Dabei würdigte Kretschmann Zinks "jahrzehntelange literarische und wissenschaftliche Arbeit sowie sein Engagement als Bürger und Christ".

Einsatz für Frieden und Schöpfung

Kretschmann nannte Zink aber nicht nur einen "ehrlichen und authentischen Menschen, der mit gutem Beispiel voranging und das, was er sagte und predigte, auch selbst tat". Der Ministerpräsident würdigte auch Zinks Einsatz in der Friedensbewegung und beim Entstehen der Partei der Grünen. Zink habe dazu beigetragen, dass "aus einer Protestbewegung eine ernst zu nehmende politische Kraft in der Mitte der Gesellschaft" geworden sei. Es war Kretschmanns öffentliche Verneigung vor einem Mann, der seit Jahrzehnten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einstand.

Wegen der gesundheitlichen Verfassung fand die Zeremonie im Vorjahr nur in einem kleinen Rahmen in Zink Wohnhaus statt. Dort hatte er bis ins hohe Alter an seinen mehr als 200 Büchern mit einer Gesamtauflage von weit über 20 Millionen Exemplaren gearbeitet. Zinks Interesse war es, Biblisches und Theologisches leicht und verständlich auszudrücken, aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft in den Alltag einfacher Menschen zu übersetzen. Die bekanntesten Beispiele dafür sind seine Übertragung des Alten und Neuen Testaments oder sein Buch "Wie wir beten können".

Aufgewachsen als Vollwaise

Zink sprach im Alter auch immer wieder über Persönliches, erinnerte sich an seine Kindheit, an die Zeit als Kampfflieger im Zweiten Weltkrieg oder an seine große Liebe zu seiner Frau Heidi. Sein Leben beschrieb er als "wunderbar und mühevoll". Die Mutter starb, als er zwei war, der Vater ein Jahr später. "Ich bin danach von Kinderheim zu Kinderheim gereicht worden und von Tante zu Tante." Er kapselte sich von seinen vier Brüdern ab. Die Kindheit verbrachte er auf der Schwäbischen Alb, besuchte ein Gymnasium in Ulm und machte während des Zweiten Weltkriegs Abitur.

Seine Erfahrungen als Kampfflieger ließen ihn bis ins Alter nicht los. "Das Grauen bleibt", so Zink. Erst in der Gefangenschaft begann er mit dem intensiven Lesen der Bibel. Er entschied sich, Theologie zu studieren. Er lebte und studierte anschließend in Stuttgart, Tübingen und Esslingen. Seine publizistische Laufbahn begann 1961, als er Fernsehbeauftragter der Württembergischen Landeskirche beim damaligen SDR wurde. Doch aus Zink wurde ein Theologe, der das religiöse protestantische Leben weit über Württemberg hinaus prägte.

Michael Jacquemain
(KNA)

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