Diese Bischöfe nehmen am Panorthodoxen Konzil teil
Diese Bischöfe nehmen am Panorthodoxen Konzil teil
Orthodoxe Bischöfe bei ihrer Ankunft auf Kreta
Orthodoxe Bischöfe bei ihrer Ankunft auf Kreta

19.06.2016

Seit über 100 Jahren bemüht sich die Orthodoxie um ein Konzil Der lange und mühsame Weg nach Kreta

Die Kirche denkt in Jahrhunderten. Dieser landläufige Spruch gilt auch und gerade für das sogenannte Panorthodoxe Konzil, das ab diesem Sonntag auf Kreta stattfindet.

Spätestens mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dem Entstehen neuer Nationalstaaten auf dem Balkan erkannten führende Vertreter der Orthodoxie die Gefahr eines zunehmenden Nationalismus auch innerhalb der Kirche. So berief schon 1872 das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel eine Synode ein, bei der die nationalen Rivalitäten zwischen den einzelnen Landeskirchen zwar deutlich kritisiert wurden.

Es blieb jedoch vorerst beim Appell zur Einheit der Orthodoxie. 1902 machte der Ökumenische Patriarch Joakim III. (1878-1884, 1901-1912) einen neuen Anlauf und rief in einem Schreiben an die Oberhäupter aller eigenständigen (autokephalen) orthodoxen Kirchen zu mehr Kooperation auf. Die mehrheitlich positiven Rückmeldungen führten zum Plan, einen panorthodoxen Theologenkongress einzurichten, der regelmäßig alle drei Jahre tagen und wichtige Fragen behandeln sollte. Zur Gründung des Kongresses kam es jedoch nie.

Kriege verhinderten Zusammenkünfte

Durch die Balkankriege (1912/13), den Ersten Weltkrieg (1914-1918) die russische Oktoberrevolution (1917) und den Griechisch-Türkischen Krieg (1919/20) war eine panorthodoxe Zusammenkunft unmöglich.

Entweder standen die Heimatländer der einzelnen Kirchen gegeneinander im Krieg, oder die Kirchen waren aufgrund innerer politischer Prozesse wie im Fall Russlands handlungsunfähig. Ein neuerliches Schreiben von Patriarch Joakim an alle Kirchenoberhäupter 1920 blieb wirkungslos. 1923 lud sein Nachfolger Meletios IV. (1921-1923) die orthodoxen Kirchenoberhäupter zu einem panorthodoxen Kongress nach Istanbul ein.

Zwar kamen nicht alle; trotzdem konnten einige wichtige Themen besprochen werden. Deutlich wurde auch die Notwendigkeit eines echten Panorthodoxen Konzils, das verbindliche Entscheidungen für die gesamte Orthodoxie treffen könnte.

Spannungen zwischen den Kirchen

Gregorios VII. (1923-1924) berief ein solches Konzil deshalb auch für Pfingsten 1925 nach Istanbul ein. Es wurde später auf 1926 und auf den Berg Athos verschoben und schließlich ganz abgesagt. Spannungen zwischen den Kirchen machten ein solches Treffen unmöglich. Es folgten zwar noch eine informelle Zusammenkunft von Vertretern orthodoxer Kirchen 1932 auf dem Berg Athos, eine geplante, aber abgesagte Prosynode im selben Jahr in Istanbul und ein Theologenkongress 1936 in Athen - freilich ohne einem Konzil tatsächlich einen wesentlichen Schritt näherzukommen. Der Zweite Weltkrieg und der darauffolgende Kalte Krieg und die Spaltung Europas machten alle weiteren Pläne für ein Konzil illusorisch.

Erst in den 60er Jahren gab es neue Bewegung: 1961, 1963 und 1965 fanden auf Rhodos panorthodoxe Konferenzen statt. 1968 folgte eine weitere in Chambesy bei Genf. Dort wurden kirchliche und ethische Fragen besprochen, aber auch die Teilnahme der Orthodoxie an ökumenischen Foren wie dem Weltkirchenrat fixiert. Ab 1971 fand schließlich eine Reihe interorthodoxer Tagungen statt, die ein Konzil vorbereiten sollten. Dort kristallisierten sich schon jene Themen heraus, die auch jetzt auf Kreta behandelt werden.

Überraschende Nachricht

Mit dem Ende der Sowjetunion, der Entstehung neuer Staaten in Mittel- und Osteuropa sowie neuen Spannungen zwischen dem Ökumenischen Patriarchat und dem Moskauer Patriarchat schien ein Panorthodoxes Konzil wieder in weite Ferne zu rücken. Umso überraschender war dann die Nachricht, dass sich die orthodoxen Kirchenoberhäupter bei einer Zusammenkunft (Synaxis) im März 2014 in Chambesy auf die Abhaltung eines Konzils 2016 in Istanbul einigten.

Eine Vorbereitungskommission erstellte bei mehreren Treffen den Themenkatalog. Zehn Konzilsvorlagen (Schemata), im Wesentlichen basierend auf Vorlagen aus den 1970er Jahren, wurden vorbereitet. Schließlich blieben sechs Dokumente für die Behandlung beim Konzil übrig; sie wurden bei einer Synaxis Ende Januar in Chambesy beschlossen. Die anderen vier waren zu umstritten - und werden vorerst nicht behandelt. Statt auf Istanbul einigte man sich auf Kreta als Austragungsort.

Georg Pulling
(KNA)

Das DOMRADIO.DE WM-Tippspiel

Die WM ist vorbei. Frankreich ist Weltmeister. Schwester Katharina freut sich über 2.500 Euro Erlös für das Kinderheim in Olpe.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 18.07.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Matthäusevangelium
    18.07.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 11,25–27

  • Hermann der Lahme
    18.07.2018 09:20
    Anno Domini

    Hermann der Lahme

  • Matthäusevangelium
    19.07.2018 07:50
    Evangelium

    Mt 11,28–30

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag ab 8 Uhr!

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen