EKD-Ratsvorsitzender ruft zu Empathie auf

"Mitgefühl ist aktueller denn je"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Empathie für Mitmenschen als Modell für die Zukunft bezeichnet. Mitgefühl für Andere sei keinesfalls von gestern, sondern aktueller denn je.

Heinrich Bedford-Strohm / © Arno Burgi (KNA)
Heinrich Bedford-Strohm / © Arno Burgi ( KNA )

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat Empathie für Mitmenschen als Modell für die Zukunft bezeichnet. Mitgefühl für Andere sei keinesfalls von gestern, sondern aktueller denn je, sagte der oberste Repräsentant der deutschen Protestanten am Samstag bei den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Kaiserswerther Verbandes in Berlin. Im vergangenen Jahr seien etwa im Zusammenhang mit der Ankunft Tausender Flüchtlinge viele Menschen in Deutschland "aus ihren Löchern" gekommen und hätten "einfach helfen wollen".

Dieses Engagement könne nicht durch Rechtsextremisten zerstört werden. Er wolle nicht, dass "diese dummen Sprüche, die wir jetzt hören, diese Erfahrungen kaputtmachen". Auf Reisen werde er überall auf diese Erfahrungen in Deutschland angesprochen, berichtete der EKD-Ratsvorsitzende.

"Toller Geist"

Der Kaiserswerther Verband feiert an diesem Wochenende in Berlin sein 100-jähriges Bestehen. Das am Freitag gestartete Jubiläumswochenende steht unter der Überschrift "100 Jahre Richtung Zukunft". Der EKD-Ratsvorsitzende würdigte die Arbeit der Diakonissen in Deutschland. Diese seien "Powerfrauen für Christus". Der Kaiserswerther Verband stehe für eine reiche und starke Tradition, sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. In den heute rund

70 Diakonissenmutterhäusern und diakonischen Einrichtungen arbeiten rund 50.000 Menschen, unter anderem in Krankenhäusern, Senioreneinrichtungen sowie Schulen, Hospizen, Kindergärten und Werkstätten.

Bedford-Strohm sprach unter Hinweis auf persönliche Begegnungen mit Diakonissen von einem "ganz tollen Geist", der durch Freude, Fröhlichkeit, Liebe und Kraft gekennzeichnet sei. Zur Zukunft des Verbandes und der diakonischen Arbeit in Regionen mit nur noch geringer Kirchenbindung sprach sich Bedford-Strohm für Flexibilität aus. So könne nicht alles von der Mitgliedschaft in der Kirche abhängig gemacht werden. Der christliche Geist müsse in den Einrichtungen aber spürbar bleiben. Prozentsätze, wie viele Mitarbeiter sich zum christlichen Glauben bekennen, seien nicht vorrangig. Dies könne von Region zu Region und von Einrichtung zu Einrichtung variieren, sagte er.

Faszinierendes Lebensmodell

Zu den Aufgaben des Kaiserswerther Verbands gehört die Vertretung der Häuser auf politischer, kirchlicher und diakonischer Ebene. Das Jubiläumswochenende wird gemeinsam mit dem Evangelischen Diakonissenhaus Berlin-Teltow-Lehnin begangen, das sein 175-jähriges Bestehen feiert.

Die Präsidentin der Kaiserswerther Generalkonferenz (KGK), die österreichische Pfarrerin Christa Schrauf, erinnerte an die Faszination, die vom Lebensmodell der Diakonissen ausgehe. Deren Berufung, etwa zur Arbeit mit Schwerstkranken, verdiene höchsten Respekt und hohe Wertschätzung. Auch leisteten die Diakonissen wichtige Beiträge in die Kirche hinein, etwa in Sachen Spiritualität.

Die Anfänge des Kaiserswerther Verbandes gehen sogar 180 Jahre zurück, konkret auf das Jahr 1836. Damals wurde durch Theodor und Friederike Fliedner in Düsseldorf-Kaiserswerth das erste Diakonissenmutterhaus gegründet. Die Bewegung breitete sich rasch aus, auch über Deutschland hinaus. Im Jahre 1861 entstand die internationale Kaiserswerther Generalkonferenz mit 13 Mutterhäusern und 700 Diakonissen. Aus dieser Konferenz heraus entstand 1916 der Kaiserswerther Verband als Zusammenschluss der deutschen Diakonissen-Mutterhäuser.

 


Quelle:
epd