Patriarch Kyrill I. bei einem Gottesdienst
Patriarch Kyrill I. bei einem Gottesdienst

06.02.2016

Patriarch will mit Papst über Christenverfolgung in Nahost sprechen Ein Evangelium und ein Christus

Bei ihrem Treffen in Kuba wollen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill der russisch-orthodoxen Kirche zufolge vor allem über die Verfolgung der Christen in Nahost beraten. Das kündigte Metropolit Ilarion am Samstag im russischen Staatsfernsehen an.

Er sagte, das Problem der Christenverfolgung könne nicht nur mit Worten bekämpft werden. Zudem dürften westliche Werte bei der Begegnung zur Sprache kommen. Der Patriarch gilt als Kritiker liberaler Werte und Verfechter eines Traditionalismus.

Franziskus und Kyrill wollen sich am kommenden Freitag auf dem Flughafen der kubanischen Hauptstadt Havanna treffen. Es ist die erste Begegnung eines katholischen und eines russisch-orthodoxen Kirchenoberhauptes. Dem Treffen in dem Karibikstaat sind gut 20 Jahre Planung vorausgegangen. Katholiken und Orthodoxe gehen seit der großen Kirchenspaltung (Schisma) aus dem Jahr 1054 getrennte Wege. Die "orthodoxe Welt" ist in mehr als ein Dutzend unabhängige Kirchen zersplittert. Der größte ist der russisch-orthodoxe Zweig mit rund 150 Millionen Gläubigen.

Zwar nannte der Metropolit im russischen Staatsfernsehen laut einer Vorabmeldung nicht konkret den Syrien-Konflikt, doch kritisierte er, dass Einzelne nur von politischen Interessen geleitet würden und mal diese mal jene Koalition bildeten. "Es ist wichtig zu verstehen, dass reelle Menschen leiden und sterben." Um dieses Übel zu besiegen, brauche es eine Koalition aller Menschen guten Willens, forderte Ilarion, der sich um die Außenpolitik seiner Kirche kümmert.

Treffen an einem neutralen Ort

Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin erklärte, das Treffen sei ein "Ereignis von außerordentlicher Wichtigkeit". Es werde bedeutende Auswirkungen auf die ökumenischen Beziehungen zwischen den beiden Kirchen haben.

Die Möglichkeit zu der Begegnung habe sich nach langer Zeit auch deshalb eröffnet, weil Papst Franziskus "Brücken zur orthodoxen und zur protestantischen Welt" gebaut habe. "Er hat seine völlige Bereitschaft deutlich gemacht, den Patriarchen zu treffen, wo und wie dieser es wünschte", sagte Parolin. Moskau hatte darauf bestanden, sich an einem neutralen Ort und nicht in Europa zu treffen.

Kyrill: Positionen beider Kirchen häufig nah beieinander

In Havanna werde es auch um westliche Werte gehen, sagte Ilarion. "Wir haben ein Evangelium, wir haben einen Christus, dieselben Gebote, und wir nehmen auch die Ablehnung dieser Gebote zum Beispiel in Westeuropa wahr", sagte er in dem Interview, das am Samstagabend gesendet werden sollte. Russische Agenturen zitierten daraus vorab. Die Positionen beider Kirchen seien häufig nah beieinander, meinte er.

Die russisch-orthodoxe Kirche gilt als wertkonservativ. Patriarch Kyrill sieht etwa Homosexualität als Gefahr für die Gesellschaft. Kremlchef Wladimir Putin sieht in Kirche und Patriarch eine Machtstütze und Verbündete bei der Eindämmung eines Liberalismus nach westlichem Vorbild in Russland.

Ilarion zufolge soll das Treffen in Kuba rein politischen Charakter haben. Es seien ein Gespräch und eine schriftliche Erklärung geplant, sagte er. Ein gemeinsames Gebet werde es aber nicht geben.

(dpa)

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