14.03.2013

Speyerer Bischof Wiesemann zu neuem ACK-Vorsitzenden gewählt Bewährter Ökumeniker

Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer ist neuer Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland.

Wenn der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus seinem Fenster schaut, sieht er nicht nur seine Bischofskirche, den Speyerer Kaiserdom, sondern zugleich den Amtssitz seines evangelischen Pendants, Kirchenpräsident Christian Schad. "Eine angenehme Aussicht", sagt Wiesemann.

Die Gebiete des katholischen Bistums Speyer und der evangelischen pfälzischen Landeskirche sind fast deckungsgleich. Und wohl nirgendwo in Deutschland hat die über Jahrzehnte gewachsene ökumenische Trägerschaft von Sozialeinrichtungen so großes Gewicht wie in der Pfalz, in der die Menschen über Jahrhunderte konfessionell hin- und hergetrieben wurden.

Am Donnerstag wurde Wiesemann nun zum neuen Vorsitzenden der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) gewählt.

Der Zusammenschluss von 17 Mitgliedskirchen repräsentiert die große Mehrheit der rund 50 Millionen Christen in Deutschland.

Wiesemann ist Westfale, doch entgegen dem Klischee wuchs er nicht in einem geschlossenen katholischen Milieu auf, sondern im evangelisch geprägten Herford. So passt es, dass er die Deutsche Bischofskonferenz bereits seit 2008 vertritt, bislang als stellvertretender Vorsitzender. Auch international ist Wiesemann mittlerweile im ökumenischen Dialog etabliert: Zusammen mit dem evangelischen Landesbischof Friedrich Weber (Braunschweig), dem bisherigen ACK-Vorsitzenden, leitet er eine neue Dialogkommission der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) und des Päpstlichen Einheitsrats.

Als die Bischofskonferenz vor zwei Jahren bei ihrer Vollversammlung in Paderborn einen Studientag zur Ökumene abhielt, wandte sich Wiesemann vor Journalisten entschieden gegen Parolen von Stillstand oder gar Eiszeit in der Ökumene. Zugleich lobte er die multilaterale Ökumene auf ACK-Ebene. Aus katholischer Sicht, so der Bischof, sei die ACK "mehr als eine organisatorische Plattform, die dem Miteinander der Kirchen und Konfessionen eine Struktur gibt". Ihre theologische Bedeutung liege darin, "dass sie ein Zeichen für die bereits bestehende Einheit der Christen und zugleich Werkzeug auf dem Weg zur vollen Einheit ist".

Im Miteinander der Konfessionen kommen für den Speyerer Bischof die Vielfalt und der große geistliche und theologische Reichtum der ganzen Christenheit in den Blick. "Gerade die multilaterale Ökumene lässt die Fülle des Christlichen aufleuchten." Einen wichtigen Impuls sieht er - auch wegen der Beteiligung der orthodoxen Christen - in der 2010 gestarteten Initiative, als Christen jedes Jahr gemeinsam einen "Tag der Schöpfung" zu feiern.

Sich selbst beschrieb Wiesemann einmal als Teil der "Generation Johannes Paul II.". Ihn interessiert die Zeit, die zum Zweiten Vatikanischen Konzil Anfang der 1960er Jahre geführt hat. Er will die Wurzeln dieser kirchlichen Erneuerung begreifen. Hans Urs von Balthasar, Romano Guardini und Karl Rahner nennt Wiesemann als prägende theologische Figuren. Der fesselnde Prediger plädiert für eine "geistliche Erneuerung" und eine "religiöse Vergewisserung nach den Umbrüchen des Konzils".

Er will aber zugleich, dass die katholische Kirche "aus der Sakristei herauskommt". Weit weg ist Wiesemann von jeder Form von Fundamentalismus. Sowohl innerkirchlich als auch politisch, wo er vernehmlich "dumpfe rechte Kreise" ablehnt, die in Europa Ängste vor Überfremdung schürten.

Auf Bundesebene hat der musisch und kulturell interessierte Wiesemann seit eineinhalb Jahren auch die Aufgabe des "Jugendbischofs" und damit des Ansprechpartners für die katholischen Jugendverbände. Dabei gibt es auch inhaltliche Überschneidungen zu seinem ökumenischen Engagement. So wirkt er an diesem Freitag bei der Eröffnung des 55.

"Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend" an der Gedenkstätte zur Deutschen Teilung "Point Alpha" im thüringischen Geisa mit.

 

 

Michael Jacquemain und Norbert Zonker
(KNA)

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