04.06.2004

Interview mit Kardinal Joachim Meisner über das „domradio", das vor vier Jahren erstmals auf Sendung ging „Durchweg positive Erfahrungen"

Vor vier Jahren, am Pfingstfest 2000, ging in Köln das erste Bistumsradio „domradio" auf Sendung. Aus diesem Anlass führte Carsten Waldhecker mit Kardinal Joachim Meisner das folgende Interview:FRAGE: Herr Kardinal, was bedeutet für Sie das Domradio?MEISNER: Es ist ein Versuch, mit dem wir bislang durchweg positive Erfahrungen machen. Denn mit dem Domradio schaffen wir nicht nur einen „heißen Draht" zu unseren Kirchgängern, wir erreichen vielmehr auch die „Kirchenfernen" - Menschen, die auf der Suche sind. Gerade die Bischöfe Südamerikas und Asiens haben uns da viele Erfahrungen voraus; meist, weil ihre Bistümer so groß sind, dass sie keine andere Möglichkeit haben, mit ihren Gläubigen den Kontakt zu halten. Im Erzbistum Köln sind die Strecken nicht so weit, aber moderne Instrumente der Reevangelisierung brauchen wir vielfach dringender als die Schwellenländer.FRAGE: Worin besteht Ihrer Meinung nach die Einzigartigkeit des Senders?MEISNER: Wir haben mit dem Domradio die Möglichkeit, Themen aus dem spezifischen Blickwinkel der Kirche zu betrachten. Nehmen Sie beispielsweise unsere Nachrichten. Wenn die Politik über Veränderungen in der Pflegeversicherung berät, dann recherchieren die Mitar-beiter des Domradios eine solche Nachricht unter dem Aspekt: Was bedeutet die Veränderung für die betroffenen Menschen - und lassen dazu möglicherweise einen Mitarbeiter der Caritas zu Wort kommen.FRAGE: Was gefällt Ihnen besonders am Programm des dom-radios?MEISNER: Das Programm des Domradios spiegelt die Vielfalt kirchlichen Lebens. Gerade, weildort die Themen unter dem spezifischen Aspekt ihrer Bedeutung für Christen betrachtet werden. So wird auch weltkirchlich überdeutlich, was für ein gewaltiges Netzwerk die Kirche weltumspannend darstellt. Sei es nun bei einer Gottesdienstübertragung aus dem Kölner Dom oder ein Pontifikalamt mit dem Heiligen Vater in Rom oder im Telefoninterview mit einer Ordensschwester in Afrika.FRAGE: Würden Sie einen Verkündigungssender dem bestehenden Domradio vorziehen?MEISNER: In Deutschland haben wir ja noch so gut wie keine Erfahrungen mit einem Verkündigungssender im eigentlichen Sinne. Insofern ist eine Abwägung schwierig. Das Domradio, wie es derzeit besteht, bietet aber allein deshalb schon eine große Chance, weil wir mit der musikalischen Mischung und dem vielfältigen Programm auch diejenigen erreichen können, die den Kontakt zur Kirche verloren haben. Für sie ist ein Verkündigungssender gleichsam wie eine Schwelle, die sie sich nicht zu übertreten trauen. Das ist eine allgemeine Erfahrung der Pastoral in den letzten Jahren. Darum bemühen wir uns um niedrigschwellige Angebote. Ein Beispiel dafür ist das Domforum in Köln. In diesem Sinne bietet das Domradio uns eine hohe Chance.FRAGE: Was würden Sie im Programm des Domradios nicht hören wollen?MEISNER: Eine Art der Gotteslästerung, wie sie inzwischen auch   in   öffentlich-rechtlichen Programmen fast schon zum „guten Ton" gehört. Es ist in manchen Medien heute kaum noch möglich, über eine kirchliche oder religiöse Frage zu sprechen, ohne dass beinahe zwanghaft eine Gegenposition gesucht werden muss. Da sind wir beim Domradio freier und können auch einmal über ein päpstliches Lehrschreiben berichten, ohne jemanden suchen zu müssen, der den Rückfall ins Mittelalter prophezeit.FRAGE: Wie beurteilen Sie die Zukunftspersektive des Senders?MEISNER: Das hängt entscheidend davon ab, wie das Domradio empfangen werden kann. Dazu gehört beispielsweise auch, dass ein solches Programm auch eine terrestrische Frequenz braucht. Wenn die Menschen die Möglichkeit haben, Domradio auch im Autoradio zu empfangen, bin ich sicher, dass wir in kürzester Zeit hervorragende Hörerzahlen erreichen können. Das haben übrigens unsere Erfahrungen während des Domjubiläums eindrucksvoll nachgewiesen. Was damals nur ein Experiment war, ist inzwischen ein Vollprogramm mit hoher Qualität. Und ich bin stolz darauf, dass wir in diesem Bereich hochmotivierte Mitarbeiter haben.Das DomradioDas Domradio sendet rund um die Uhr. Um 6 Uhr gibt es jeden Morgen die Laudes. Nachrichten, historische Stichworte, Veranstaltungshinweise und Musik stehen im Mittelpunkt des täglichen Vormittagspro-gramms. Zwischen 10 und 12 Uhr gibt es abwechselnd Fragen an Verantwortliche des Erzbistums Köln, Talk mit Prominenten und Beratung zu Lebensfragen. Abends übernimmt das Domradio ab 19.10 Uhr 50 Minuten lang Nachrichten und Beiträge von Radio Vatikan.Auszüge aus dem Programm des domradios finden Sie auch in der Kirchenzeitung (Seite 47). Das komplette Programm finden Sie im Internet unter: www.domradio.de